Altersversorgung für ehemalige Terroristen?

Die Kombo mit undatierten Fahndungsfotos zeigt die mutmaßlichen RAF-Terroristen (v.l.) Ernst-Volker Staub, Daniela Klette und Burkhard Garweg

Raubüberfall von Ex-RAF-Mitgliedern

Altersversorgung für ehemalige Terroristen?

  • Im Jahr 2015 haben offenbar drei mutmaßliche Ex-RAF-Mitglieder in Niedersachsen zwei Geldtransporter überfallen
  • Es handelte sich wohl um Daniela Klette, Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg
  • Bereits 1999 sollen sie in Duisburg einen Geldtransporter überfallen haben

Schüsse auf eine Botschaft in Bad Godesberg im Jahr 1991, ein Überfall in Duisburg 1999 und jetzt wieder zwei Überfälle auf Geldtransporter in Niedersachsen: Nach vielen Jahren im Untergrund haben drei gesuchte Linksterroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) wieder frische Spuren hinterlassen. Höchstwahrscheinlich hat das Trio im Juni und zuletzt Ende Dezember 2015 schwer bewaffnet zwei Geldtransporter im benachbarten Niedersachsen überfallen. Dies teilte die Staatsanwaltschaft Verden am Dienstag (19.01.2016) mit. Nach den missglückten Überfällen in Stuhr bei Bremen und in Wolfsburg fanden Ermittler die genetischen Spuren der untergetauchten Terroristen Daniela Klette (57), Ernst-Volker Wilhelm Staub (61) und Burkhard Garweg (47).

Überfälle ohne Beute

 VW-Transporter, der bei einem Überfall auf einen Geldtransporter am 6. Juni 2015 in Stuhr-Groß Mackenstedt, verwendet wurde

In Stuhr wurde mit diesem Fahrzeug der Geldtransporter blockiert

Bei dem Überfall in Stuhr hatten drei Maskierte den gepanzerten Geldtransporter am helllichten Tag mit einem VW-Bulli blockiert und mit einem Schnellfeuergewehr auf den Transporter geschossen - in dem eine Million Euro lagen. Die Täter gelangten aber nicht ins Auto und flüchteten ohne Beute. Nach dem Überfall wurden DNA-Spuren entdeckt, die dem Trio zugeordnet wurden. In Wolfsburg hatten die Täter den Beifahrer des Geldtransporters außerhalb des Fahrzeugs abgefangen und mit einer Pistole bedroht. Der Fahrer flüchtete aber überraschend mit dem Transporter vom Tatort, einem großen Supermarkt in Nordsteimke. Die Räuber gingen leer aus.

Ähnliche Tatausführung wie in Duisburg

Laut NDR wurden Spuren der drei RAF-Mitglieder auch nach einem Überfall 1999 in Duisburg auf einen Geldtransporter entdeckt, der nach ähnlichem Muster verlief. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die drei am 30. Juli 1999 in Duisburg-Rheinhausen einen Geldtransporter mit Waffengewalt überfallen haben. Nach dem Ergebnis der Ermittlungen sollen die drei Beschuldigten den Geldtransporter beim Verlassen eines Firmengeländes zum Anhalten gebracht haben. Anschließend bedrohten sie die Insassen des Geldtransporters mit einem Schnellfeuergewehr sowie einer Panzerfaust und zwangen sie zum Verlassen des Fahrzeugs. Die Beute aus dem Überfall betrug damals insgesamt 1.015.770,85 D-Mark - etwa eine halbe Million Euro. In einem zurückgelassenen Tatfahrzeug fanden sich später Masken, auf denen die DNA-Spuren von Klette und Staub entdeckt wurden.

Offenbar nicht terroristisch motiviert

Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe erklärte, sie sehe "keinen terroristischen Bezug" der Überfälle. Die Ermittler in Verden und auch RAF-Experten gehen vielmehr davon aus, dass die Terroristen mit der Beute ihr Leben im Untergrund finanzieren wollten. Nach Einschätzung des Dresdner Rechtsanwalts Butz Peters, der mehrere Bücher über die RAF verfasst hat, ist das Geld vom Duisburger Überfall wohl mittlerweile aufgebraucht. "Wer viele Jahre im Untergrund gelebt hat, der kann halt in keine Rentenversicherung einzahlen oder sich Ähnliches aufbauen", sagte Peters der Deutschen Presse-Agentur. Klette, Staub und Garweg hätten sich mit den neuerlichen Überfällen ihre Altersvorsorge sichern wollen. Die Taten bildeten nicht den Auftakt einer neuen politischen Gewaltwelle. "Also, dass jetzt eine vierte Generation losmarschieren will, glaube ich nicht."

Schüsse auf Botschaft in Bad Godesberg

Die Bundesanwaltschaft wirft den zwei Männern und der Frau vor, spätestens nach der Auflösung der RAF im April 1998 eine terroristische Vereinigung gegründet zu haben. Die mittlerweile 57 Jahre alte Klette soll zudem im Februar 1991 mit weiteren Mitgliedern der damaligen RAF einen Schusswaffenanschlag auf die US-amerikanische Botschaft in Bad Godesberg verübt haben. Damals wurden laut Bundesanwaltschaft von der gegenüberliegenden Rheinseite mindestens 250 Schüsse aus einer automatischen Langwaffe auf das Botschaftsgebäude abgefeuert. Insgesamt 65 Projektile trafen die Botschaft. In dem betroffenen Gebäudeteil befanden sich damals mindestens zehn Personen. Alle drei in Stuhr Beteiligten sollen 1993 auch in den Sprengstoffanschlag auf die Justizvollzugsanstalt in Weiterstadt in Hessen verwickelt gewesen sein.

Die RAF hatte sich 1998 für aufgelöst erklärt. Ihrem "bewaffneten Kampf" gegen das "imperialistische System" fielen Dutzende zum Opfer, darunter hohe Repräsentanten von Wirtschaft und Politik. Einige Ex-RAF-Mitglieder sind bis heute verschwunden und stehen auf der Fahndungsliste des Bundeskriminalamts.

Stand: 19.01.2016, 16:54

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