Erschossener Mann lebte in Recklinghausen

Mann vor Polizeistation in Paris erschossen

Angreifer von Paris

Erschossener Mann lebte in Recklinghausen

  • Pariser Angreifer lebte in Asylbewerberunterkunft in Recklinghausen
  • Tipp kam von französischen Sicherheitsbehörden
  • Nähere Informationen bringt LKA am Nachmittag

Der am Donnerstag beim Angriff auf Pariser Polizisten erschossene Mann hat nach offiziellen Angaben in einer Asylbewerberunterkunft in Nordrhein-Westfalen gewohnt. Er lebte in einer Wohnung auf dem Gelände einer Unterkunft in Recklinghausen, wie das nordrhein-westfälische Landeskriminalamt (LKA) am späten Samstagabend (09.01.2016) mitteilte. Einsatzkräfte der Polizei hätten die Wohnung am Samstag unter LKA-Leitung untersucht. Vorausgegangen seien konkrete Hinweise französischer Sicherheitsbehörden.

Von der Polizei erschossen

Der Mitteilung zufolge ergaben sich nach bisherigen Erkenntnissen keine Hinweise auf weitere mögliche Anschläge. Weitere Einzelheiten nannte das LKA zunächst nicht, eine Sprecherin des LKA wollte am Sonntagmorgen auch nicht die Medienberichte bestätigen, denen zufolge bei dem Mann ein Bekenntnis zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und in seinem Handy eine deutsche Sim-Karte gefunden worden seien. Am Sonntagnachmittag soll es dazu aber ein Statement geben.

Der Mann war am ersten Jahrestag des Anschlags auf das Satiremagazin "Charlie Hebdo" auf zwei Polizisten zugelaufen, hatte "Allah ist groß" gerufen und ein Schlachterbeil gezogen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Mordversuchs und Terrorismus.

Unter verschiedenen Namen aufgetreten?

Der Mann soll in der Bundesrepublik unter vier Aliasnamen registriert gewesen sein, Asyl habe er unter dem Namen Walid Salihi beantragt. Die in Deutschland angegebenen Staatsangehörigkeiten waren der "Welt am Sonntag" zufolge mal syrisch, mal marokkanisch, mal georgisch. Der Mann sei dort zudem mehrfach polizeilich in Erscheinung getreten.

In Frankreich hatte sich der Mann laut Staatsanwalt bei einer früheren Kontrolle als Marokkaner ausgegeben. In einem bei ihm gefundenen Schreiben nannte er dagegen einen anderen Namen und bezeichnete sich als Tunesier - als dieser soll er französischen Medien zufolge auch von seinem Umfeld erkannt worden sein. Seine tatsächliche Identität ist aber noch nicht offiziell bestätigt. Anderen Medien zufolge wurde er von NRW-Behörden als Verdachtsfall eingestuft, verschwand aber im Dezember 2015 spurlos aus Recklinghausen. Auch diese Informationen wollte der LKA zunächst nicht bestätigen und verwies auf ein Statement, das am Nachmittag abgegeben werden soll.

Recklinghäuser Bürgermeister sagt seine volle Unterstützung zu

Der Verdächtige hat in einer der beiden "klassischen Unterkünfte" mit über 100 Flüchtlingen gelebt, wie es die Sprecherin der Stadt am Sonntagmorgen nannte. Zur Zeit sind Vertreter von Ausländerbehörde, Polizei und Verwaltung zusammen gekommen, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Zuvor hatte der CDU-Bürgermeister von Recklinghausen, Christoph Tesche, am Sonntagmorgen seine Bestürzung geäußert und den Ermittlungsbehörden seine volle Unterstützung zugesagt. Tesche betonte, es bleibe "unsere humanitäre und rechtliche Pflicht, Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen, weil sie Angst um ihr Leben haben, ein Dach über dem Kopf zu geben. Es ist aber auch – besonders gegenüber unseren Bürgerinnen und Bürgern – unsere Pflicht, gemeinsam mit allen zuständigen Behörden sehr intensiv daran zu arbeiten, dass sich Menschen mit solchen Absichten in unseren Einrichtungen nicht verstecken können."

Stand: 10.01.2016, 13:08