Heidemann erstmals seit 1999 nicht bei Fecht-WM

Immer mit vollem Einsatz - doch ob Britta Heidemann (r.) auf die Planche zurückkeheren wird, ist ungewiss.

Heidemann erstmals seit 1999 nicht bei Fecht-WM

  • Britta Heidemann erstmals seit 18 Jahren nicht bei Fecht-WM.
  • Titelkämpfe in Leipzig beginnen am Mittwoch (19.07.2017).
  • Die Rückkehr auf die Planche ist mehr als ungewiss.

Als Britta Heidemann das letzte Mal bei einer Fecht-Weltmeisterschaft fehlte, war Gerhard Schröder ein Jahr Bundeskanzler, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft unter Bundestrainer Erich Ribbeck beim Confed Cup in Mexiko in der Vorrunde ausgeschieden - und weltweit wuchsen die Sorgen vor möglichen Computerpannen beim Jahreswechsel 1999/2000. Nach 18 Jahren ist es aber ausgerechnet bei der Heim-WM wieder so weit: Deutschlands Vorzeigefechterin fehlt beim Kampf um die Medaillen. Bei den am Mittwoch (19.07.2017) startenden Titelkämpfen in Leipzig wird die WM-Botschafterin nur repräsentative Aufgaben übernehmen.

Vorzeigefechterin fehlt ausgerechnet bei Heim-WM

"Ich freue mich aber auch ein bisschen, mal ganz ohne Druck bei einer WM zu sein", sagte die Peking-Olympiasiegerin von Bayer Leverkusen. Seit der verpassten Qualifikation für die Sommerspiele in Rio im April 2016 hat die 34-Jährige keinen Wettkampf mehr bestritten. Ob sie überhaupt noch einmal auf die Planche zurückkehren wird, ist mehr als ungewiss. Zumindest offiziell hält sie sich aber die Möglichkeit einer Rückkehr offen. "Ich war in den vergangenen Monaten schon ein paar Mal in der Fechthalle und habe lektioniert. Das war toll und hat wieder sehr viel Spaß gemacht", sagte Heidemann: "Es hat immer noch gut funktioniert. Fechten ist einfach ein faszinierender Sport."

Probleme mit Achillessehne und Rücken

Doch gleich geblieben sind auch ihre Probleme mit Achillessehne und Rücken. Aber auch ohne Comeback hat die gebürtige Kölnerin schon alles gewonnen, was es im Fechtsport zu gewinnen gibt. Olympia-Gold 2008, Silber 2012 und mit der Mannschaft 2004. Dazu kommen insgesamt elf Medaillen bei Weltmeisterschaften, zuletzt 2014 Silber in Kasan. Nach ihrem EM-Gold 2009 gehörten ihr zu diesem Zeitpunkt alle drei großen Titel. Heidemann war und ist immer noch das Gesicht des deutschen Fechtens. Von ihren sportlichen Leistungen und ihrer mediale Präsenz profitierte der gesamte Verband. Doch auch sie konnte im vergangenen Jahr die ersten Olympischen Spiele ohne Medaille für die deutschen Fechter seit 1980 in Moskau nicht verhindern.

Sportpolitik statt Planche

Ihre Erfolge feierte sie zuletzt auf dem sportpolitischen Parkett statt auf der Planche: In Rio wurde sie in die Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees gewählt und ist damit auch IOC-Mitglied. Sie sitzt im Präsidium und in der Athletenkommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und gehört auch der PotAS-Kommission an, dem Eckpfeiler der Leistungssportreform.

Erst in der vergangenen Woche stimmte sie bei der IOC-Versammlung in Lausanne über die Doppelvergabe der Olympischen Spiele 2024 und 2028 ab, anschließend ging es nur mit einer kleinen Pause zum deutsch-chinesischen Dialogforum nach Potsdam. "Es macht Spaß, ist interessant, aber auch fordernd", sagte Heidemann zu ihren neuen Aufgaben: "Langweilig wird mir jedenfalls nicht."

Stand: 17.07.2017, 12:37