Fußball - DFB-Pokal

Angreifer Simon Terodde und Trainer Gertjan Verbeek vom VfL Bochum

Bochum hofft gegen Bayern auf "die eine Partie"

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Pokal-Viertelfinale, ausverkauftes Heimspiel unter Flutlicht, und der Gegner heißt Bayern München: Spieler und Fans des VfL Bochum brennen auf das Spiel des Jahres. Der Außenseiter hat nichts zu verlieren.

Frank Goosen hat ein Talent für klare und eingängige Worte. Vor dem Pokal-Viertelfinale gegen Bayern München am Mittwoch (10.02.2016/20.30 Uhr) fasste mal wieder niemand in Bochum die Stimmung so treffend zusammen wie der berühmteste Kabarettist der Stadt, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender des VfL ist. "Realistisch betrachtet ist es wahrscheinlicher, dass am Ende der FC Bayern das Spiel gewinnt", sagte er im Interview mit dfb.de: "Aber auf wahrscheinlich ist geschissen."

Alles, was der VfL nach der Rückkehr aus dem Winterurlaub auf die Beine gestellt hat, lässt erahnen, dass es für den haushohen Favoriten durchaus ungemütlich werden könnte. Der Gedanke, Pep Guardiola und dessen Bayern das Triple zu verderben und erstmals seit 1988 ins Halbfinale einzuziehen, ist nicht nur bei den Fans angekommen.

Verbeek: "Wir haben einen Plan"

"Es ist schön, so ein Spiel gegen eine der besten Mannschaften aus Europa zu haben", sagte Bochums Trainer Gertjan Verbeek. "Wir haben einen Plan und probieren auch, Fußball zu spielen. Die Mannschaft muss an sich glauben, um ein richtig gutes Pokalspiel zu machen."

Bayern-Coach Guardiola stimmte vor dem Spiel eine Lobeshymne auf seinen Kollegen Verbeek an: "Sie spielen ein sehr gutes Angriffspressing, fast Mann gegen Mann - und wenn das passiert, steckt dahinter immer eine große Persönlichkeit. Der Charakter des Trainers spiegelt sich in seiner Mannschaft wider. Wenn man Bochum sieht - das ist wie damals in Nürnberg, die gleiche Mannschaft, die gleichen Ideen, der gleiche Spirit, die gleiche Motivation und Leidenschaft".

Terrazzino: "Werden alles hineinwerfen"

"Wir sind topmotiviert, freuen uns auf das Spiel und wollen es genießen. Wir werden alles hineinwerfen, was in uns steckt", sagte Spielmacher Marco Terrazzino. Kein Zweifel: Trotz des heftigen Unwetters, das am Montag nach zehn Minuten zum Abbruch des Trainings führte, ist die Stimmung beim VfL kurz vor dem Spiel des Jahres bestens.

In der Winterpause hatte Trainer Gertjan Verbeek fast ausschließlich gegen Top-Teams aus der ersten Liga antreten lassen. Der durchaus nicht risikolose Plan ging voll auf. Der VfL gewann bei Bayer Leverkusen 2:1, gegen Borussia Mönchengladbach 5:2 und bei Hertha BSC 4:1. Zudem verlief das Trainingslager in Belek im Gegensatz zu dem anderer Zweitligisten harmonisch und zielführend.

Vom Aufstieg träumen ist erlaubt

Entsprechend lief am Freitag eine bis in die Haarspitzen motivierte Elf im ersten Pflichtspiel des Jahres gegen den Tabellenzweiten SC Freiburg auf und siegte überzeugend 2:0. Danach legten die Spieler endgültig alle Zurückhaltung ab. "Ja, wir wollen aufsteigen", sagte der ehemalige Mainzer und Schalker Tim Hoogland, gegen Freiburg der Schütze des 2:0 und eine der Stützen des Teams.

Seit 418 Minuten ist der VfL in Pflichtspielen ohne Gegentor. Die Abwehr um Kapitän Patrick Fabian ("In 99 von 100 Spielen gewinnen die Bayern, aber vielleicht ist die eine Partie ja am Mittwoch") entwickelt sich immer mehr vom Sorgenkind zum Glanzstück, und in der Offensive sind die kantigen Simon Terodde oder Peniel Mlapa jederzeit auch für einen Lucky Punch gut.

Es läuft derzeit dermaßen rund an der Castroper Straße, dass selbst der sonst eher defensive Sportchef Christian Hochstätter bei noch immer fünf Punkten Rückstand auf Rang drei betonte: "Es muss unser Anspruch sein, noch einmal oben anzugreifen."

Riemann: "Irgendwie in die Verlängerung"

Da kommt ein "Kann-Spiel" gegen die Bayern gerade recht. "Wir haben gegen Freiburg gezeigt, wie leidenschaftlich wir spielen können. Das wollen wir auch gegen die Bayern und es irgendwie in die Verlängerung oder ins Elfmeterschießen schaffen", sagte Manuel Riemann "westline.de".

Der VfL-Torwart hatte 2008 mit Wacker Burghausen in der ersten Pokalrunde gegen die Bayern an der Sensation geschnuppert und erst im Elfmeterschießen verloren. Riemann: "Wenn es soweit kommt und wir dann auch gewinnen, können wir von mir aus 400 Elfmeter schießen. Ich hätte dann Zeit."

Dass der deutsche Meister die Bochumer unterschätzt, ist unwahrscheinlich: "Die Bochumer werden mit dem Messer zwischen den Zähnen auf uns warten. Ich glaube nicht, dass es ein Spaziergang wird", sagte Bayerns Thomas Müller. Für den VfL würde sich ein Sensationserfolg im Pokal auch finanziell lohnen: Es geht um eine Halbfinal-Prämie in Höhe von gut zwei Millionen Euro pro Team.

sid/dpa | Stand: 10.02.2016, 08:00