Leverkusens Titeltraum platzt mal wieder

Stefan Kießling

Nach Pokalpleite

Leverkusens Titeltraum platzt mal wieder

Mit großen Ambitionen ist Bayer Leverkusen ins Viertelfinale gegen Werder Bremen gegangen. Am Ende bleibt statt der Hoffnung auf den Titel wieder nur eine große Enttäuschung.

Das Ziel war im Vorfeld sehr deutlich formuliert worden. Die Verantwortlichen bei Bayer Leverkusen hatten den Titel im DFB-Pokal ins Visier genommen. "Sowohl ich als auch die Mannschaft haben es vor Augen in diesem Wettbewerb einen Titel holen zu wollen", hatte Trainer Roger Schmidt gesagt. Das war vor der Viertelfinal-Begegnung mit Werder Bremen. Nach der 1:3-Pleite gegen Werder Bremen musste Schmidt dann festellen: "Man hat gesehen, dass man sich in diesem Wettbewerb kein schlechtes Spiel erlauben darf. Manchmal auch nicht einmal eine schlechte Halbzeit. Wir sind viel zu fahrlässig mit diesem Spiel umgegangen."

"50-Kilo-Rucksack"

Kopfschüttelnd hatte Schmidt den Auftritt seiner Mannschaft in der ersten Hälfte betrachtet, als diese wenig Konstruktives zustande brachte und kurz vor der Pause nach einem Foul von Wendell im Strafraum in Unterzahl und durch den fälligen Elfmeter mit 1:2 in Rückstand geriet. Der Anfang vom Ende. Die Leverkusener haderten dennoch hinterher richtigerweise mit sich selbst und nicht mit dem Schicksal. "Wir haben es vergeigt", gab Mittelfeldspieler Kevin Kampl unumwunden zu. Die deutlichsten Worte fand Stefan Kießling. "Das war gar nichts von uns. Und das ist in so einer Situation scheiße", zürnte der Angreifer.

Kießling ist schon seit fast zehn Jahren in Leverkusen. Er ahnt, dass das Versagen der Werkself in den entscheidenden Spielen, in der DNA des Klubs festgeschrieben zu sein scheint. Im Pokal scheiterten die Leverkusener bereits das dritte Mal in Folge im Viertelfinale im eigenen Stadion. "Vielleicht haben wir uns zu viel vorgenommen", sagte Kießling. "Ich hatte das Gefühl, dass jeder einen Rucksack von 50 Kilo auf dem Rücken hatte."

Nicht im Pokalmodus

Roger Schmidt

Ratlos im Viertelfinale: Bayer-Coach Roger Schmidt

Nicht einmal der Führungstreffer zum 1:0 durch einen von Chicharito verwandelten Foulelfmeter (22.) konnte den Leverkusenern die Last nehmen. Seine Mannschaft habe in dieser Phase nur scheinbar die Kontrolle gehabt und "sehr unkonzentriert und unsauber agiert", erklärte Schmidt. Auch die Gefahr, die von der Bremer Konterstärke ausgegangen sei, habe seine Mannschaft nicht erkannt. Der Trainer haderte deshalb ebenfalls mit der mentalen Herangehensweise seines Teams an dieses Spiel. "Wir sind nicht über 90 Minuten im Pokalmodus gewesen", sagte er.

Schmidt muss nun aufpassen, dass die Saison nach dem Pokalaus nicht vollends aus den Fugen gerät. Denn es ist nicht das erste Saisonziel, das Bayer in dieser Spielzeit verpasst. Schon der Einzug ins Achtelfinale der Champions League gelang nicht, weil man im Auswärtsspiel gegen den weißrussischen Meister Bate Borissow nicht über ein Remis hinausgekommen war. Anschließend konnten die Leverkusener auch gegen eine B-Elf des FC Barcelona nicht gewinnen.

Verbleibende Ziele

In der kommenden Woche trifft man nun in der Europa League auf Sporting Lissabon. Das Weiterkommen gegen die Portugiesen wäre wichtig für die Leverkusener Seele. In der Bundesliga ist die neuerliche Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb das erklärte Ziel. Derzeit liegt Schmidts Team dabei als Tabellenfünfter im Soll. Doch der 1. FSV Mainz 05 als Siebter hat nur zwei Punkte Rückstand und auch der VfL Wolfsburg als Achter liegt erst fünf Punkte zurück.

Von der Nähe zu einem Titel, die Schmidt mit seiner Mannschaft einmal erreichen will, ist die Mannschaft jedenfalls weit entfernt. Die beste Chance hat Bayer Leverkusen am Dienstag verspielt.

Stand: 10.02.2016, 11:26