"Ich habe mich unglaublich schnell radikalisiert"

Salafisten verteilen kostenlose Ausgaben des Koran

Salafisten-Aussteiger aus Münster

"Ich habe mich unglaublich schnell radikalisiert"

"Sascha" war Salafist. Als Student in Münster wurde er angeworben, schon drei Wochen später konvertierte er zum Islam. Inzwischen ist er ausgestiegen. Die Diskussionen mit seinen Glaubensbrüdern über die Scharia haben ihn abgeschreckt.

Sascha, der eigentlich anders heißt, hat den Ausstieg geschafft, Aber er hat zwei Jahre gebraucht, bis er alles verarbeitet hat: die Angst vor der Hölle, die Angst, bestraft zu werden. Er war gerade 20, als er in eine salafistische Gruppierung in Münster geriet: "Im Studium habe ich die kennengelernt, ich wollte einfach wissen, woran sie glauben. Ich wollte mir einen Koran geben lassen, dann bin ich auch auf Veranstaltungen gegangen, so bin ich dann in die Szene reingekommen."

"Das ist die Gehirnwäsche"

Schon drei Wochen später konvertierte er zum Islam, stellte sein ganzes Leben um: Keine Partys mehr, die Kontakte zu seinen Studienfreunden gab er auf, alles drehte sich um seine neue Religion: "Ich hab mich unglaublich schnell radikalisiert, das ist die Gehirnwäsche, ich bin ja auch nicht der einzige in meinem Semester, der konvertiert ist." Da habe es auch noch andere gegeben. Heute wisse er, dass die Werber psychologisch geschult seien, um Menschen zu manipulieren.

Anwerbungen in Münster

Salafistenprediger Pierre Vogel redet bei einer Kundgebung in Frankfurt

Der Salafist Pierre Vogel ist auch in Münster aktiv

Salafistische Anwerbungen auch an Hochschulen in Münster? Die Uni kann das nicht ausschließen, die Kontrolle sei Aufgabe der Ermittlungsbehörden. Fakt ist: Salafisten wie Pierre Vogel sind in Münster seit Jahren aktiv. Auch der Islamismusexperte Ahmad Mansour weiß von Studenten, die in Münster angeworben wurden: "Auch in Münster definitiv. Die sind weltweit vernetzt und sie missionieren leidenschaftlich." Mansour verweist auf Salafisten in Münster, die vom Verfassungsschutz beobachtet werden.

Attraktive Ideologie

Ahmad Mansour

Ahmad Mansour: Jugendliche suchen nach Orientierung

Was Sascha anfällig gemacht hat, das weiß er bis heute nicht - wahrscheinlich war es die Suche nach den großen Sinnfragen der Welt. Es sind vor allem Jugendliche, die sich für die radikale Ideologie begeistern, erläutert der Islamismusexperte Mansour. Die Jugendlichen seien in einer kritischen Lebensphase auf der Suche nach Orientierung, auch nach einer Vaterfigur. Die islamistische Ideologie biete ihnen gewissermaßen Erlösung an und das Gefühl, zu einer Elite zu gehören. "Und das", schließt er, "macht diese Ideologie sehr attraktiv." Sascha jedenfalls ist froh, dass er den Absprung geschafft hat. Jetzt will er helfen, aufzuklären.

Stand: 05.01.2016, 20:00