Herrenflorett-Team verpasst Olympia-Qualifikation

Florettfechter Peter Joppich (r.), Moskau 2015

Fechten - "Löwe von Bonn"

Herrenflorett-Team verpasst Olympia-Qualifikation

Der olympische Mannschaftswettbewerb in Rio de Janeiro findet das erste Mal seit 1956 ohne die deutschen Florettherren statt.

Das Fecht-Wunder ist ausgeblieben, der Olympia-Traum beendet: Das deutsche Herrenflorett-Team um den viermaligen Einzel-Weltmeister Peter Joppich und Peking-Olympiasieger Benjamin Kleibrink ist vier Jahre nach der Bronzemedaille von London bei den Sommerspielen in Rio nur Zuschauer.

Das Quartett mit Joppich (Koblenz), Kleibrink, Sebastian Bachmann (beide Tauberbischofsheim) und Andre Sanita (Bonn) verlor beim letzten Qualifikationsturnier in Bonn im Viertelfinale gegen den Europameister und Weltranglistenersten Frankreich am Sonntag (07.02.2016) mit 41:45 und verpasste damit das Ticket nach Rio de Janeiro. Turniergewinner wurde der WM-Zweite Russland mit 45:39 gegen Olympiasieger und Weltmeister Italien.

Sportdirektor Ressel: "Es ist schon enttäuschend"

Es ist das erste Mal seit 1956, dass ein deutsches Herrenflorett-Team nicht bei Olympia startet. 2008 stand der Teamwettbewerb nicht im Programm. "Das kleine Wunder, dass wir uns erhofft hatten, ist leider nicht eingetreten", sagte Sportdirektor Sven Ressel: "Es ist schon enttäuschend, aber über den gesamten Saisonverlauf ist es gerecht, dass die Briten vor uns stehen."

Schon im Vorfeld des traditionsreichen Florett-Weltcups "Löwe von Bonn" standen die Chancen der Deutschen schlecht: Mindestens Platz zwei hätte das Team benötigt, nach der Niederlage gegen Frankreich war auch diese letzte theoretische Chance vertan. Und das, obwohl die Deutschen gut gestartet waren und den direkten Konkurrenten Großbritannien im Achtelfinale trotz Rückstandes noch mit 41:40 besiegten.

Ernsthafte Aussichten auf einen Olympiastart im Einzel hat nur noch Joppich. Bei einer Teamqualifikation für Rio hätten automatisch drei deutsche Florettfechter auch im Einzel an den Start gehen dürfen. Für den Deutschen Fechter-Bund (DFeB) wird das Horrorszenario von Olympia ohne deutsche Beteiligung in den Mannschafts-Wettbewerben immer wahrscheinlicher.

Team-Hoffnung liegt auf Degen-Herren

Vor den Florett-Herren hatten auch das Damendegen-Team um Peking-Olympiasiegerin Britta Heidemann und die Säbelfechterinnen die Qualifikation abschreiben müssen. Einzige Mannschaftshoffnung sind nur noch die Degen-Herren um den zweimaligen Einzel-Europameister Jörg Fiedler (Leipzig).

Ihre Chancen auf Olympia vergaben die deutschen Florettfechter allerdings nicht in Bonn. Während ihr größter Konkurrent Großbritannien zuletzt in den wichtigen direkten Duellen häufig die Oberhand behielt und konstant punktete, musste das deutsche Team immer wieder Rückschläge hinnehmen. Besonders bitter war das frühe Aus bei der WM 2015 in Moskau. Nach 26:22-Führung verlor die deutsche Mannschaft beim wichtigsten Qualiturnier gegen die Briten im Achtelfinale noch 28:29 im sudden death - Punkte, die ihnen am Ende schmerzlich fehlten.

Keine Wende mit Kleibrink

Auch das überraschende Comeback des nach den Spielen in London zurückgetretenen Kleibrink konnte bei den letzten beiden Turnieren nicht mehr die entscheidende Wende bringen. Der Goldmedaillengewinner von Peking 2008 hatte Mitte Januar seine Rückkehr nach vier Jahren Pause gefeiert - ohne letztendlich aber das große Ziel Olympiaqualifikation zu erreichen.

Damit kann das deutsche Florett-Team auch die große Tradition bei Olympischen Spielen nicht fortsetzen. Bisher gab es zweimal Olympia-Gold, zweimal Silber und viermal Bronze. Dazu kommen noch sechs Weltmeistertitel. 1976 in Montreal gehörte zur mit Gold dekorierten deutschen Mannschaft auch der jetzige IOC-Präsident Thomas Bach.

Stand: 07.02.2016, 12:47