Alles auf's Spiel gesetzt...

Bunte Rollen eines Glücksspielautomaten.

Spielsucht im Münsterland drastisch gestiegen

Alles auf's Spiel gesetzt...

Im Münsterland wurden im vergangenen Jahr 118 Millionen Euro allein an Glücksspielautomaten verzockt. Damit ist die Summe doppelt so hoch wie noch vor wenigen Jahren. Fachberater sind besorgt.

Die Statistik der Landeskoordinierungsstelle Glückspielsucht NRW zeigt es klipp und klar: Im Münsterland gibt es erheblich mehr Spielautomaten und damit auch sehr viel mehr suchtkranke Spieler.

Suchtkranke häufig noch jünger

Auf Scrabble-Steinen ist "PLEITE" zu lesen.

Wer zockt, setzt vieles aufs Spiel

Diese Erfahrung hat auch Werner Hassolt von der Caritas-Fachberatungsstelle für Glücksspielsucht gemacht. Noch vor zehn Jahren hat er jährlich knapp 20 suchtkranke Automatenspieler betreut, im vergangenen Jahr waren es fast 120. Die meisten davon sind junge Männer zwischen 25 und 35 Jahren, erzählt er: "Die Glückspielsucht fängt mit 18 Jahren an. Bis so die erste Verlust- und Verzweiflungsphase kommt, bis kein Geld mehr da ist zum Verspielen, dauert´s einige Jahre. Aber dann ist es oftmals so, dass dann die ersten Schulden in Höhe von 10 000 bis 25 000 Euro da sind. Und dann müssen die Menschen realisieren, dass sie auf´s falsche Pferd gesetzt haben im wahrsten Sinne des Wortes."

Spielautomaten werden immer schneller

Film über das Konzept von Spielhallen.

Am Automaten schnell im Spielsog

Am heutigen bundesweiten Aktionstag Glücksspielsucht (23.09.2015) konstatiert er: Die Spielautomaten haben sich verändert. Heute seien sie besonders schnell, in einer Sekunde verliere man, in der nächsten gewinne man. Durch das Tempo hätten die Spieler schnell keine Kontrolle mehr. Dann gerate man in einen Spielsog, aus dem man nur schwer herauskomme, so Werner Hassolt: "Heute hat man ja in einem Automaten bis zu 20 verschiedene Spielmöglichkeiten, die über Touchscreen bedient werden können. Die Spiele-Industrie hat sich schon den Bedürfnissen der jüngeren Generation zugewandt und bietet da natürlich dann vordergründig Unterhaltung. Aber im Nachgang wurde festgestellt, dass der Umsatz einfach mit Pathologischen, also mit Kranken gemacht wird."

Vergnügungssteuer fließt in Stadtkassen

Die Caritas hat im Münsterland drei Beratungsstellen: in Ahlen, Münster und Rheine. In Rheine haben Spieler im vergangenen Jahr knapp sieben Millionen, in Münster knapp 19 Millionen verzockt. Knapp ein Fünftel des Geldes fließt als Vergnügungssteuer in die Stadtkassen. Die Kommunen erzielen also daraus Einnahmen. Und dieses Geld, so Pressesprecher Joachim Schiek von der Stadt Münster, fließt in den allgemeinen Haushalt der Stadt. Damit steht es "für unterschiedlichste Zwecke zur Verfügung, beispielsweise auch für den Zuschuss zur Beratung von Menschen, die von Glückspielsucht betroffen sind."

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Stand: 23.09.2015, 20:00