Salafisten vor Wuppertaler Flüchtlingsunterkunft

Video zeigt "Hilfsaktion"

Salafisten vor Wuppertaler Flüchtlingsunterkunft

Schon vor mehr als einer Woche hat der Verfassungsschutz davor gewarnt, jetzt könnte es in Wuppertal wahr geworden sein: Salafisten nutzen offensichtlich die Not der Flüchtlinge, um Kontakt zu bekommen. Ein entsprechendes Video haben sie gepostet.

Menschenmenge

Ausschnitt aus dem Video der Salafisten

Das Video auf der Seite der Wuppertaler Salafisten-Szene zeigt junge Männer, die auf dem Parkplatz vor dem Schulzentrum Küllenhahn Kleidung und Hilfsgüter an Flüchtlinge verteilen. Gleichzeitig erzählt ein Mann in roter Sportjacke von seiner Barmherzigkeit und wie dankbar die Flüchtlinge seien. Er erzählt auch, dass man gemeinsam gebetet habe.

Das Video ist Staatsanwaltschaft und Polizei bekannt. Was steckt hinter der Aktion? Wie ist diese Aktion zu bewerten? Wir haben heute (17..09.15) mit dem WDR-Islamismus-Experten Dirk Müller gesprochen.

Die Salafisten haben schon vor einer Woche angekündigt, dass man Flüchtlingen helfen und sich barmherzig zeigen wolle. Jetzt haben die Salafisten diese "Hilfe" in einem Video wahrgemacht. Sieht harmlos aus, oder?

Ein Mann mit Brille

Dirk Müller, WDR-Islamismus-Experte

Dirk Müller: Ja, zunächst wirkt das tatsächlich harmlos, und so stellen sie es dar. Verteilen Lebensmittel und Kleidungsstücke an die muslimischen Glaubensbrüder und Schwestern. Aber die Sorge ist natürlich groß, dass aus dieser salafistischen Szene heraus dies nicht uneigennützig geschieht, sondern dass durchaus versucht werden könnte, die Flüchtlinge tiefer in diese Szene, die ja weitestgehend radikalisiert ist in weiten Teilen, hineinzuziehen. Letztlich würde das ja auch einer Integration dieser Flüchtlinge hier in Deutschland im Wege stehen.

Die Flüchtlinge kommen aus Kriegsgebieten. Haben die nicht die Nase voll von Radikalen? Warum sind sind sie möglicherweise dennoch anfällig?

Dirk Müller: Die Flüchtlinge kommen in eine Umgebung, die für sie völlig unbekannt ist. Das ist keine Umgebung mehr, von der man sagen kann, hier leben so viele Muslime, dass der Islam hier Alltag ist. Es ist fremd für sie. Und es ist für solche Menschen, die in einer Notsituation sind, sicher angenehm, von Glaubensbrüdern und –schwestern freundlich in Empfang genommen zu werden.

Ist das auch eine Taktik von Salafisten, dass man gar nicht sofort die Katze aus dem Sack lässt?

Dirk Müller: Ja sicherlich, das unterstellt sicher auch der Verfassungsschutz, der solche Aktivitäten beobachtet. Natürlich kommen die nicht an und sagen diesen Menschen, die womöglich aus Kriegsgebieten kommen: "Wir schicken euch gleich wieder zurück!" Das würde sicher nicht funktionieren, das wissen diese Salafisten sicher sehr genau.

Aber was bieten die Salafisten den Menschen an, damit die sich geborgen fühlen?

Transparent mit der Aufschrift "Refugees Welcome"

Die Bevölkerung heißt Flüchtlinge auf Küllenhahn willkommen. Befürchtung: Nun mischen sich Salafisten unter die Helfenden

Dirk Müller: Nun, die fühlen sich geborgen, weil sie eben sehen: "Das sind Glaubensbrüder, die denken vielleicht so wie wir." Dass das möglicherweise ganz anders ist, das erkennt man im ersten Moment nicht, man fühlt sich zunächst einmal gut in Empfang genommen und unter seinesgleichen. Das ist in einer Notsituation, in der die Flüchtlinge hier ankommen, niemanden kennen, fremd sind, in Massenunterkünften untergebracht werden müssen, eine sehr angenehme Situation, die vielleicht erst einmal sehr positiv entgegen genommen wird.

Für wie gefährlich halten Sie denn die Gruppe um Sven Lau und Pierre Vogel?

Dirk Müller: Sie geben sich ja sehr friedlich, sie sagen, sie wollen mit denen, die Krieg veranstalten, nichts zu tun haben. Aber nach der Einschätzung vom Verfassungschutz, der ja sehr genau guckt, was diese Herren tun, muss man davon ausgehen, dass sie das Feld bereiten für weitergehende Radikaliserung. Und das ist ja auch das, was beobachtet wird, dass in der salafistischen Szene sich viele Menschen radikalisieren, in den Krieg ziehen oder hier versuchen, weitere Menschen zu radikalisieren.

Die Salafisten tun bei den Flüchtlingen Gutes, das ist strafrechtlich nicht relevant. Haben die Behörden denn irgendwelche Möglichkeiten, einzuschreiten?

Dirk Müller: Es ist sicherlich sehr schwierig, dagegen anzugehen. Erst mal ist es Hilfsbereitschaft unter Menschen, so stellt es sich dar, so lässt es sich nicht anders beobachten, da werden Kleider verteilt, Nahrungsmittel verteilt, da gibt es lachende Kindergesichter. So wird es auch in den Videos dargestellt, zunächst einmal alles in Ordnung. Das Problem wird eben sein, nachzuweisen, dass dieses eine Art Rutschbahn in eine Radikalisierung sein könnte. Das ist nicht einfach für die Behörden, zumindest, wenn es zunächst mal um nichts anderes geht als Gutes zu tun.

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Stand: 17.09.2015, 16:59