Raucher Adolfs: Zeugen widersprechen sich

Raucher Friedhelm Adolfs zieht vor dem Landgericht in Düsseldorf an seiner Zigarette

Mietstreit in Düsseldorf

Raucher Adolfs: Zeugen widersprechen sich

Um dicke Luft und Gestank ging es am Montag (11.01.2016) vor dem Düsseldorfer Landgericht. Konkret um den Zigarettenqualm von Friedhelm Adolfs, der deswegen seine Wohnung räumen soll. Zeugen schildern die Geruchssituation im Haus sehr unterschiedlich.

Drei Jahre wehrt sich der mittlerweile bundesweit bekannte Raucher Friedhelm Adolfs nun schon gegen den Rauswurf aus seiner Mietwohnung. Heute (11.01.2016) hatte das Düsseldorfer Landgericht zur großen Beweisaufnahme geladen. Zeugen sollten die Situation im Haus schildern. Das Gericht muss nun entscheiden, ob der 77-jährige Raucher seine Nachbarn im Mehrparteienwohnhaus mit seinem Zigarettenqualm unzumutbar belästigt hat. Das Urteil soll am 2. März verkündet werden.

Richter: Rauchen grundsätzlich erlaubt

Sollte das Rauchen als unzumutbar vom Gericht bewertet werden, wird Adolfs seine Wohnung nach mehr als 40 Jahren räumen müssen. Dafür muss aber die Vermieterin nachweisen, dass der Qualm so stark war, dass er die Gesundheit der Nachbarn gefährdet hat. Dieser Nachweis aber ist schwer zu führen, zumal Richter Rolf Maurer bereits klargestellt hat: Grundsätzlich dürfe Adolfs in seiner Mietwohnung rauchen.

Zeugen: unterschiedliche Aussagen

Von starkem Rauchgestank bis zu keiner ungewöhnlichen Geruchsbelästigung reichten die Aussagen der vor Gericht nun gehörten Zeugen. Ein Immobilienmakler, der sein Büro im Gebäude hat und für die Vermieterin tätig ist, sagte: "Das ist ekelhaft, widerlich." und "Das ist wie Körperverletzung." Auch hätten mehrere Mietinteressenten den Geruch moniert. Andere Mieter sprachen ebenfalls von einem starken Gestank ausgehend vom Zigarettenrauch aus Adolfs Wohnung.

Dagegen berichteten Freunde und Verwandte des Rauchers, im Hausflur habe es nicht ungewöhnlich nach Rauch gestunken. Adolfs habe während ihrer Besuche immer gelüftet. Wenn es doch nach Rauch gerochen habe, könne dies an den Besuchern oder Mitarbeitern der anderen Mieter liegen, die regelmäßig im Eingangsbereich bei offener Haustür geraucht hätten.

Anwalt: Zweifel an Glaubwürdigkeit des Zeugen

Zusätzlich könnte die Position der Vermieterin deutlich ins Wanken geraten durch einen Schachzug von Adolfs' Anwalt. Der Zeuge, der Adolfs mündlich abgemahnt haben will, stehe in einer deutlich engeren Beziehung zur Vermieterin, als er vor Gericht ausgesagt habe. Er habe deswegen Strafanzeige erstattet, sagte Rechtsanwalt Martin Lauppe-Assmann. Er hält die Aussage des Mannes für unglaubwürdig: "Kein professioneller Vermieter spricht eine Abmahnung mündlich aus", sagt Lauppe-Assmann. Ohne vorherige Abmahnung wäre die Kündigung aber unwirksam.

Gerichte: Urteile, Berufung und Wende

Seit 2013 beschäftigen sich die Gerichte schon mit dem Mietstreit. Zunächst hatte das Amtsgericht den fristlosen Rauswurf des Rentners aus seiner Mietwohnung bestätigt. Das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit der Nachbarn habe Vorrang vor dem Recht auf freie persönliche Entfaltung des Rauchers, hieß es zur Begründung. Im Juni 2014 musste Adolfs die nächste Schlappe verdauen: Auch das Landgericht schlug sich auf die Seite der Vermieterin und wies seine Berufung zurück.

Im Februar 2015 dann die Wende: Der Bundesgerichtshof hob das Urteil auf und ordnete eine Neuauflage an. Die Vorinstanzen hätten sich um eine umfangreiche Beweisaufnahme gedrückt. Doch die Vermieterin betreibt weiterhin die Zwangsräumung der Wohnung, die Adolfs mit Hilfe der Justiz im März schließlich abwenden konnte. Ein Urteil wird für den heutigen Tag noch nicht erwartet.

Stand: 11.01.2016, 16:02

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