Warum die Vier-Tage-Woche allen nützen könnte

Vier Stühle stehen um einen Tisch

Mehr Freizeit, weniger Arbeit

Warum die Vier-Tage-Woche allen nützen könnte

Laut des Deutschen Gewerkschaftsbunds arbeitet jeder dritte Vollzeitbeschäftigte 45 Stunden oder mehr pro Woche. Es gibt aber auch Firmen, die bewusst die Arbeitszeit verkürzen – zum Wohle der Mitarbeiter und des Unternehmens.

Weniger Arbeit, mehr Freizeit. Davon haben Arbeiter schon vor 150 Jahren geträumt. Mitte des 19. Jahrhunderts sagte Friedrich Engels: "Im Gegenteil können wir annehmen, dass die jetzt übliche Arbeitszeit des einzelnen auf die Hälfte reduziert werden wird." Und 1930 ging der Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes sogar noch weiter: "In 100 Jahren werden Drei-Stunden-Schichten oder eine 15-Stunden-Woche völlig ausreichend sein." Tatsächlich hat sich die Arbeitszeit in den vergangenen 150 Jahren in etwa halbiert. Erst kam der Acht-Stunden Tag, dann die Fünf-Tage-Woche.

Seit den 1980er aber stagniere die Bewegung Richtung Arbeitszeitverkürzung, sagt Werner Eichhorst vom Institut zur Zukunft der Arbeit. "Da gab es nochmal Diskussionen über die Einführung der 35-Stunden-Woche, aber das hat sich schon nicht mehr durchsetzen können." Auch die Vier-Tage-Woche ist bei vielen Unternehmen kein Thema. Arbeitszeitverkürzungen seien von Arbeitgeberseite fast immer abgelehnt worden. Ein Trend der sich wohl sobald nicht umkehrt, glaubt Eichhorst.

Mehr Freizeit fördert die Motivation

In der Design-Agentur IXDS in München geht man einen anderen Weg und hat die Vier-Tage-Woche eingeführt. Freitags erscheint dort niemand im Büro. Denn alle Mitarbeiter haben einen 32-Stunden-Vertrag und arbeiten nur von Montag bis Donnerstag. Freitags haben sie frei. Gerade weil gute Mitarbeiter knapp seien, müsse man Ihnen etwas bieten, um sie zu halten, sagt Alexandra Pretschner, die den Münchner Standort von IXDS leitet. Das muss nicht einmal ein Nachteil für das Unternehmen sein. Pretschner geht davon aus, "dass dieser zusätzliche Tag, also der fünfte Tag unseren Mitarbeitern so viel Freiraum gibt, dass es letztlich auch wieder auf die Motivation und auf die Arbeitsqualität der Arbeitsergebnisse einzahlt." Ihren freien Tag verbringen die Mitarbeiter mit der Familie oder gehen zum Sport – einige geben aber auch Seminare oder arbeiten an eigenen Projekten. Vorgaben gibt es keine. "Wir profitieren ja im Prinzip von allem, was von außen wieder an Wissen und an Erfahrung in die Organisation hereingetragen wird", sagt Pretschner.

Weniger Arbeit muss man sich leisten können

Allerdings muss man sich weniger Arbeit auch leisten können. Denn 80 Prozent arbeiten, heißt auch nur 80 Prozent verdienen. Das geht für viele nur durch Verzicht: Kleinere Wohnung, Fahrrad statt Auto, kochen statt essen gehen. In vielen Unternehmen sei ein solches Modell aber nicht akzeptiert, sagt Eichhorst. Die Teilzeit-Designer aus München sind jedoch schon einen Schritt weiter. Für sie ist die Vier-Tage-Woche nur ein Zwischenschritt. "Eigentlich geht es uns nicht weit genug", sagt Pretschner. "Idealerweise würden wir dem Mitarbeiter es komplett frei stellen, wie viel er arbeiten möchte und wie viel Urlaub er möchte." Wie sich das allerdings in der Praxis umsetzen ließe, das weiß man auch bei IXDS noch nicht.

Autor des Hörfunkbeitrags ist Johannes Zuber.

Stand: 12.02.2016, 14:30