Die Rolle seines Lebens

Mit dem Rhönrad auf Pilgerreise

Mit dem Rhönrad durch die Welt

Die Rolle seines Lebens

Von Norman Stahl und Dirk Hammel

Ein Mann streift quer durchs Sauerland. Sein einziger Begleiter: ein Rhönrad. Shahin Tivay Sadatolhosseini ist unterwegs, es ist eine Pilgerreise der besonderen Art: Ein Jahr lang rollt er sein Rhönrad durch die Welt - von Aachen in den Iran.

Andere pilgern mit dem Wanderstock über den Jakobsweg. Shahin Tivay Sadatolhosseinis persönlicher Jakobsweg ist die Balkanroute - und sein Wanderstock das Rhönrad. Vier, fünf Jahre lang hat der freischaffende Künstler und langjährige Rhönradsportler seine Reise geplant. Jetzt macht er seine besondere Friedensmission wahr: Ein Jahr lang will er auf der Balkanroute gegen den Strom pilgern - als "Reise der Völkerverständigung", wie er sagt. Von seinem Wohnort Aachen in seine Geburtsstadt Teheran, die Hauptstadt des Iran. Über 7.000 Kilometer.

Pilgerreise soll verbinden

Mit dem Rhönrad auf Pilgerreise

Das Rhönrad vor dem Bahnhof in Marsberg-Westheim

Jedes Mal, wenn der 44-Jährige mit seinem Rhönrad irgendwo auftaucht, ist er der Blickfang. Manchmal kommt er kaum vom Fleck, so interessiert sind die Menschen. Das große Sportgerät, das er vor sich herrollt, soll verbinden. Und es verbindet. Städte, Länder, Menschen. "Ganz besonders schön ist es mit den Leuten", schwärmt der studierte Mediendesigner, "das ist das, warum ich es überhaupt mache."

Immer wieder erzählt er seine Geschichte: Es geht ihm darum, friedlich zu reisen in schwierigen Zeiten, Menschen zu verbinden, Grenzen zu überwinden. Seine Zuhörer sind manchmal ungläubig, manchmal fasziniert. Und einige nehmen auch etwas mit: "Es berührt mein Herz", sagt etwa Gabi Oelrich nach der Begegnung mit Sadatolhosseini.

Turngerät als Unterschlupf

Für Erstaunen sorgt auch die Tatsache, dass der Pilger sein Rhönrad als Unterschlupf nutzt. Es wird nachts zu einer Art Kokon: Dann legt er sich in einer Hängematte im Rhönrad schlafen. Zwischendurch beginnt er immer wieder spannenden Menschen, kommt mit ihnen ins Gespräch. Was er erlebt, hält er in einem Internet-Blog fest.

Rast in Rhönrad-Hochburg

Sein Weg durch Südwestfalen führt ihn über Iserlohn, Menden, Meschede und Brilon bis nach Marsberg. Ein besonderes Willkommen erlebt der "Rhönrad-Pilger" in Arnsberg. Das kommt nicht von ungefähr, denn Arnsberg ist eine Rhönrad-Hochburg, war 2011 schon Austragungsort der Rhönrad-Weltmeisterschaft. So einen Wettkampf hat Sadatolhosseini übrigens bereits organisiert - 2005 in Aachen. Und er war selbst schon Teilnehmer bei einer WM.

Mit dem Rhönrad auf Pilgerreise

An der Landesgrenze zu NRW

Eine Woche lang war er jetzt in Südwestfalen. Von dort geht es für ihn weiter ins benachbarte Hessen. Eine Reise, die auch ein Markstein in seinem Leben sein soll: Nach seiner Rückkehr nach Aachen will der 44-Jährige eine Familie gründen. Vorher bringt ihn die Rhönrad-Tour aber noch durch fast 20 Länder. Es ist zweifellos die Rolle seines Lebens.

Stand: 13.01.2016, 12:40

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