Unfälle, Brände und Schlägereien zum Jahreswechsel

Silvester-Bilanz in NRW

Unfälle, Brände und Schlägereien zum Jahreswechsel

  • Fast 3.500 Silvester-Rettungseinsätze in NRW
  • 15 Verletzte bei Feuerwerks-Unfall in Datteln
  • Neonazis randalieren in Dortmund-Dorstfeld

Unfälle unter Alkoholeinfluss, Brände, Schlägereien - Polizeibehörden und Rettungskräfte haben Bilanz der Silvesternacht in NRW gezogen. Nach Angaben der Landesleitstelle vom Freitag (01.01.2016) ist die Zahl der Einsätze sprunghaft angestiegen, bei denen die Polizei die Feuerwehr unterstützen musste. Rückten die Beamten im Vorjahr bei Bränden 262 Mal landesweit aus, verdoppelte sich diese Zahl in diesem Jahr mit 478 Einsätzen nahezu. Insgesamt gab es in NRW 3.432 Rufe zu Silvesterfeiern. Dabei ging es unter anderem 723 mal um Körperverletzung, 376 mal um Sachbeschädigungen und 335 mal um Diebstähle. 689 mal rückten die Beamten zu Ruhestörungen aus. Insgesamt sei die Zahl der Einsätze nach einem ausgesprochen ruhigen Jahreswechsel 2014/15 wieder auf das Niveau der Silvesternacht 2013/14 gestiegen.

Zwei Tote bei Verkehrsunfall

Auf dem Weg zu einer Silvesterfeier starben zwei Menschen in Werl (Kreis Soest) bei einem Verkehrsunfall. Am Donnerstagabend (31.12.2015) verlor ein 28-jähriger Pkw-Fahrer in einer Kurve wegen zu hoher Geschwindigkeit die Kontrolle über sein Fahrzeug. Das Auto prallte gegen einen Baum. Zwei Beifahrer (beide 30 Jahre) erlitten tödliche Verletzungen.

Frau von Polizeiwagen überrollt

In der Nacht wurde in Essen-Steele eine 23-jährige Frau von einem Polizeiauto überfahren. Das Unfallopfer wurde laut Polizei von einem Streifenwagen erfasst, der auf dem Weg zu einem Einsatz war. Die Frau wurde schwer verletzt in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Polizei teilte am Freitagnachmittag (01.01.2015) mit, dass nach Auskunft der behandelnden Ärzte "davon ausgegangen werden muss, dass die junge Frau in den nächsten Stunden versterben wird".

15 Verletzte in Datteln

Von der Polizei gelb markiert sind am 01.01.2016 in Datteln  mehrere Feuerwerks-Batterien vor einem Hotel

Rettungskräfte versorgen Verletzte in Datteln

Der unbeschwerte Start ins neue Jahr endete bei einer Feier in Datteln in einer Katastrophe. Bei einer Silvesterparty in einem Landhotel in Datteln (Kreis Recklinghausen) sind 15 Menschen durch Feuerwerk verletzt worden. Eine Feuerwerksbatterie sei umgestürzt und habe in eine Menschenmenge gefeuert, sagte ein Polizeisprecher. Bei der Feier hätten sich rund 350 Menschen versammelt. Neben dem vom Veranstalter geplanten Feuerwerk seien von Gästen Batterien mitgebracht worden. Eine sei nach der Zündung umgefallen und in die Zuschauermenge geflogen. Die Verletzten wurden ins Krankenhaus gebracht. Einer 24-jährigen Hotel-Angestellten musste ein Fuß amputiert werden. Der Sprengkörper hatte laut Polizei "kein deutsches Prüfzeichen". Die Kriminalpolizei ermittelt jetzt, um den genauen Unfallhergang zu rekonstruieren.

Kinder erleiden Rauchgasvergiftung

Auch ein fröhliches Fest in Recklinghausen endete mit neun Verletzten. Die Partygäste hatten am späten Abend in einer Garage einen Grill aufgestellt, um sich aufzuwärmen. Als rund eineinhalb Stunden später plötzlich ein 3-jähriges Mädchen umfiel, ging man davon aus, dass das Kind müde sei und brachte es ins Bett. Als kurz nach Mitternacht aber ein weiteres Kind umfiel, alarmierten die anwesenden Personen die Feuerwehr. Am Ende wurden vier Erwachsene und fünf Kinder mit Rauchgasvergiftungen in umliegende Krankenhäuser gebracht.

Feuerwehrmänner in Köln verletzt, Bahnhofsvorplatz geräumt

Allein in Köln zählte die Feuerwehr bis zum Neujahrsmorgen 867 Einsätze. Das waren rund 80 mehr als bei der letzten Jahreswende. "Unverantwortlicher Umgang mit Alkohol war die Hauptursache vieler Einsätze", so die Kölner Feuerwehr. Beim Löschen eines brennenden Autos im Stadtteil Porz wurden zwei Feuerwehrmänner verletzt.
Kurz vor Mitternacht musste der Kölner Bahnhofsvorplatz im Bereich des Treppenaufgangs zum Dom geräumt werden, weil es zu voll war. Ziel der Polizei war es, eine mögliche Massenpanik durch Zünden von Feuerwerk bei den etwa 1.000 Feiernden auf dem Platz zu verhindern.

Polizei schießt Angreifer in Leverkusen nieder

Nur mit gezielten Schüssen konnte die Polizei in Leverkusen nach eigenen Angaben in der Nacht einen bewaffneten Mann stoppen. Nach Angaben einer Sprecherin hatte der 21-Jährige trotz mehrfacher Aufforderungen seinen Angriff auf die Beamten fortgesetzt. Der Mann musste im Krankenhaus operiert werden, Lebensgefahr habe allerdings nicht bestanden. Die Polizei war nach einem Notruf kurz nach Mitternacht in den Leverkusener Stadtteil Wiesdorf geeilt. Im Durchgang zu einem Hinterhof richtete der Mann seine Waffe auf die anrückenden Polizisten. Zu den Hintergründen und der Anzahl der Schüsse konnte die Polizei noch keine Angaben machen.

Mann attackiert Polizei mit Messer

Ein ähnlicher Fall ereignete sich in Krefeld. Unter Drogeneinfluss bedrohte ein 26-jähriger Mann am Silvesterabend zuerst seinen Vater und griff später Polizisten an. Dabei wurden nach Angaben der Staatsanwaltschaft Krefeld mehrere Beamte verletzt. Trotz der Warnung der Beamten, Pfefferspray und auch die Schusswaffen einzusetzen, stürmte der Mann laut Polizei mit einem Messer in der Hand auf sie zu. Ein Polizist schoss in Notwehr, traf aber nicht. Der 26-Jährige stach dem Beamten daraufhin in den Nacken und verletzte ihn. Bei der Festnahme wehrte sich der Mann heftig und fügte den Polizisten Schnittwunden zu. Es wurde Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen.

Neonazis randalieren in Dortmund

In Dortmund mussten Polizei und Feuerwehr rund 500 mal ausrücken. Im Stadtteil Dorstfeld wurde laut Polizei ein Streifenwagen aus einer Gruppe von etwa 25 Personen heraus "gezielt mit Feuerwerkskörpern beworfen und mit Feuerwerksraketen beschossen". Die Polizisten riefen Verstärkung. "18 Personen wurden von der Polizei in Gewahrsam genommen. Bei der Mehrheit dieser Personen handelt es sich um Angehörige des lokalen rechten Spektrums", teilte die Polizei Dortmund mit. In Dorstfeld gibt es eine besonders aggressive Neonazi-Szene.

Telefonzelle explodiert

In Mönchengladbach wurde am frühen Neujahrsmorgen eine Telefonzelle gesprengt. Bei der Explosion wurde die komplette Telefonzelle zerstört, Teile beschädigten ein benachbartes Gebäude, wie die Polizei mitteilte. Der Explosionsknall sei in weiten Teilen der Stadt zu hören gewesen. "Durch die Explosion wurde auch ein Stromverteiler zerstört, in der Folge waren mehrere Straßenzüge ohne Strom", so die Polizei. Ein Tatverdächtiger konnte noch nicht ermittelt werden. Auch in Lippstadt zündeten Unbekannte Böller in einer Telefonzelle.

Düsseldorf: "Silvestertypisch"

In der Düsseldorfer Altstadt, wo die Polizeipräsenz zu Silvester aufgestockt worden war, mussten in der Nacht 28 Menschen ärztlich behandelt werden, 19 von ihnen mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Die Rettungsdienste berichten von "silvestertypischen" Schäden wie leichten Verbrennungen, Schnittverletzungen und alkoholbedingten Behandlungen.

Balkonbrand im 15. Obergeschoss eines Hochhauses im Stadtteil Bockenberg fordert 3 Verletzte - Einsatzkräfte werden mit Raketen und Böllern an ihrer Arbeit gehindert

Balkonbrand im 15. Stock eines Hochhauses in Bergisch Gladbach

Die Bochumer Feuerwehr berichtete von Gesichtsverletzungen, Knalltraumata durch Silvester-Feuerwerk sowie Schlägereien in der Innenstadt. Zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam es unter anderem auch in Lüdinghausen und Gronau. Fälle von häuslicher Gewalt wurden ebenfalls von mehreren Polizeibehörden vermeldet. In einigen Städte setzten Unbekannte Müllcontainer in Brand. In Hagen brannten 500 Strohballen. In Bergisch Gladbach wurde die Feuerwehr mit Raketen und Böllern beschossen, während sie einen Balkonbrand im 15. Obergeschoss eines Hochhauses bekämpfte.

Stand: 02.01.2016, 10:26