Sicher ist sicher

Security Personal

Wachleute vor Flüchtlingsunterkünften

Sicher ist sicher

Von Petra Brönstrup

Viele Flüchtlingseinrichtungen im Münsterland werden mittlerweile von Sicherheitsdiensten bewacht. Das ist offenbar nötig. In Ahlen, Borken und Coesfeld hat es bereits Anschläge auf Notunterkünfte gegeben.

Den bisher schwerwiegendsten Zwischenfall gab es am vergangenen Wochenende in Ahlen. Eine Gruppe von sechs Vermummten hatte versucht, in eine Flüchtlingsunterkunft in einer ehemaligen Schule einzudringen. Der Sicherheitsdienst stoppte die Gruppe und fasste drei der Männer. Die hatten eine Rauchbombe, eine Spraydose und ein Messer dabei. Die 20- bis 22-jährigen sind der Polizei bekannt unter anderem wegen fremdenfeindlicher Parolen. Der Staatsschutz ermittelt.

Serie von Straftaten

Eine Flüchtlingsunterkunft ist von außen zu sehen.

Die Ahlener Flüchtlingsunterkunft wurde bedroht.

In Borken warfen in der Nacht zu Dienstag Unbekannte Steine auf zwei Flüchtlingsunterkünfte. Die Reihe der offenbar fremdenfeindlichen Taten lässt sich fortsetzen: In Coesfeld wurde ein Versorgungszelt in einem Flüchtlingslager in Brand gesetzt, in Telgte-Westbevern brannte es an einem leerstehenden Schulgebäude, in das Flüchtlinge einquartiert werden sollten. Und in Dorsten sprühten mutmaßlich Rechtsextreme ein gut zwei Meter großes Hakenkreuz auf die Wand einer Flüchtlingsunterkunft.

Wachleute im Einsatz

Zwei Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma stehen auf dem Gelände der York-Kaserne.

Wachleute an der York-Kaserne in Münster

Vorfälle dieser Art gab es in der mit weit über 1.000 Flüchtlingen größten Unterkunft im Münsterland, in der York-Kaserne in Münster-Gremmendorf, bislang nicht. Das Gelände ist hochgesichert. Wie vor einigen Jahren, als hier noch britische Soldaten stationiert waren, patroullieren Wachmänner vor dem, mit einer Schranke gesicherten Haupteingang. Die Männer kontrollieren jeden, der auf das Gelände möchte, ehrenamtliche Helfer, Handwerker, Besucher. Selbst die Flüchtlinge, die hier leben, werden kontrolliert.

Sicherheitskontrollen am Eingang

Ein Besucherausweis der York-Kaserne wird eingescannt.

Kontrolle per Identifiaktionskarte

Dafür hat ein Programmierer aus Münster zusammen mit Flüchtlingen eine Identifikationskarte entwickelt. Personen, die das Gelände verlassen oder betreten, halten diese Karte vor ein Lesegerät. Dieses gibt dann den Namen und die dazugehörige Nummer an einen Computer weiter und der erkennt dann, um welche Person es sich handelt, ob sie zur Unterkunft gehört. Das Überwachungssystem ist derzeit im Test und könnte sich auch für andere Einrichtungen im Münsterland eignen.

Daniel Schrick, der Leiter der Flüchtlingsunterkunft York-Kaserne, sagt, er, seine Mitarbeiter und auch die Mehrzahl der Flüchtlinge fühlten sich sicher an diesem Ort. "Das hat sicherlich auch damit zu tun, dass das Gelände derart gesichert ist, mit einem Sicherheitszaun rund um das Areal, einer Schranke und Wachleuten, die rund um die Uhr im Einsatz sind." Aber Schrick nimmt auch wahr, dass auch im Münsterland die Zahl der Gewalttaten gegen Flüchtlinge zunimmt. "Das ist erschütternd. In unseren Mitarbeiterrunden sprechen wir oft darüber, auch über die Frage, wie wir die Sicherheit noch verbessern können."

Schutz vor möglichen Angreifern

Auch die Kommunen im Münsterland haben auf die Bedrohungslage reagiert. In Rheine beispielsweise werden alle Turnhallen, in denen Flüchtlinge behelfsmäßig untergebracht sind, von Sicherheitsdiensten bewacht. Auch die Stadt Dülmen verfährt inzwischen so: Überall, wo viele Flüchtlinge auf engstem Raum untergebracht sind, stehen Wachmänner vor der Tür, sagt eine Sprecherin. Die Stadt Münster hat Sicherheitspersonal für die Flüchtlingsunterkünfte in der Oxford-Kaserne im Stadtteil Gievenbeck und im ehemaligen Finanzamt in der Innenstadt engagiert. Darüber hinaus stehe man in ständigem Kontakt mit der Polizei, sagte ein Sprecher.

Polizeistreifen an Flüchtingsunterkünften

Auf einem Innenhof steht ein Polizeiwagen. Daneben ist ein provisorisches holzschild mit der Aufschrift "Registrierung" aufgestellt. Dahinter stehen vor einem roten Backsteingebäude mit weißen Fenstern einige Menschen. Neben dem Gebäude stehen Bäume.

Die Polizei fährt verstärkt Streife

Die Polizeidienststellen in Münster und den Kreisen Borken und Steinfurt sagten dem WDR auf Anfrage, dass Einsatzkräfte regelmäßig größere Flüchtlingseinrichtungen kontrollierten. Streifenwagen fahren die Unterkünfte gezielt an, sprechen mit dem Sicherheitspersonal über die Lage und geben ihnen Tipps für Konfliktlösungen innerhalb der Einrichtungen. Sicher ist sicher.

Stand: 11.12.2015, 20:00