Meister statt Master

Ein Kölner Student in einem Hörsaal

Service Bildung - Chancen für Studienabbrecher

Meister statt Master

Von Julia Fiedler

Studienabbrecher sind für Unternehmen interessant – vor allem in Branchen, in denen Fachkräfte fehlen. Verschiedene Ausbildungsprojekte sollen Betrieben in Handwerk und Industrie helfen, Abbrecher für eine Ausbildung zu gewinnen.

Ein paar Semester studiert, aber irgendwie ist die Uni doch nicht das Richtige. Diese Erkenntnis ist gar nicht mal so selten: Ein Drittel aller Bachelor-Studierenden an Deutschlands Universitäten schmeißt irgendwann hin. Das sind 60.000 bis 70.000 Studienabbrecher pro Jahr. An den Fachhochschulen sind es etwas weniger. Die Gründe für den Abbruch sind vielfältig: Das Studium ist zu theoretisch, es mangelt an Motivation, in den offenen Strukturen der Universität fällt das eigenverantwortliche Lernen schwer.

Unternehmen suchen Fachkräfte

Während zahlreiche Studienabbrecher nach einer Perspektive suchen, mangelt es Unternehmen in Industrie und Handwerk an qualifiziertem Nachwuchs. Jedes Jahr bleiben zahlreiche Lehrstellen unbesetzt. Der Gedanke, beide Seiten zusammenzubringen, liegt nah. Bisher wagt jedoch nur ein kleiner Teil der Studienabbrecher den Schritt in die Ausbildung. Dem sollen verschiedene Programme Abhilfe verschaffen, die Studienabbrecher an Ausbildungsbetriebe vermitteln.

Verkürzte Ausbildungszeiten

"Führungskraft ohne Studium" oder "Alle Möglichkeiten trotz Studienabbruch" -  so werben Programme wie Switch, Reset oder Reboot um Studienabbrecher. Die duale Berufsausbildung, die teils in der Berufsschule, teils im Betrieb absolviert wird, bietet für Studienabbrecher Vorteile: Sie können sich Leistungen aus dem Studium anerkennen lassen und eine Ausbildung, die regulär drei Jahre dauert, im Schnelldurchlauf abschließen. Schon nach anderthalb bis zwei Jahren winkt der Abschluss. Verkürzen kann aber nicht nur, wer bereits fleißig Scheine gesammelt hat. Das Abitur kann laut Bundesausbildungsgesetz bereits ausreichen, um die Ausbildungszeit zu verkürzen.

Lebenserfahrung und Fachkenntnisse aus der Uni

Für die Unternehmen in Industrie und Handwerk sind Bewerber, die schon ein paar Semester an der Uni verbracht haben, aus mehreren Gründen interessant. Die Studienaussteiger haben das Lernen geübt, verfügen über mehr Lebenserfahrung, eine gute Allgemeinbildung und oft auch über Fremdsprachenkenntnisse. Hinzu kommt, dass sich Studienabbrecher mit ihrer Entscheidung für eine Ausbildung intensiv auseinandersetzen und sie daher auch zielstrebiger verfolgen. Der zweite Anlauf soll gelingen.

Ausbildung statt Hörsaal

In Nordrhein-Westfalen kooperiert das Programm "Switch" in Aachen mit der Industrie- und Handelskammer, um Studienabbrecher an Ausbildungsbetriebe zu vermitteln. Voraussetzung sind Vorkenntnisse aus einem wirtschaftswissenschaftlichen Studium, Vorkenntnisse aus einem MINT-Studium oder im Bereich Hardware- und Softwaresysteme.

Die Handwerkskammer Aachen sucht über das Programm "Reset" Auszubildende für handwerkliche Berufe. Hier müssen die bisher im Studium erworbenen Qualifikationen nicht unbedingt mit dem angestrebten Ausbildungsberuf übereinstimmen. Die Programme leiten Bewerber untereinander weiter, wenn sie im jeweils anderen Berufsfeld besser aufgehoben sind.

Passgenaue Vermittlung

Das Programm "Reboot" der IHK Düsseldorf vermittelt Studienabbrecher aus MINT-Fächern in eine Ausbildung im IT-Bereich. "Und Morgen Meister" in Münster ermöglicht Studienabbrechern den Meisterabschluss im Handwerk nach zweieinhalb bis drei Jahren. Auch die Industrie- und Handelskammern anderer großer Städte in Nordrhein Westfalen bieten eine passgenaue Vermittlung von Studienabbrechern an Ausbildungsbetriebe an.

Redaktion:
Maike Westphal

Stand: 01.12.2014, 16:05

Mehr zum Thema