Verschmutzt die Industrie den Rhein mit Plastik?

Verschmutzt die Industrie den Rhein mit Plastik?

Ein schnelles Peeling morgens unter der Dusche, das fühlt sich gut an. Doch der angenehme Effekt hat Nebenwirkungen, denn er wird von winzigen Plastikteilchen erzeugt. Und was die Haut stimuliert, belastet zunehmend die Gewässer. Besonders belastet ist der Rhein, wie eine aktuelle Studie zeigt.

Microplastik im  Rhein

Eigentlich hat sich die Wasserqualität des Rheins in den vergangenen Jahrzehnten verbessert. Doch dieser Befund bezieht sich vor allem auf die löslichen Stoffe. Sorgen bereitet Experten die Zunahme von ungelösten Stoffen, das sind winzige Plastikteilchen, die Flüsse und Meere belasten. Nun haben Forscher der Universität Basel in der Schweiz den Rhein untersucht und festgestellt, dass er zu den weltweit am stärksten belasteten Strömen gehört.

Eigentlich hat sich die Wasserqualität des Rheins in den vergangenen Jahrzehnten verbessert. Doch dieser Befund bezieht sich vor allem auf die löslichen Stoffe. Sorgen bereitet Experten die Zunahme von ungelösten Stoffen, das sind winzige Plastikteilchen, die Flüsse und Meere belasten. Nun haben Forscher der Universität Basel in der Schweiz den Rhein untersucht und festgestellt, dass er zu den weltweit am stärksten belasteten Strömen gehört.

"Vor allem ab Bonn ist die Belastung mit Mikroplastik-Teilchen besonders hoch", erklärt Umweltwissenschaftler Thomas Mani, Hauptautor der Studie. Unter Mikroplastik verstehen die Experten Plastikteilchen, die kleiner als fünf Millimeter sind und nicht natürlich in der Umwelt vorkommen. Sie entstehen bei der Kunststoffherstellung, sind aber auch in Reinigungs- und Pflegeprodukten enthalten. Außerdem entstehen sie bei der Zersetzung größerer Plastikteile.

Für ihre Studie haben die schweizer Wissenschaftler zwischen Basel und Rotterdam an elf Standorten 31 Wasserproben genommen. Während die Belastung mit 714.053 Partikel pro Quadratkilometer zwischen Bad Honnef, Köln-Porz und Leverkusen als mittel einzustufen ist, waren die Werte im Ruhrgebiet mit 2.333.665 Partikeln besonders hoch. In Rees am Niederrhein wurde der Spitzenwert von 3,9 Millionen Plastikpartikeln pro Quadratkilometer gemessen.

"Die Konzentrationen von Mikroplastik im Rhein liegen damit im Bereich der höchsten Konzentrationen der bisher weltweit untersuchten Gewässer", sagt Studienleiterin Patricia Holm, Professorin für Umweltwissenschaften an der Uni Basel.

Enthalten sind die kleinen Plastikpartikel in vielen Stoffen, in denen man sie nicht vermutet. So enthalten viele Kosmetikprodukte wie Duschpeelings und Zahnpasten in Form von Polyethylen (PE) und Polypropylen (PP) Mikroplastik, erklärt Sascha Regmann vom Project Blue Sea in Herne. "Viele Menschen wissen das nicht, denn eigentlich ist ja der Gedanke, sich mit Plastikteilchen zu duschen oder die Zähne zu putzen auch ein bisschen eklig", fügt Regmann hinzu. Der Verein Project Blue Sea setzt sich für den Schutz der Meere ein. Die Verschmutzung der Meere ist immer wieder thematisiert worden. "Im Meer hat die Forschung begonnen", sagt Thomas Mani. "Experten gehen davon aus, dass 80 Prozent des Plastiks im Meer eigentlich vom Land kommen und eben auch über die Flüsse ins Meer gelangen."

Die Ergebnisse aus der Schweiz hält Birgit Kaiser de Garcia vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in NRW für "plausibel". Derzeit führt das LANUV eine eigene Untersuchung zum Thema Mikroplastik durch, in dieser Studie sind auch die Nebenflüsse mit einbezogen. Ergebnisse liegen noch nicht vor, doch die hohe Belastung in NRW überrascht Kaiser de Garcia nicht. "Auf seiner langen Strecke sammelt sich alles und der Rhein nimmt die Teilchen mit in Richtung Nordsee."

Doch auch die Verbraucher können etwas tun. Denn in vielen Fällen - wie etwa in Kosmetika - sind Plastikteilchen vermeidbar. Der BUND hat eine Liste mit Produkten zusammengestellt, in denen Mikroplastik enthalten ist. Genrell, das raten Wissenschafter Mani und Umweltschützer Regmann, sollte man auf Plastik so weit wie möglich verzichten.

Stand: 09.12.2015, 10:33 Uhr