Viel Krach um einen Raum der Stille

Raum der Stille

TU Dortmund schließt Gebetsraum

Viel Krach um einen Raum der Stille

Von Frank Menke

Weltanschaulich und religiös neutral soll der "Raum der Stille" an der Technischen Universität Dortmund sein. Muslimische Studenten dekorierten ihn jedoch zu einem islamischen Gebetsraum um, grenzten Frauen aus. Andere Studenten beschwerten sich. Nun wurde der Raum geschlossen.

"Wir sehen den Versuch, einen neutralen und allen Glaubensrichtungen zur Verfügung stehenden 'Raum der Stille' zu schaffen, leider als gescheitert an", sagte Eva Prost, Sprecherin der Technischen Universität Dortmund, dem WDR am Donnerstag (12.02.2016). In einem offenen Brief auf ihrer Uni-Website hatte die TU zuvor mitgeteilt, dass der Rückzugs- und Meditationsraum im Physikgebäude auf dem Campus geschlossen und künftig für Lehre und Forschung oder als Baby- und Ruheraum genutzt werde. Grund für die drastische Maßnahme waren wiederholte Beschwerden andersgläubiger Studenten, die sich von Teilen ihrer muslimischen Kommilitonen diskriminiert fühlten.

Regale als Raumteiler

Laut TU Dortmund war der Raum nicht zum ersten Mal von männlichen muslimischen Studenten in ihrem Sinne umdekoriert worden. Demnach wurden weibliche Besucher abgefangen und darauf hingewiesen, dass sie nur Zugang zu einem kleineren, abgegrenzten Raumteil hätten. Der größere sei Männern vorbehalten. Eine Ortsbesichtigung ergab, dass Regale in Raumteiler umfunktioniert worden waren. Über die Regale waren Decken gehängt worden, um Blickkontakt von einem Teil des Raumes zum anderen zu verhindern. Ein vier Quadratmeter großes Bild diente als Schiebetür zwischen den Bereichen. Gefunden wurden auch mehrere Gebetsteppiche und ein Koran.

Schon in der Vergangenheit hatte es ähnlichen Ärger gegeben. Damals lagerten in dem Raum Flugblätter in arabischer Schrift und deutschsprachige Belehrungen, die zum Beispiel darauf hinwiesen, dass Frauen Kopftuch zu tragen hätten und kein Parfüm benutzen dürften.

Petition gescheitert

Universitätsgelände der Technischen Universität Dortmund

Die Technische Universität in Dortmund

Mit dem offenen Brief auf ihrer Website reagierte die TU Dortmund auf eine Petition dreier muslimischer Studenten, die rund 400 Unterschriften gesammelt hatten, um die Schließung des Raumes zu verhindern. Darin enthaltene Vorwürfe "einer angeblichen Verhöhnung, einer Diskriminierung, einem antiislamischen Rassismus oder einem Generalverdacht" wies die Universität in ihrem Brief strikt zurück: "Ihre Anmerkungen zur Bedeutung der Integration greifen wir gerne auf und erlauben uns zu ergänzen, dass hierzu die Kenntnis und Akzeptanz der in der Bundesrepublik Deutschland geltenden Gesetze gehört, an die wir alle gebunden sind. Gleichberechtigung von Mann und Frau ist dabei ein unantastbarer Kernbereich."

Kritik vom "Rat muslimischer Studierender"

Laut TU-Sprecherin Prost rudern die muslimischen Stundenten inzwischen stark zurück: "Sie haben uns mitgeteilt, dass die genannten Verstöße gegen die Nutzungsordnung die Schließung des Raumes nachvollziehbar machen." Der "Rat muslimischer Studierender & Akademiker" (Ramsa) ist dennoch entsetzt über die Art und Weise der öffentlichen Diskussion des Themas. "Die Universitätsleitung sollte nicht das Fehlverhalten einzelner Personen zum Anlass nehmen, um pauschale Verdächtigungen oder Unterstellungen gegenüber Studierenden mit einem bestimmten Religionsbekenntnis, einer bestimmten ethnischen Herkunft und/oder nicht weißer Hautfarbe implizit oder explizit zu behaupten oder zu verbreiten", heißt es in der Ausgabe der "Islamischen Zeitung" vom 11. Februar.

Laut Ramsa war der Universitätsleitung bekannt, "dass der Raum größtenteils von muslimischen Studierenden zur Verrichtung ihrer täglichen rituellen Gebete genutzt wurde". Der Rat distanzierte sich deutlich von "rigoroser Geschlechtertrennung" und erklärte dazu, dass diese Praxis dem muslimischen Mainstream diametral zuwiderlaufe.

Probleme auch an der Uni Duisburg-Essen

Ähnliche Konflikte zwischen muslimischen und nicht-muslimischen Studenten gibt es offenbar an der Universität Duisburg-Essen. Auch dort wird ein Gebetsraum geschlossen. Allerdings begründet die Uni die Schließung mit "umfangreichen Baumaßnahmen" in dem betroffenen Gebäude. Außerdem hätten muslimische Studenten genügend Ausweichmöglichkeiten auf Moscheen im Umfeld der Uni. Rektor Prof. Ulrich Radtke räumte allerdings auf WDR-Nachfrage vorangegangene Probleme ein: "Der Dekan der Fakultät für Geisteswissenschaften hat berichtet, dass ihm das zugetragen worden sei. Das hat aber unsere Entscheidung der Schließung nicht beeinflusst. Das zeitliche Zusammentreffen ist Zufall."

Stand: 12.02.2016, 17:00

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