37 Prozent mehr Sozialwohnungen in NRW

Montage NRW - Wohnungsminister, Michael Groschek / Neues Stadtviertel mit Genossenschaftswohnungen

Bauminister sieht Trendwende

37 Prozent mehr Sozialwohnungen in NRW

Von Martin Teigeler

  • Bau von sozialen Mietwohnungen in NRW stieg 2015 um rund ein Drittel
  • Minister Groschek fordert Abbau von zu hohen Öko-Standards
  • Wohnungswirtschaft zeigt Sympathie für Hochhaus-Offensive

NRW-Bauminister Michael Groschek hat eine "Trendwende" beim sozialen Wohnungsbau vermeldet. 2015 sei die Zahl der Sozialwohnungen in Nordrhein-Westfalen um 37 Prozent von 6.713 auf 9.195 angestiegen, sagte der SPD-Politiker am Freitag (15.01.2016) in Düsseldorf. Für 669 Millionen Euro (Vorjahr 524 Millionen, 2013: 500 Millionen) seien im vergangenen Jahr knapp 5.600 neue Mietwohnungen und bezahlbare Heimplätze gefördert worden. Hinzu kamen 3.100 Wohnungsmodernisierungen sowie 512 Eigentumsförderungen. Beim Programm zur Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge entstanden zusätzlich über 1.000 Wohnungen.

Groschek verteidigt Hochhaus-Förderung

Wohnhaus, Mehrfamilienhaus, Wohnblock

Lösen Hochhäuser das Wohnungsproblem?

Der Bauminister wehrte sich gegen Kritik an der Förderung von mehr Hochhäusern. Sarkastisch nannte Groschek kleinere Häuser "Puppenstuben". Niemand wolle die Bausünden der "Wohnsilos" in den 60er- und 70er-Jahren wiederholen, aber es gebe bei Architekturbüros aus NRW erfolgreiche Konzepte für moderne Hochhausbauten. Bei der Pressekonferenz ließen auch Vertreter der Wohnungswirtschaft Sympathien für mehr Hochhäuser erkennen. "Man muss dem eine Chance geben", sagte Alexander Rychter vom Verband für Wohnungswirtschaft. Martin Dornieden, NRW-Chef des Bundesverbands Freier Immobilienunternehmen, kann sich ebenfalls mehr Hochhäuser vorstellen. In anderen Bundesländern werde dies bereits erfolgreich gemacht.

80.000 leerstehende Wohnungen?

Für Einkommensschwache und Flüchtlinge sollen vermehrt leerstehende Wohnungen genutzt werden. Landesweit gibt es laut Schätzungen rund 80.000 nutzbare Wohnungen, in denen derzeit niemand wohnt. Der Opposition reichen Groscheks Konzepte nicht aus. "Wohnungsnot bleibt bestehen", sagte der CDU-Abgeordnete Wilhelm Hausmann. "Trotz des hohen Neubaubedarfs werden die Fördermittel der rot-grünen Landesregierung nicht vollständig abgerufen", kritisierte der FDP-Politiker Holger Ellerbrock. Groschek räumte ein, dass noch viel mehr gebaut werden müsse. Der Minister regte sich in diesem Zusammenhang erneut über die hohen Umweltstandards beim Bauen auf. Aus Klimaschutzgründen sei die "fensterlose Festung" zum Ideal geworden, spottete Groschek. Dieser Entwicklung wollen die Bauminister der Länder in Gesprächen mit Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) ein Ende setzen.

Streit um Umweltschutz-Standards

Barbara Hendricks

Allerdings ist Groscheks NRW-Parteifreundin Hendricks zugleich Bundesumweltministerin. Groschek fordert klare Schwerpunkte von der schwarz-roten Bundesregierung. Wenn die Flüchtlingsproblematik an erster Stelle stehe, müsse sich das auch im Wohnungsbau niederschlagen. Die Vorschriften zur Minimierung des Energieverbrauchs in Wohnhäusern seien "De-luxe-Verordnungen", die sich niemand mehr leisten könne. Damit sei die Forderung, Hunderttausende Wohnungen in Deutschland schnell zu bauen, nicht zu schaffen.

Stand: 15.01.2016, 16:57