Harte Kritik am Dortmunder Sicherheitskonzept

Harte Kritik am Dortmunder Sicherheitskonzept

  • Dortmunder Randalierer greifen Leipzig-Fans an
  • Vier verletzte Polizisten, 28 Strafanzeigen
  • De Maizière fordert schnelles Durchgreifen
  • Fanclub macht BVB-Boss Watzke mitverantwortlich

In einer Stellungnahme an den Deutschen Fußball-Bund, die Deutsche Fußball Liga und Borussia Dortmund schrieb der Fanverband des Bundesliga-Aufsteigers und Tabellenzweiten: "Wir Fans von RB Leipzig sind seit Jahren Einiges gewohnt, aber was in Dortmund los war, war bisher unerreicht!"

Aus Sicht der RB-Anhänger sei ein Sicherheitskonzept zu "keiner Zeit zu erkennen" gewesen. Auch habe es keine richtige Fan-Trennung gegeben. Der Fanclub Bornaer Bullen machte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke für die Ausschreitungen mitverantwortlich. "Sie stehen persönlich zumindest moralisch für Gewalt- und Hassexzesse Ihrer Anhänger gegenüber den RB-Leipzig-Fans. (... ) Sie persönlich sind verantwortlich für den Hass, der uns entgegenschlug! Sie persönlich schüren unter den Fußballanhängern nicht nur Rivalität und Abneigung, sondern Gewaltpotenzial", hieß es in einem Offenen Brief.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) erhob Vorwürfe gegen den BVB: "Es war nicht hilfreich, wie Dortmund-Chef Watzke im Vorfeld gestichelt hat - vermutlich war es sogar schädlich", sagte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende Arnold Plickert.

Polizei: "Extreme Aggressivität"

Vor dem BVB-Heimspiel am Samstag (04.02.2017) gegen RB Leipzig hatten Dortmunder Randalierer Gäste-Fans angegriffen. "Es wurden insgesamt 28 Strafanzeigen wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz, Körperverletzung, gefährlicher Körperverletzung, Landfriedensbruchs, Sachbeschädigung, Beleidigung, Widerstands sowie räuberischen Diebstahls gefertigt", teilte die Polizei Dortmund in ihrer Einsatzbilanz mit.

Dortmunder Ultras vor dem Spiel gegen Leipzig

Dortmunder Fans vor dem Spiel gegen Leipzig

Die Polizei sprach von einer "extremen Aggressivität und Gewaltbereitschaft der Dortmunder". Auch "kleine Kinder, Frauen oder Familien" seien ins Visier der Randalierer geraten. Vier Polizisten wurden bei dem Einsatz verletzt, einer von ihnen schwer. Laut RB-Fanverband landeten zehn Leipziger im Krankenhaus. Augenzeugen berichten von mindestens zehn Notarzt-Einsätzen.

De Maizière und Jäger wollen harte Strafen

Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat nach den gewalttätigen Attacken Dortmunder Randalierer gegen Fußballfans von RB Leipzig harte Konsequenzen gefordert. "Ich hoffe auf eine schnelle und harte Reaktion der Justiz, damit alle wissen, was ihnen droht, wenn man sich so verhält", sagte der CDU-Politiker der "Bild"-Zeitung. Die Krawallmacher gehörten "nicht ins Stadion, sondern hinter Schloss und Riegel".

NRW-Innenminister Ralf Jäger kommentierte: "Was am Samstag vor dem Spiel in Dortmund passiert ist, war eine Schande für den Fußball. Wer Steine und Flaschen auf Frauen und Kinder wirft, hat den Knall nicht gehört und muss bestraft werden." Max Eberl, Sportdirektor bei Borussia Mönchengladbach, sprach von einer "Katastrophe für den Fußball": "Das ist krank. Man kann RB Leipzig mögen oder nicht, aber es muss alles im Rahmen bleiben." Auch Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau fand deutliche Worte:

Insgesamt waren 8.500 Leipziger Fans zum ersten Auswärtsspiel des Jahres für RB mitgereist. Nach Information des Vereins konnten auch die verletzten Fans die Heimreise antreten - Zahlen nannten die Sachsen dabei nicht.

Umfangreiche Ermittlungen

Bei der Dortmunder Polizei laufen bereits umfangreiche Ermittlungen. "Wir ermitteln jetzt", sagte eine Sprecherin am Montagmorgen (06.02.2017). Details wollte sie nicht nennen. Auch der Kontrollausschuss des DFB kündigte Ermittlungen an. Es dürfte dabei vor allem um die vielen Schmäh-Spruchbänder gehen, die vor der Partie auf der Südtribüne des Stadions zu sehen waren. Grundsätzlich kann die DFB-Sportgerichtsbarkeit nur Vorkommnissen nachgehen und zur Verurteilung bringen, die innerhalb des Stadions standfanden.

BVB verurteilt Angriffe

Der BVB verurteilte die Angriffe. "Borussia Dortmund bedauert zutiefst, dass es zu Ausschreitungen auf dem Anreiseweg der Fans aus Leipzig gekommen ist. Der BVB verurteilt diese Gewalt aufs Schärfste!", teilte der Verein mit. Der BVB wünschte "den verletzten Fans aus Leipzig auf diesem Wege gute Besserung". Man wolle die Geschehnisse "gemeinsam mit der Polizei aufarbeiten", hieß es.

Stand: 06.02.2017, 20:25