Viele Watschen für Ritter Markus

Markus Söder im Köstum als König Ludwig II.

Orden "Wider den tierischen Ernst" verliehen

Viele Watschen für Ritter Markus

Der bayerische Finanzminister Makus Söder (CSU) ist am Samstagabend (23.01.2016) in Aachen mit dem Orden "Wider den tierischen Ernst" ausgezeichnet worden. Für seine Haltung zu Flüchtlingen musste er sich viele spitze Bemerkungen anderer Redner anhören.

Einen kleinen Moment stockte einigen Gästen im Aachener Kongresszentrum der Atem, als der Präsident des Aachener Karnevalsvereins (AKV) erklärte, der designierte Ritter lasse sich vertreten. Es wäre nicht das erste Mal bei einem bayerischen Politiker gewesen. Doch der 67. Preisträger des Ordens wider den tierischen Ernst hatte sich nur wieder einmal perfekt kostümiert: Markus Söder erschien am Samstagabend (23.01.2016) zum Ritterschlag wider den tierischen Ernst als bayerischer König Ludwig II.: "Meine Freunde nennen mich auch König Lui", spöttelte Söder, nachdem er in den Narrenkäfig gestiegen war. Damit blieb er mal wieder seinem Anspruch treu, mit ungewöhnlichen Kostümen zu überraschen. Das war nicht zuletzt auch eine Motivation des Aachener Elferrates, den CSU-Politiker in den Kreis der Ordensritter aufzunehmen.

Ein bayerisches Überraschungsei

Doch es waren nicht so sehr seine Maskeraden, die den Abend der Preisverleihung bestimmten. Schon im Vorfeld hatte die Wahl Söders für Ärger und Unmut gesorgt, als er Flüchtlinge mit den Anschlägen von Paris in Verbindung gebracht hatte. Mehrere Politiker, darunter Anton Hofreiter, sagten ihre Teilnahme ab, doch die Karnevalisten hielten an ihrem Ritter fest. Laudatorin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Preisträgerin des vergangenen Jahres, nannte den Kollegen der Schwesterpartei ein bayerisches Überraschungsei: "Wenn er die Klappe aufmacht, weiß man nie, was dabei heraus kommt." Die große Zahl von Flüchtlingen, so die saarländische Ministerpräsidentin, sei eigentlich auf Söder letzte Verkleidung als Ghandi zurückzuführen. "Wenn der Söder jetzt so friedlich ist, können wir ruhig nach Deutschland kommen", sagte Kramp-Karrenbauer. Sollte er irgendwann im Gewand des Brutus erscheinen, werde selbst Angela Merkel des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer warnen, unkte die Ministerpräsidentin.

"Unritterliches" Verhalten

Der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) sitzt am 23.01.2016 in Aachen (Nordrhein-Westfalen) bei der Verleihung des Ordens Wider den tierischen Ernst an Söder

Deutlichere Worte in Söders Richtung fanden jedoch zwei andere Redner des Abends. Aiman Mazyek, der selbst aus Aachen stammt, las dem CSU-Politiker in der Bütt die Leviten. Es sei unritterlich, wie Söder sich über Flüchtlinge geäußert habe. "Ich fordere eine Obergrenze für Populismus", so Mazyek. Dabei könnte der neue Ordensritte selbst als Flüchtling durchgehen, wenn er sich drei Tage nicht den Bart rasiert habe, meinte der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime. "Dann muss er am Bahnhof selbst vor der Bürgerwehr flüchten, am besten in ein Flüchtlingsheim." Alles in allem habe Söder aber gute Chancen in Aachen integriert zu werden, so Mazyek. Da war sich der Kaberrettist Abdelkarim nicht so ganz sicher. Der Ostwestfale forderte eine Obergrenze für Bayern im Rheinland. Und falls es zu viele würden, gäbe es auch passendes Niemansland, die Mainer Fasnacht als Transitzone zum Rheinland. "Da kann man CSU-Politiker das Grundgesetz vorlesen und sie unterschreiben lassen, dass sie sich daran halten", stichelte der Kabarettist mit marokkanischen Wurzeln.

Söder erfüllt sich einen Traum

Der bayerische Finanzminister Markus Söder (CSU) und seine Frau Karin posieren am 23.01.2016 in Aachen (Nordrhein-Westfalen) bei der Verleihung des Ordens Wider den tierischen Ernst an Söder

König Ludwig II. alias Markus Söder schaute bei all den Reden ein wenig grimmig aus, doch das gehörte wohl zum Kostüm. Die kritischen Anspielungen auf ihn steckte er locker weg. "Beim Fasching in Bayern geht es deftiger zu", meinte der bekennende Karnevalist und freute sich über seinen Besuch in Aachen: "Das war ganz großes Kino für mich." Zudem habe er sich mit der Verwandlung in den König einen großen Traum erfüllt. Die Flüchtlinge habe er in seiner närrischen Antrittsrede bewusst ausgespart, weil ihm dieses Thema zu ernst sei. Er stehe aber weiter zu seinen umstrittenen Äußerungen, die er aber zum falschen Zeitpunkt gemacht habe.

Wegen seiner "eloquenten und humorvoll-bissigen" Art in seinen Reden, hatte der Aachener Karnevalsverein Markus Söder unter anderem mit dem Ritterschlag ausgezeichnet. Doch viele Gäste bei der Verleihung zeigen sich gerade von seiner Rede enttäuscht. Sie hätten sich ein wenig mehr politische Würze gewünscht. Rund 100 Demonstranten vor dem Kongresszentrum hätten Söder an diesem Abend lieber gar nicht in Aachen gesehen.

Stand: 24.01.2016, 03:38

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