Qualitätskontrollen fehlen weiterhin

Schlechte Verpflegung an Schulen

Qualitätskontrollen fehlen weiterhin

Von Benjamin Esche

  • Essen in Schulkantinen immer noch verbesserungswürdig
  • Fehlende Qualitätskontrollen an Schulen in NRW
  • "Deutscher Kongress Schulverpflegung" startet in Göttingen
Aufnahme eines Schülers, der gerade einen Teller in der Schulkantine bekommen hat

In NRW wird Schulessen kaum kontrolliert

Zahlreiche Schulleiter, Lehrer, Schulträger und Essenslieferanten kamen am Donnerstag (29.10.2015) in Göttingen zum neunten Deutschen Kongress Schulverpflegung zusammen. Wie in den vergangenen Jahren auch stand dabei eine Frage im Mittelpunkt: Wie kann das Essen in den Schulen besser werden? Dass dies ein Problem ist, hat eine große Studie zur Verpflegung an deutschen Schulen im Auftrag des Bundesernährungsministeriums bereits im vergangenen Jahr offengelegt. Bundesweit waren dafür über 1.500 Schulleitungen, rund 200 Schulträger und 12.000 Schüler aus Grundschulen und weiterführenden Schulen zum Essen in der Schulkantine befragt worden. Das Ergebnis: Das Essensangebot ist in den meisten Fällen stark verbesserungswürdig. Oft werden viel Fleisch und wenig Gemüse serviert. Und: Besonders in vielen Kommunen in Nordrhein-Westfalen gibt es keine Qualitätskontrollen.

Wie gut ist die Schulverpflegung in NRW aktuell?

Die Verpflegung der Kinder an den Schulen weist weiterhin große Qualitätsunterschiede auf. Michael Polster, Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Schulverpflegung, sieht ein Problem darin, dass es keine gesetzlichen Regelungen für die Schulverpflegung gebe, sondern lediglich Empfehlungen. Die Qualitätsbandbreite reiche von "Sehr gut" bis "Das geht so nicht", sagt Ursula Tenberge-Weber von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung NRW, die bei der Verbraucherzentrale angesiedelt ist. "Schulen und Schulträger haben sich aber auf den Weg gemacht, das Schulessen zu verbessern", so Tenberge-Weber. Dabei müssten sich alle Beteiligten engagieren.

"Viele Träger der Offenen Ganztagsschulen in den Grundschulen oder der Mensen in weiterführenden Schulen engagieren sich sehr stark, um ein qualitativ hochwertiges Essen anzubieten", sagt Günter Eissing, Professor für Gesundheitsförderung an der Technischen Universität Dortmund. Es bleibe aber das Geldproblem. Ein hochwertiges Essen mit frischen Zutaten könne für 2,50 Euro nur schwer angeboten werden. Michael Polster, Vorsitzender des Deutschen Netzwerks Schulverpflegung, sieht zudem ein Problem darin, dass es keine gesetzlichen Regelungen für die Schulverpflegung gebe, sondern lediglich Empfehlungen.

Diagramm "Schulverpflegung", Deutschland, NRW

Studienergebnis von 2014: Schulverpflegung - Zahlen für Deutschland und NRW im Vergleich

Was hat sich seit Veröffentlichung der Studie getan?

Die fehlenden Qualitätskontrollen des Schulessens waren ein Hauptkritikpunkt der Studie aus 2014. "An diesem Punkt hat sich bisher gar nichts geändert", sagt Gesundheitsförderungsexperte Eissing. Bisher gebe es keine Qualitätsstandards an den einzelnen Schulen. "Der Zeitraum ist zu kurz, um Aussagen dazu zu machen", sagt Tenberge-Weber von der Vernetzungsstelle Schulverpflegung. Fleischgerichte würden auch weiterhin die Speisepläne in den Schulkantinen dominieren. "Das hängt auch mit der Akzeptanz bei den Schülern und den Eltern zusammen", glaubt Tenberge-Weber. Dort müsse es im Laufe der Zeit einen Umgewöhnungsprozess geben. Die Kommunikation zwischen Schülern, Schulen, Schulträgern und Essensanbietern sei äußerst kompliziert.

Wie müssen Qualitätskontrollen aussehen?

Um die Qualität intensiv kontrollieren zu können, müsste zunächst beschrieben werden, was hochwertiges Schulessen ist. "Schulträger, die in der Regel Dienstleister beauftragen und Ausschreibungen der Verpflegungsleistungen durchführen, sollten Qualitätskriterien und -management verbindlich festlegen", fordert Ursula Tenberge-Weber. Dazu gehörten zum Beispiel ein Hygienekonzept, ein Speiseplancheck und die Auswahl von zertifizierten Lebensmitteln. Diese Lebensmittel entsprechen zwar Standards für Schulkantinen, sind aber nicht gesetzlich verpflichtend.

Neben Lehrern und Schülern müssten auch Schulträger und die Lebensmittelüberwachung an der Qualitätskontrolle beteiligt sein. Doch das allein reiche nicht aus, sagt Professor Eissing von der TU Dortmund. "Gerade die Mitarbeiter in den Offenen Ganztagsschulen sind für diese Tätigkeit nur angelernt und benötigen eine weiterführende Schulung." Fachkundiges Personal sollte vor Ort kontrollieren.

Was muss noch besser werden?

Um in der Schule Leistung zu bringen, bräuchten die Kinder eine gute Ernährung, ist Günter Eissing überzeugt. "Es wäre eine gute politische Antwort auf die bestehenden Probleme, wenn der Staat einen Teil der Förderung von Familie und Kindern direkt als Sachleistung an die Kinder geben würde durch ein kostenfreies Mittagessen." Als Ausgleich könne die Geldleistung an die Familien reduziert werden. "Das würde sicherstellen, dass die förderbedürftigen Kinder und Jugendlichen auch wirklich die angestrebten Sachleistungen erhalten: Ein gutes Essen!", sagt Eissing.

Noch einen Schritt weiter geht Michael Polster vom Deutschen Netzwerk Schulverpflegung: "Wir wollen, dass jede Schule irgendwann ihre eigene Schulküche hat und jeden Tag selbst kocht." Die Menüpläne sollen dann mit den Schülern gemeinsam erarbeitet und umgesetzt werden. Dabei helfen könnte ein Unterrichtsfach "Kochen" oder "Ernährungsbildung", glaubt Polster. "Die Kinder müssen zu einer gesunden Ernährung erzogen werden, sonst landen sie bei Pizza und Pommes." Außerdem fordert das Deutsche Netzwerk Schulverpflegung für jede Schule einen Gemüsegarten. "Dort können die Kinder dann miterleben, wie Möhren oder Radieschen eigentlich aussehen und wie sie wachsen", erklärt Polster.

Stand: 29.10.2015, 06:00