Bizarre Rituale bei Kölner Eliteeinheit

Innenausschuss diskutiert SEK-Skandal

Bizarre Rituale bei Kölner Eliteeinheit

Von Maike von Galen

Mit den bizarren Aufnahmeritualen bei einer SEK-Einheit in Köln beschäftigte sich am Donnerstag (27.08.2015) der Innenausschuss des Landtags. Strafrechtlich haben die Elite-Polizisten nichts zu befürchten, Politiker fordern jedoch scharfe dienstrechtliche Konsequenzen.

Ein Bier-Schnaps-Gemisch, eingeflöst durch eine Tauchermaske, Tzaziki-Knoblauch-Chili-Eis, das aus dem Schritt eines Kollegen geleckt werden musste: Die Aufnahmerituale der Einheit 3 des Sondereinsatzkommandos (SEK) in Köln klingen ekelhaft - so ekelhaft, dass sich einer der beiden SEK-Beamten, der mit diesem bizarren Aufnahmeritual gequält wurde, übergeben musste.

Nachzulesen sind all diese Details in einem Bericht der Landesregierung, der am Donnerstag (27.08.2015) im Innenausschuss des Landtags diskutiert wurde. Bei einer gemeinsamen Reise nach Südtirol hatten Mitglieder des SEK zwei Neulinge mit bizarren Ritualen traktiert, sie tagelang eine Kiste schleppen und gemeinsam in einem Einzelbett schlafen lassen, dazu kamen die Ekelprüfungen.

"Erst auf Druck reagiert."

Weil sich einer der beiden Beamten anschließend gegen die Rituale wehrte und über Mobbing klagte, wurde der Vorfall öffentlich. Und damit auch zum Politikum: In einem Bericht für den Innenausschuss verurteilte Innenminister Ralf Jäger (SPD) den Vorfall als "beamtenrechtlich in keiner Weise akzeptabel" - der Opposition reicht diese moralische Bewertung jedoch nicht aus. Für Gregor Golland, Polizei-Experte der CDU, kommt die Reaktion zu spät: "Hier wird mal wieder erst dann reagiert, wenn der Druck so hoch ist, dass man nicht mehr kann", wirft er den Behörden vor.

Erst zwei Wochen, nachdem der Beamte das Mobbing angezeigt hätte, seien Konsequenzen gezogen worden, "für den betroffenen Kollegen eine schreckliche Zeit der Unsicherheit", so Golland. Er sieht die Verantwortung auch bei Kölns Polizeipräsident Wolfgang Albers, dem er vorwirft, seine Behörde nicht im Griff zu haben. Auch deshalb, weil noch eine zweite Affäre der Kölner Polizei den Innenausschuss beschäftigte: Für ein Abschiedsfoto hatten Führungskräfte des Kölner SEK auf einem 80 Meter hohen Pfeiler einer Kölner Brücke posiert und waren dabei aus einem Polizeihubschrauber fotografiert worden. Offiziell führten die Beamten dabei ein "Höhentraining" durch, der Hubschrauber sollte gefährdete Objekte in Köln fotografieren.

"Weltfremde Vorstellung"

Die Fotos des zweckentfremdeten Einsatzes hängten sich einige Beamte nachher in ihre Büros. Spätestens da hätte der Polizeipräsident auf die Bilder aufmerksam werden müssen, glaubt der CDU-Abgeordnete Golland - eine "weltfremde Vorstellung", entgegnete ihm der Innenminister, der sich ausdrücklich hinter den Kölner Polizeipräsidenten stellte: "Sie können nicht ernsthaft glauben, der Präsident einer Behörde von 5000 Mitarbeitern könne so etwas im Blick haben." Auch was einzelne Mitarbeiter auf einem privat organisierten Wochenende machen, könne Albers nicht gewusst haben.

Strafrechtlich haben die Mitglieder der SEK 3 wegen ihrer Ekel-Rituale wohl nichts zu befürchten: Weil die Neulinge freiwillig an dem Aufnahmeritual teilnahmen, hat die zuständige Staatsanwaltschaft Aachen ihre Ermittlungen eingestellt. Disziplinarische Folgen drohen den Elite-Polizisten aber dennoch: Einzelne Mitglieder des SEK 3 könnten versetzt, die Einheit sogar komplett aufgelöst werden.

Stand: 27.08.2015, 14:41