Gladbachs Schubert startet ins nächste Level

André Schubert

Trainingsauftakt der Borussia

Gladbachs Schubert startet ins nächste Level

Von Volker Schulte

Die verrückten Anfangsmonate sind vorbei, jetzt geht André Schubert seine erste Vorbereitung als Cheftrainer von Borussia Mönchengladbach an. Er muss nun völlig neue Aufgaben bewältigen - aber die Vorzeichen stehen gut.

Zweieinhalb Wochen Zeit bis zum ersten Pflichtspiel, darunter ein einwöchiges Trainingslager im türkischen Belek (7. bis 14. Januar): André Schubert darf sich als Borussen-Trainer erstmals richtig austoben, beginnend mit dem Trainingsauftakt am Dienstag (05.01.2016). Es ist ein völlig neues Arbeiten für den 44-Jährigen, denn bisher hatte er zwischen zwei Spielen kaum Zeit, im Training Akzente zu setzen. Mit diesem Rhythmus kamen Schubert und sein Team bekanntlich bestens zurecht, sie holten erstaunliche 29 Punkte aus zwölf Bundesligaspielen.

Dass Schubert immer noch Trainer in Mönchengladbach ist, war bei seiner Beförderung zum Interimstrainer Mitte September nicht abzusehen. Ursprünglich wollte sich die sportliche Leitung noch nach einem anderen Nachfolger für Lucien Favre umschauen. Aber nach sieben Bundesligasiegen in Folge konnte Manager Max Eberl gar nicht mehr anders, als Schubert einen Vertrag als Cheftrainer zu geben - der Kontrakt gilt bis 2017.

Stark auch gegen die Großen

Vor diesem Hintergrund dürfte spannend werden, wie viel Rückhalt Schubert mittlerweile im Klub besitzt. Er hat gute Argumente geliefert: Die Erfolgsserie in der Bundesliga hatte nicht nur mit Glück und psychologischen Aspekten zu tun, sondern auch mit personellen und taktischen Entscheidungen des Trainers. Höhepunkt war der 3:1-Sieg gegen den FC Bayern Anfang Dezember, die einzige Niederlage der Münchener in der Hinrunde. Auch in der Champions League spielte die Borussia unter Schubert beachtlich, gewann zuletzt gegen Sevilla und hielt bei Manchester City bestens mit.

"Ich habe herausragende taktische Handlungsmöglichkeiten, meine Spieler begreifen und lernen einfach sehr schnell, sind sehr klug, wissbegierig und haben einen überragenden Charakter", sagte Schubert der "Welt am Sonntag". Er werde als Trainer noch einmal besser durch die Mannschaft, durch das Niveau, durch das Umfeld.

Dreifachbelastung passé

Für ein Weiterkommen in der Champions League reichte es trotzdem nicht, auch der DFB-Pokal findet nach der ärgerlichen 3:4-Niederlage gegen Bremen im neuen Jahr ohne Mönchengladbach statt. Die Dreifachbelastung ist also passé, wodurch Schubert noch mehr Zeit und Muße hat, sein Team auf die Aufgaben in der Bundesliga vorzubereiten.

Allerdings fehlen sechs potenzielle Stammspieler weiterhin verletzt. Unter Favre hatten die Gladbacher auffällig selten verletzungsbedingte Ausfälle. Ob die aktuelle Misere mit Schuberts Training zusammenhängt, ist eine eher spekulative Diskussion. Für Rückschlüsse müssen noch einige Monate ins Land ziehen. Aber immerhin hat Schubert im (vermutlich) acht Millionen Euro teuren Zugang Jonas Hofmann eine neue Alternative zur Hand. Der ehemalige Dortmunder ist ein Mann für die offensiven Außenbahnen - und gerade dort drückt der Schuh. "Er ist ein sehr, sehr guter Fußballer. Er passt in unser Anforderungsprofil", sagte Schubert.

Luxusprobleme

Sollten die derzeit verletzten Patrick Herrmann und André Hahn demnächst zurückkommen und keine neuen Verletzungen hinzukommen, steht Schubert vor einer neuen Aufgabe: Dann hat er einschließlich Hofmann, Ibrahima Traoré und Fabian Johnson gleich fünf Flügelspieler, die gehobenen Bundesligaansprüchen genügen. Dass Schubert auch solche Situationen handhaben kann, muss er noch beweisen.

Schuberts Vorteil ist Mönchengladbachs sportliche Leitung, denn Manager Max Eberl hält auch weiterhin offiziell am Saisonziel "einstelliger Tabellenplatz" fest - was angesichts der Möglichkeiten bescheiden ist. Auch weil die Konkurrenz schwächelt, wäre alles andere als ein Platz im internationalen Geschäft enttäuschend. Außerdem eilt Eberl der Ruf voraus, auch in Krisensituationen lange an Trainern festzuhalten. Schubert hätte kaum eine bessere Station finden können für seinen Start ins Bundesligageschäft.

Stand: 05.01.2016, 12:36