BVB fremdelt mit neuem Defensivkonzept

BVB-Trainer Peter Bosz und dei Spieler Sokratis (l.) und Aubameyang

BVB fremdelt mit neuem Defensivkonzept

  • BVB beklagt nach 1:3 bei Tottenham Entscheidungen des Schiedsrichters.
  • Spurs bestrafen Probleme in Dortmunds Defensive.
  • Sportdirektor Zorc: "Du musst deine Heimspiele gewinnen."

Jenen Fußball-Traditionalisten, die zuletzt wegen technischer Startprobleme am Videobeweis herummäkelten, sollte man als Gegenbeweis die Bilder vom Dienstagabend aus der Champions League vorlegen. Die UEFA verzichtet in ihrer Königsklasse ja auf Kameras und Videoschiedsrichter. Prompt gingen bei der Partie zwischen Tottenham und dem BVB zwei Fehlentscheidungen durch, die den Verlauf des Spiels zumindest maßgeblich beeinflussten.

Erst drückte Schiedsrichter Gianluca Rocchi vor Tottenhams Führungstor bei Harry Kanes Catcher-Griff gegen Nuri Sahin beide Augen zu. In der zweiten Hälfte, beim Stand von 1:2 aus Dortmunder Sicht, verweigerte er dem Treffer von Pierre-Emerick Aubameyang fälschlicherweise die Anerkennung - der vermeintliche Torschütze war der einzige Spieler im Spurs-Strafraum, der klar nicht im Abseits stand. "Wenn auf dem Niveau so eine Fehlentscheidung getroffen wird, ist es schwer, das Spiel zu drehen", sagte Sportdirektor Michael Zorc.

Tottenham bestraft BVB-Fehler

Auch der Trainer kam im Anschluss nicht ohne Kritik am Schiedsrichter aus, stellte in seiner Analyse aber richtigerweise die selbstverschuldeten Defizite seines Teams in den Vordergrund. "Wenn man so spielt, sind die Räume hinter der Verteidigung riesengroß. Das haben wir nicht gut gemacht", sagte Peter Bosz und gab damit auch zu, dass sein Team mit dem neuen Defensivkonzept noch erkennbar fremdelt.

Die Spurs nahmen die sich bietenden Räume der hoch verteidigenden Dortmunder dankend an, nutzten die individuellen Fehler und das zaghafte Zweikampfverhalten gnadenlos aus. Bei einer besseren Chancenverwertung wären womöglich noch mehr Tore als die Treffer von Son (4.) und des überragenden Kane (15., 60.) möglich gewesen. Auch weil Ömer Toprak den verletzten Marc Bartra nur unzureichend vertrat. Abwehrchef Sokratis und Lukasz Piszczek, die bei Kanes Treffern jeweils Abstand hielten, haben auch schon bessere Fußballabende erlebt.

Bürki: "Nach vorne zu wenig zwingend"

Vorne machten die Dortmunder zuwenig aus ihrer statistischen Überlegenheit und entwickelten, wie schon bei der Nullnummer am vergangenen Wochenende in Freiburg kaum Torgefahr. "Wir waren ein bisschen zu wenig zwingend nach vorne", bemängelte Torhüter Roman Bürki, der bei zwei Gegentreffern ebenfalls keine glückliche Figur abgab.

Natürlich hat der BVB noch alle Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale - doch die Pleite zum Auftakt, bei einem direkten Kontrahenten in der starken Gruppe mit Real Madrid, ist äußerst schmerzhaft. Im Rückspiel gegen die Spurs muss ein deutlicher Sieg her, um in einem möglicherweise entscheidenden direkten Vergleich die Nase vorn zu haben.

BVB unter Zugzwang - als nächstes gegen Real Madrid

Die sportliche Leitung schaltete nach dem Spiel schon wieder in den Angriffsmodus: "Alles ist noch offen, wir sehen uns auch noch in Dortmund", sagte Bosz. Sportdirektor Zorc meinte: "Die Champions League ist eigentlich einfach. Du musst deine Heimspiele gewinnen, dann hast du eine gute Chance weiterzukommen." Dies bedeutet aber auch, dass der BVB im ersten Heimspiel schon unter Zugzwang ist, der Gegner in zwei Wochen heißt: Real Madrid.

red/sid/dpa | Stand: 14.09.2017, 11:30