Erster Abschnitt vom Radschnellweg Ruhr ist fertig

Ein Radfahrer befährt das erste Teilstück der sogenannten Fahrradautobahn in Mülheim an der Ruhr

Eine Autobahn für Fahrradfahrer

Erster Abschnitt vom Radschnellweg Ruhr ist fertig

Von Stephanie Grimme

Er ist das Prestigeprojekt des Ruhrgebiets und bundesweit einzigartig: Der Radschnellweg RS 1. Er soll von Duisburg bis Hamm quer durch das Ruhrgebiet führen. Am Freitag (27.11.2015) wird ein erstes Teilstück von Mülheim nach Essen eröffnet.

Der Radschnellweg ist so breit, wie eine kleine Straße. Frisch geteert und wunderbar glatt. Kein einziger Wurzel-Huckel, kein störendes Schlagloch. Das Beste an dem Weg ist aber: Er ist flach, ohne nennenswerte Steigungen, hat keine Kreuzungen und es fahren keine Autos. Für Fußgänger gibt es neben dem Radweg sogar einen separaten Fußweg. Niemand stört. Auf dem RS 1 kann man einfach so durchrauschen.

Ausgebremst für die Sicherheit

Ein bisschen ausgebremst wird man hier oder da allerdings schon. Und zwar an den Auf- bzw. Abfahrten zu dem Radschnellweg, wo der Weg nicht geteert wurde. Dort ist eine Art Pfastersteine verlegt worden, die dann doch ein bisschen holperig sind. Aber das ist Absicht und vom Regionalverband Ruhr erprobt und gewollt, betont Martin Tönnes, der beim RVR sozusagen der Vater des Radschnellwegs ist. "Die Pflasterung haben wir bewusst für die Einfahrten gewählt. Denn hier soll ein bisschen langsamer und achtsamer gefahren werden, damit alle Verkehrsteilnehmer wissen: Da kommt was von rechts, da kommt was von links."

Strecke machen ohne Schweiß

Abfahrt Essen: Nach etwa 30 Minuten Fahrzeit ist das zehn Kilometer entfernte Ziel, der Mülheimer Hauptbahnhof, erreicht. Es ist durchaus vorstellbar, auch ohne ins Schwitzen zu kommen 20, 30 oder sogar 40 Kilometer auf einem solchen Radschnellweg zu fahren. Mit einem E-Bike ist vermutlich auch noch mehr drin. Dafür ist der RS 1 auch gedacht. Er soll Pendler vom Auto aufs Rad holen. "Wir wollen erreichen, dass viele Menschen auf dem Weg zur Arbeit diesen Radschnellweg Ruhr benutzen", erklärt Radschnellweg-Initiator Tönnes. "Es geht nicht darum, dass jemand regelmäßig die gesamten 100 Kilometer von Duisburg bis Hamm fährt. Uns geht es um die Menschen, die beispielsweise in Essen wohnen und in Mülheim arbeiten und genau diese Strecke täglich benutzen."

Das Ruhrgebiet als Vorreiter

50.000 Autos weniger pro Tag sollen durch den Radschnellweg im Ruhrgebiet unterwegs sein, wenn der RS 1 fertig ist. Das soll im Jahr 2020 der Fall sein. Ein sehr ehrgeiziges Ziel. Denn es gibt durchaus noch ein paar nennenswerte Hindernisse zu überwinden. Bislang ist nämlich überhaupt nicht klar, wer die rund 180 Millionen Euro bezahlen wird, die für den Ausbau nötig sind. Das soll bis zum Frühjahr geklärt werden. Der RVR setzt aber darauf, dass im Wesentlichen das Land und der Bund die Kosten übernehmen. Denn der Radweg ist von großem Interesse. "Viele europäischen Großstädte schauen auf das Ruhrgebiet, um den RS 1 als Vorbild zu nehmen", sagt Martin Tönnes. Darunter London, Paris, Frankfurt oder Hamburg.

Zehn Städte, vier Universitäten

Radfahrer auf RS 1

Erste Radfahrer auf dem RS 1 freuen sich "Strecke zu machen"

Radfahren ist im Trend. Und im Ruhrgebiet scheint es einen Bedarf für den RS 1 zu geben. 1,8 Millionen Einwohner leben einer Machbarkeitsstudie zufolge im nahen Einzugsbereich, also zwei Kilometer links und rechts neben der Trasse. Davon sind 150.000 Studierende, für die der Radschnellweg besonders interessant sein dürfte. Insgesamt sollen zehn Stadtzentren und vier Universitäten miteinandner verbunden werden. Und es gibt schon erste Fans: Obwohl der erste zehn Kilometer lange Abschnitt erst am Freitag (27.11.2015) offiziell eröffnet wird, gibt es schon Nutzer und die sind hellauf davon begeistert auf dem RS 1 einfach so durchrauschen zu können.

Stand: 27.11.2015, 00:00