Lieber wegwerfen als spenden

Sachspenden kosten Unternehmen Umsatzsteuer

Lieber wegwerfen als spenden

Von Heinz Krischer

Wenn Unternehmen unverkäufliche Ware spenden, kann das für sie teuer werden. Auf Sachspenden müssen sie nämlich Umsatzsteuer zahlen, obwohl sie gar nichts verkaufen. Ein Unternehmen aus Rüthen im Kreis Soest bekam jetzt einen saftigen Steuerbescheid.

Als in Ostdeutschland die Oder über die Ufer trat und viele Häuser stark beschädigt waren, da wollten die Meisterwerke aus Rüthen einfach nur helfen. „Wir sahen damals, dass in vielen Wohnungen die Böden vom Wasser kaputt gegangen waren – deshalb haben wir die Holzböden gespendet“, sagt Guido Schulte, Geschäftsführer der Meisterwerke, heute.

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Knapp 100.000 Quadratmeter Laminat- und Furnierböden lieferten die Meisterwerke über ihre Händler in Ostdeutschland kostenlos an die arg betroffenen Hauseigentümer. Bei den Böden handelte es sich um Produkte mit Schönheitsfehlern und Auslaufartikel. Doch die Hilfsbereitschaft zahlte sich nicht aus. Nach einer Steuerprüfung forderte das Finanzamt Jahre später die Nachzahlung von Umsatzsteuer auf die gespendeten Produkte. „Da hatten wir überhaupt nicht mit gerechnet“, sagt Guido Schulte.

Finanzamt forderte fünfstellige Nachzahlung

Dabei war die Nachforderung keine üble Finte des für die Meisterwerke zuständigen Finanzamts. „Eine Sachspende unterliegt grundsätzlich als unentgeltliche Wertabgabe der Umsatzsteuer“, schreibt Dr. Jürg Weißgerber aus dem Bundesfinanzministerium auf Anfrage des WDR. Für die Rüthener Meisterwerke bedeutete das: Es wurde ein hoher fünfstelliger Betrag als Umsatzsteuer-Nachzahlung gefordert. Für die Meisterwerke „total ärgerlich“.

Bei gemeinnützigen Organisationen ist das Problem bekannt. „Wenn Unternehmen Sachspenden anbieten, dann weisen wir natürlich darauf hin, dass die Umsatzsteuer abzuführen ist“, sagt Douglas Graf von Saurma-Jeltsch, Vorstand des Malteser Hilfsdienstes in Köln. Das schreckt die Unternehmen ab – manche spenden einmal und dann nicht wieder, andere sagen nach der Info sofort ab, weiß der Malteser-Vorstand. „Das ist für beide Seiten ärgerlich, besonders dann wenn man wirklich auf diese Waren angewiesen ist und den Menschen damit gut helfen könnte.“

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Dabei sind Sachspenden von Unternehmen begehrt bei Hilfsorganisationen, weiß Christine Weyrowitz. Sie ist Geschäftsführerin bei der Diakonie Ruhr-Hellweg. Durch die Sachspenden habe man die Möglichkeit, beispielsweise alleinerziehenden Müttern mit Kindern auch einmal neuwertige Dinge zukommen zu lassen.

Auch die Tafeln hatten Probleme mit der Umsatzsteuer, denn sie geben gespendete Lebensmittel aus. Dort wurde 2012 eine Lösung gefunden. „Bei begrenzt haltbaren Lebensmitteln kurz vor Ablauf des Haltbarkeitsdatums oder Backwaren vom Vortag beträgt der Wert regelmäßig null Euro. Damit fällt keine Umsatzsteuer an“, erklärt Peter Mönkediek aus dem NRW-Finanzministerium. Für alle anderen Sachspenden ist solch eine Regelung nicht angedacht – auch wenn Hilfsorganisationen wie die Malteser eine Gesetzesänderung für dringend notwendig halten.

Bei den Rüthener Meisterwerken hat man Konsequenzen daraus gezogen. „So lange wie sich die Gesetzeslage nicht ins Positive verändert, werden wir Sachspenden nicht mehr zur Verfügung stellen“, sagt Guido Schulte. Dann landen die Böden mit Schönheitsfehlern im Müll.

Stand: 01.02.2016, 14:46

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