Seriendieb sorgt in Mönchengladbach für Ärger

Einzelhändler

115 Verfahren und trotzdem auf freiem Fuß

Seriendieb sorgt in Mönchengladbach für Ärger

Von Thomas Kalus

Seit gut zwei Jahren treibt ein Seriendieb im Mönchengladbacher Stadtteil Rheydt sein Unwesen. Der Wiederholungstäter stiehlt in Geschäften gleich reihenweise Kleidung, Parfum oder Pralinen. Viele Verfahren sind schon gegen den Mann anhängig – aber er läuft immer noch frei herum.

Der Textilhändler Roland Beeten stieg vor 18 Jahren in das Bekleidungshaus seiner Eltern ein und hat so etwas seitdem noch nicht erlebt. Er ist sauer auf den Seriendieb, der sich seit langem in den Rheydter Läden umsonst bedient: "Der Herr rennt jeden Tag mit gestohlenen Gütern durch die Straße", erzählt der Geschäftsmann dem WDR. "Den sehen Sie hier mit Bettwäsche, mit Pralinen, oder mit Cola, alles, was das Herz begehrt."

Dunkelziffer der Diebstähle dürfte höher sein

115 Ermittlungsverfahren laufen inzwischen gegen den 31-jährigen mutmaßlichen Ladendieb. Aber die Dunkelziffer dürfte viel höher sein. Wahrscheinlich hat der Mann häufiger gestohlen, ohne aufzufallen. Auch haben anscheinend schon einige Geschäftsinhaber kapituliert, weil sie ihren Glauben an die Justiz verloren haben. Unklar ist derzeit, warum der notorische Ladendieb bisher noch nicht belangt wurde.

Viele Fälle bereits angeklagt

Obwohl bereits etliche Fälle von der Staatsanwaltschaft angeklagt wurden, ist es noch zu keinem Prozess gekommen. Die Rheydter Geschäftsleute zeigten die Staatsanwaltschaft deshalb sogar wegen Untätigkeit an. Doch die Anzeige wurde als unberechtigt abgelehnt. Richter Jan-Philip Schreiber vom Mönchengladbacher Amtsgericht betont, dass der Täter nicht einfach so inhaftiert werden könne: "Die persönliche Freiheit ist ein großes Gut, und sie kann nur unter sehr engen Voraussetzungen beschränkt werden." Wenn es sich um Diebstähle handele, dann müssten sie einen Wert von mehr als 1.000 Euro haben, um gegen ihn vorzugehen, erklärte der Gerichtssprecher dem WDR. Die Waren, die der Ladendieb bislang gestohlen hat, übersteigen diesen Wert wohl nicht.

Politik diskutiert über Ladendieb

Alles nur geklaut!

Hoher wirtschaftlicher Schaden durch kleine Ladendiebstähle

Inzwischen ist der Fall des Rheydter Seriendiebs schon ein Politikum geworden. Denn die CDU-Landtagsfraktion wollte in einer Anfrage vom NRW-Justizministerium wissen, warum er noch immer auf freiem Fuß ist. In der Antwort des Ministeriums heißt es, dass keine Fluchtgefahr bestehe. Außerdem verfüge der Angeklagte über einen festen Wohnsitz. Und schließlich komme eine Hafteinweisung nur in Frage, wenn es sich um Diebstahl in einem besonders schweren Fall handele.

Gutachten soll Schuldfähigkeit untersuchen

Ein Sprecher des NRW-Justizministeriums sagte dem WDR, dass das Ministerium keinen Einfluss auf die Verfahren habe. Auch stehe gar nicht fest, ob der Dieb schuldfähig sei. Es habe nämlich bereits zwei Gutachten gegeben. Eines sei zu dem Schluss gekommen, dass der Mann schuldfähig sei, das zweite habe ein anderes Ergebnis gebracht. Nun werde gerade eine dritte Expertise angefertigt.

Händler fordern Ende der Diebstähle

Für den Rheydter Textilverkäufer Roland Beeten ist der Fall indes klar. Er geht davon aus, dass der Serien-Räuber die gestohlenen Waren nicht für sich braucht, sondern sie verkauft. Der Mann lebe praktisch vom gewerbsmäßigen Diebstahl, meint Beeten. Er fordert, dass die Behörden die Beutezüge des Mannes endlich unterbinden.

Stand: 05.02.2016, 11:41