Tod durch rätselhafte Messerattacke - Prozessauftakt in Aachen

Justizzentrum, Prozess, Landgericht Aachen

Tod durch rätselhafte Messerattacke - Prozessauftakt in Aachen

Von Helga Lennartz-Schwarzkopp

Ein möglicher Fall von Selbstjustiz wird ab heute (09.02.2016) vor dem Aachener Schwurgericht verhandelt. Angeklagt sind fünf Personen, darunter ein Ehepaar aus Eschweiler. Ihnen und einem weiteren Angeklagten wird Mord vorgeworfen. Sie sollen ihrem Opfer über Facebook eine Falle gestellt haben.

Bislang schweigen die Angeklagten vor Gericht zu den schweren Vorwürfen. Das Trio soll im vergangenen August einen 29-jährigen Mann in Eschweiler in einen Hinterhalt gelockt, gefoltert und erstochen haben. Es soll sich um einen Fall von Selbstjustiz handeln, begangen an einem unschuldigen, lernbehinderten Mann. Die genauen Hintergründe des Verbrechens sind allerdings bislang nicht bekannt und werden vermutlich erst im Prozess offenbart. Derzeit erscheint vieles an dem Fall noch verwirrend und dubios.

Motiv ist noch unklar

Facebook App Symbol

Die Vorgeschichte der Tat aus Sicht der Staatsanwaltschaft: Das 29-jährige spätere Opfer chattete über Facebook mit einer vermeintlich 22 Jahre alten Frau. Er ahnte wohl nicht, dass hinter dem Profil der Chat-Partnerin tatsächlich ein 12-jähriges Mädchen steckte, die Tochter der jetzt angeklagten Eheleute. Die Eltern selbst sollen ihr Kind im Internet zehn Jahre älter gemacht haben. Warum, das ist nicht nachvollziehbar. Angeblich wollten sie, dass die minderjährige Tochter sich im Netz freier bewegen kann. Nach einiger Zeit glaubten die Eltern des Mädchens offenbar irrtümlich, dass der 29-jährige Mann das wahre Alter des Kindes kannte und sogar intime Fotos des Mädchens auf seinem Handy hatte. Wie das Ehepaar zu diesem schweren Vorwurf kam, ist ebenfalls noch unklar.

Opfer raffiniert in Falle gelockt

Laut Anklage wollten die Eltern den Mann dann bestrafen. Deshalb soll zunächst die 31 Jahre alte Mutter des Mädchens über das Internet Kontakt zu ihm aufgenommen und ein sexuelles Interesse vorgespielt haben. Dieser Kontakt verlief aber offenbar im Sande. Daraufhin soll sich eine jetzt mitangeklagte Freundin der Familie als Lockvogel bei dem 29-Jährigen gemeldet haben. Ein nächtliches Treffen wurde vereinbart - auf einem einsamen Spazierweg bei Eschweiler in der Nähe des Flüsschens Inde.

29-Jähriger starb durch sieben Messerstiche

Als der 29-Jährige dort erschien, fiel er laut Anklage seinen Mördern in die Hände. Gemeinsam mit einem weiteren Komplizen sollen die Eltern des Mädchens den Mann mit einem Schlagring niedergeschlagen, sein Handy geraubt und ihn dann mit Messerstichen getötet haben. Am nächsten Morgen wurde seine Leiche von einem Spaziergänger entdeckt.

15 Verhandlungstage im Prozess

Das Ehepaar und ihr Bekannter wurden zwei Tage später festgenommen. Alle sitzen seitdem in Untersuchungshaft. Ebenfalls angeklagt im Prozess sind die Frau, die damals vermutlich als Lockvogel diente, sowie ein 42 Jahre alter Mann. Er soll damals auf die Kinder des Ehepaars aufgepasst haben, während diese den Mord begingen. Beide stehen wegen Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung vor Gericht und sind auf freiem Fuß. Der Prozess gegen die mutmaßlichen Täter und Helfer ist auf 15 Verhandlungstage terminiert. Mutter und Schwester des getöteten jungen Mannes werden dabei als Nebenkläger auftreten. Mit einem Urteil ist voraussichtlich erst Mitte Mai zu rechnen.

Stand: 09.02.2016, 08:09

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