Droht Wintersport-Orten in NRW das Aus?

Schneekanonen im Skigebiet "Hunau" in Schmallenberg am 02.12.2011.

Bundesregierung zum Klimawandel

Droht Wintersport-Orten in NRW das Aus?

Viele deutsche Skigebiete stehen vor dem Aus - zumindest nach einem drastischen Bericht der Bundesregierung. Zukünftig bleibe das Sauerland grün. Nicht nur der Winterberger Tourismusdirektor widerspricht: "Wir leiden nicht unter Schneemangel!"

Wie wirkt sich der Klimawandel auf den deutschen Wintertourismus aus? Diese Frage stellte die Bundestagsfraktion der Grünen an die Bundesregierung. Deren Antwort ist alles andere als beruhigend: Nur jedes zehnte Skigebiet in den Alpen und in den Mittelgebirgen werde künftig schneesicher sein. Bereits heute seien 50 Prozent der Skigebiete auf künstliche Beschneiung angewiesen. Allenfalls ein Drittel dieser Gebiete könne in Zukunft mit Kunstschnee in Betrieb gehalten werden. Bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad verschiebe sich die Höhengrenze der natürlichen Schneesicherheit vermutlich um 300 Meter nach oben.

Tourismusdirektor: "Wir leiden nur unter diesen Aussagen"

Kein Verständnis für diesen Bericht hat Michael Beckmann. Er ist Vorsitzender der Wintersportarena Sauerland und Tourismusdirektor von Winterberg. "Wir leiden nur unter diesen Aussagen - aber nicht unter Schneemangel", sagte er am Mittwoch (10.02.2016) dem WDR. "Das ist für uns kein Thema, weil wir unsere Pisten beschneien." Es habe immer Winter mit wenig Schnee gegeben.

Besucherzuwachs durch Beschneiung

Schneekanone versprüht künstlichen Schnee

Volles Rohr: Schneekanone im Einsatz

Beckmann ergänzte, er wolle den Klimawandel keineswegs wegdiskutieren. Dieser müsse jedoch differenziert betrachtet werden. "Wir haben ein eigenes Wettermonitoring für unser Gebiet", sagte Beckmann. Zudem habe die Region an einer österreichischen Studie teilgenommen. Das Ergebnis: "Die Sommer werden wärmer, die Winter jedoch bleiben stabil kalt - deshalb werden wir auch in Zukunft Wintersport anbieten können." Aufgrund der Beschneiung gebe es im Sauerland auch einen Besucherzuwachs: "Während wir in den 1990er Jahren 15 bis 30 Betriebstage pro Saison hatten, waren es zwischen 2005 und 2014 jeweils über 80 Betriebstage."

Deutscher Wetterdienst: "Erwärmung betrifft alle Jahreszeiten"

Redet sich der Winterberg-Tourismus den Klimawandel schön? Der Deutsche Wetterdienst, nationaler meteorologischer Dienst der Bundesrepublik Deutschland, teilt den sauerländischen Optimismus nicht. "Diese Darstellung ist falsch. Die Erwärmung betrifft alle Jahreszeiten, wenn auch nicht gleichmäßig", sagte Pressesprecher Andreas Friedrich dem WDR. Die Temperaturen stiegen sowohl im Sommer als auch im Winter.

Gästerekord in der Eifel

Gerhard Knodt und Tochter Michelle rodeln  auf einem Schlitten am Schwarzen Mann

Winterfreuden: Rodelpartie in der Eifel

Aber auch aus der Eifel gibt es Widerspruch. "Bei uns ist der Klimawandel in der befürchteten Form noch nicht angekommen", sagte Anja Schmitz von der Tourist-Information Hellenthal dem WDR. Seit vielen Jahrzehnten sei der Weiße Stein ein Ziel für Wintersportler. "Am 16. und 17. Januar, dem ersten Schneewochende dieser Saison, hatten wir mit mehreren tausend Gästen einen Besucherrekord", so die Sprecherin. Aber das sei je nach Wetterlage von Jahr zu Jahr verschieden.

Touristische Alternativen

Weil der Winter in den Mittelgebirgen immer wieder kurz ist oder nahezu ganz ausbleibt, haben die NRW-Skigebiete schon vor Jahren vorgesorgt. "Wir fahren gut mit der Strategie, neben Wintersport auch auf Gemütlichkeit und Wellness zu setzen", sagte Anna Galon, Sprecherin von Sauerland-Tourismus, dem WDR. Das Konzept heiße "präventiver Gesundheitstourismus": "Es geht darum, einen Kontrast zum Stadtleben zu schaffen - unabhängig von der Wetterlage." Dazu gehörten komfortable Hotelzimmer, Winterwanderungen und "Landschaftstherapie". Bei Letzterem vermittelten "Sauerland-Coaches" in der Natur individuelle Impulse, um über das eigene Leben nachzudenken.

Ähnliche Alternativen gibt es auch in der Eifel: "Neben Winterwandern können die Gäste bei uns auch Wohlfühloasen aufsuchen oder sich von Rangern durch den Nationalpark führen lassen", sagte Wolfgang Reh von Eifel-Tourismus.

Stand: 10.02.2016, 17:53

Weitere Themen