53 Haltepunkte im VRR durchgefallen

53 Haltepunkte im VRR durchgefallen

Von Andreas Sträter

Graffiti zur Begrüßung, eine still stehende Rolltreppe und nicht lesbare Hinweisschilder – auf mancher Bahn-Station beginnt oder endet die Reise wie in einem Gruselkabinett. Der aktuelle VRR-Stationsbericht listet die Mängel auf. Wir haben sie im Bild festgehalten.

VRR Stationen NRW

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat das Erscheinungsbild von mehr als jeder vierten S-Bahn-Station im Verbundgebiet als "nicht akzeptabel" eingestuft. Für den aktuellen Stationsbericht haben Tester Bahnhöfe und Haltestellen des Schienenverkehrs unter die Lupe genommen. Dabei wurden die Sauberkeit, Funktion und die Verschmutzung durch Graffiti beurteilt. Von den 142 ausschließlich von S-Bahnen angefahrenen Haltepunkten erhielten 42 S-Bahn-Stationen eine schlechte Bewertung. Von allen 296 überprüften Haltepunkten – wie hier die Station Dortmund Huckarde-Nord, die von der Emschertal-Bahn angefahren wird – fielen 53 durch.

Der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) hat das Erscheinungsbild von mehr als jeder vierten S-Bahn-Station im Verbundgebiet als "nicht akzeptabel" eingestuft. Für den aktuellen Stationsbericht haben Tester Bahnhöfe und Haltestellen des Schienenverkehrs unter die Lupe genommen. Dabei wurden die Sauberkeit, Funktion und die Verschmutzung durch Graffiti beurteilt. Von den 142 ausschließlich von S-Bahnen angefahrenen Haltepunkten erhielten 42 S-Bahn-Stationen eine schlechte Bewertung. Von allen 296 überprüften Haltepunkten – wie hier die Station Dortmund Huckarde-Nord, die von der Emschertal-Bahn angefahren wird – fielen 53 durch.

Eine rote Karte gab es auch für den S-Bahnhof Witten-Annen Nord. Die Fußgängerunterführung an dem Bahnhof ist nicht nur verschmutzt und voller Graffiti-Schmierereien, sondern auch technisch unzureichend. Der S-Bahnhof befindet sich wie alle getesteten Stationen im Besitz der DB Station & Service AG, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn. Die Stadt Witten wünscht sich von dem bundeseigenen Staatskonzern nicht nur ein dichteres und intensiveres Kontrollsystem, sondern auch eine Modernisierung der Gesamtanlage, sagt Stadtsprecherin Lena Küçük. Die Station sei nämlich nicht barrierefrei: "Das ist ein großes, eigenes Thema, das bis jetzt nicht gelöst wurde."

Als "nicht akzeptabel" wurde etwa bewertet, wenn im Zugangsbereich oder am Bahnsteig großflächige Graffiti zu sehen waren. Die Bahn kennt dieses Problem und setzt eigenen Angaben zufolge auf eine "Graffiti-Offensive": "Nach Eingang der Meldung beseitigt die DB Graffiti nach Möglichkeit innerhalb von 24 bis 72 Stunden", sagte eine Bahnsprecherin dem WDR. Am Bochumer Haltepunkt Langendreer-West ist die Deutsche Bahn derzeit dabei noch ein ganz anderes Problem zu lösen: Ab Frühjahr soll der S-Bahnsteig barrierefrei mit einem Aufzug zu erreichen sein.

Nicht jeder Minuspunkt, der zu einer schlechten Bewertung im VRR-Stationsbericht führte, ist sofort direkt wahrnehmbar. Auch wenn die Bahnhofsuhr nicht ging oder kein Fahrplan vorhanden war, habe dies zu einer Abwertung geführt, sagte VRR-Sprecherin Sabine Tkatzik. In Velbert im Kreis Mettmann wurden gleich drei Stationen – wie hier der Haltepunkt Rosenhügel – als "nicht akzeptabel" eingestuft. Die Stadt Velbert wünscht sich von der Bahn, dass sie "selber intensiver auf die Reinigung und den Gesamtzustand ihrer baulichen Anlagen achten würde", erläutert Stadtsprecher Hans-Joachim Blißenbach gegenüber dem WDR.

Auch das Erscheinungsbild des S-Bahnhofs Velbert-Neviges kam bei den VRR-Testern nicht gut an. Graffiti am Bahnsteig und im Zugang sowie nicht lesbare Schilder gaben den Ausschlag für die Entscheidung. Wenn den Technischen Betrieben der Stadt Velbert Mängel an den S-Bahn-Haltepunkten auffallen, dann werden diese umgehend an die Bahn gemeldet. Mehr kann die Stadt nicht unternehmen. Eine wirkliche Zusammenarbeit mit der Bahn gebe es nicht, sagt Stadtsprecher Blißenbach. "Leider erhalten unsere Technischen Betriebe von dort keine Rückmeldungen, ob Maßnahmen ergriffen wurden oder warum keine Maßnahmen ergriffen worden sind."

Der Straßenname am Ausgang des S-Bahn-Haltepunktes Schwelm-West bedeutet wohl Jesinghauser Straße. Nicht lesbare Schilder wirkten sich ebenso negativ auf das Endergebnis aus wie defekte Fahrzüge, kaputte Sitzgruppen oder abgeplatzte Fliesen. Die Bahn sieht den VRR-Stationsbericht als Ansporn: Es wird wahrgenommen, "dass es nach wie vor Stationen mit Optimierungsbedarf gibt", sagte eine Bahnsprecherin dem WDR. Stationen mit einer schlechten Bewertung will sich die Bahn noch einmal genau ansehen.

Die politischen Gremien hatten den Verkehrsverbund im Vorfeld des Tests dazu aufgefordert, die Bahn-Stationen im Hinblick auf ihre Beleuchtung und eventuelle Angsträume zu bewerten. Ein zentrales Ergebnis war, dass die Beleuchtung "insgesamt überall ausreichend war", heißt es in dem Stationsbericht. Im Falle des Haltepunktes Gevelsberg West weist der VRR darauf hin, dass eine Modernisierung erforderlich sei. Zu schlecht ist die Bewertung in den Kategorien Funktion und Graffiti.

Kein akzeptables Erscheinungsbild bescheinigten die Profitester auch dem in die Jahre gekommenen Haltepunkt Wuppertal-Sonnborn. Die Stadt selbst ist relativ machtlos und auf das Bahnhofsmanagement der zuständigen Bahntochter DB Station & Service AG angewiesen. Die Zusammenarbeit sei zwar konstruktiv, gleichwohl könne die Stadt selbst nicht eingreifen, sagt Volker Klöpper aus dem Ressort Straßen und Verkehr der Stadt Wuppertal.

Die Stadt Wuppertal wünscht sich von der Bahn, dass Schäden und Graffiti schnell beseitigt werden. "Hier kann DB Station & Service aber zwangsläufig nur reagieren", konstatiert Klöpper. "Die Eindämmung von Vandalismus bleibt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe", ergänzt er. Die Kommune ist insgesamt zuversichtlich, dass sich die Erscheinungsbilder der Haltepunkte – wie hier am Haltepunkt Wuppertal-Vohwinkel – in der Zukunft verbessern werden.

Eine kontinuierliche Verbesserung der Anlagen, verspricht auch die Deutsche Bahn. 117 Stationen werden aktuell in Nordrhein-Westfalen überholt und renoviert. "Im Mittelpunkt unserer Bemühungen stehen die Verbesserung der Aufenthaltsqualität und die Reisendeninformation", erläutert eine Bahnsprecherin. Ein weiterer Schwerpunkt sei der barrierefreie Ausbau der Stationen. Die Barrierefreiheit ist im Haltepunkt Essen-Überruhr zwar über eine Rampe gegeben, doch dafür erhielt die Station von den VRR-Testern Minuspunkte in Sachen Sauberkeit und Funktion. Überruhr ist im Vergleich zum Vorjahr um zwei Kategorien abgestuft worden.

Die Bahn freue sich über die Ergebnisse des VRR-Berichts, denn im Jahr 2014 waren es noch zehn Stationen mehr, die den Stempel "nicht akzeptabel" aufgedrückt bekommen hatten. Die Station Essen-Holthausen erhielt deshalb negative Bewertungen, weil die Tester die Sauberkeit und die Graffiti am Bahnsteig monierten. In Essen wurden fünf der 26 S-Bahn-Punkte mit dem Prädikat "unansehnlich" eingestuft; das sind zwei mehr als noch vor einem Jahr.

Die Zugänge zu den eigentlichen Stationen sind hingegen oft dunkler und weniger durchsichtig als die Bahnsteige an sich. Das ist auch am schlecht bewerteten Haltepunkt Dortmund-Nette/Oespel der Fall. Der Bahnsteig ist relativ gut überschaubar. Kritik gab es in Nette vor allem, weil zu viele Lampen kaputt waren.

Stand: 12.02.2016, 06:00 Uhr