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Premieren in Köln, Gelsenkirchen und Moers

Szene aus "Geschichten aus dem Wiener Wald" mit Melanie Kfretschmann und Jörg Ratjen

Service Bühne

Premieren in Köln, Gelsenkirchen und Moers

Klassisches Drama oder moderner Tanz, Musical oder Oper - in vielen Städten unseres Landes gibt es Bühnenkunst zu erleben. Scala berichtet jeden Montag von den aktuellen Premieren.

Premiere in Köln: "Geschichten aus dem Wiener Wald" von Ödön von Horváth

Premiere: 31.10.2015

Eigentlich sollte Marianne einen brutalen Metzger heiraten. Aber sie folgt ihrem Herzen, und das gehört dem nicht sonderlich seriösen Alfred. Die Liebe führt zum Untergang, Gefühle zählen nichts in einer kalten Welt. Das ist ein zentrales Thema Ödön von Horváths, auch in den "Geschichten aus dem Wiener Wald". Eigentlich wollte Kölns Intendant Stefan Bachmann mit dem großen Ensemblestück das frisch renovierte Haus eröffnen, Nun zeigt er es in der reaktivierten Ausweichspielstätte, dem Depot in Köln-Mülheim.

Fazit: Eine packende Parabel auf Angst, Gewalt und Selbstsucht in Krisenzeiten auf fast leerer Bühne, ohne Requisiten. Stefan Bachmanns bisher beste Inszenierung in Köln erinnert an die Außenseiterballaden Tim Burtons.

Autor: Stefan Keim

Ayako Kikuchi (Mutter), Junior Demitre (Vater)

Ayako Kikuchi (Mutter), Junior Demitre (Vater)

Premiere in Gelsenkirchen: "Alice in Wonderland" von Luiz Fernando Bongiovanni

Premiere: 31.10.2015

Immer wieder Alice. Immer wieder aufs Neue erzählen Theater- und Tanzschöpfer die Geschichte des Mädchens Alice, das einem sprechenden Kaninchen begegnet, es verfolgt, durch ein Erdloch saust und in einem Wunderreich landet, das voll bizarrer Geschöpfe ist: Grinsekatzen, verrückte Hutmacher, blutrünstige Herzköniginnen. Robert Wilson oder Peter Zadek haben legendäre Theaterversionen hingezaubert und die psychologischen und philosophischen Tiefenschichten der phantastischen Erzählung des britischen Schriftstellers Lewis Carroll ausgelotet. Im Musiktheater im Revier hat jetzt der junge brasilianische Choreograf Luiz Fernando Bongiovanni mit dem Ballettensemble von Bridget Breiner eine Tanzversion der seit 150 Jahren die Künstler inspirierenden Geschichte erarbeitet. Als rebellische Coming-of-Age-Story mit Drogen, Identitätskrisen, Machtkämpfen.

Fazit: Choreograf Bongiovanni zeigt Alice' Reise in die Unterwelt als Trip in den Irrsinn einer überreizten Teenager-Psyche. Momente von echter Komik, echtem Schrecken gibt es zwar nicht. Dafür ein Wunderland als verrücktes Wimmelballett.


Autorin: Nicole Strecker

Matthias Heße, Frank Wickermann ( als Geschwisterpaar) in einer Szene von  "Pornographie"

Matthias Heße, Frank Wickermann ( als Geschwisterpaar) in einer Szene von "Pornographie"

Premiere in Moers: "Pornographie" von Simon Stephens

Premiere: 30.10.2015

Der Begriff Pornographie ist weit gefasst. Es geht nicht um gefilmte Sexualität, sondern um Großstadtmenschen, die gegen kulturelle Regeln verstoßen. Eine junge Mutter betrügt ihre Firma, weil ihr Chef sie schlecht behandelt. Ein Schüler bedroht seine Lehrerin. Eine Studentin strippt für ihren Professor, damit sie einen Job erhält. Ein junger Mann fährt mit Sprengstoff im Rucksack in die Stadt. Der heute 44jährige englische Autor Simon Stephens schrieb das Stück vor dem Hintergrund des 6. Juli 2005. Damals rissen vier Selbstmordattentäter in der Londoner U-Bahn und in einem Bus über 50 Menschen mit sich in den Tod. Im Jahr 2008 kürten die deutschen Theaterkritiker "Pornographie" zum besten ausländischen Stück der Saison. Jetzt zeigt es das Schlosstheater Moers in der Inszenierung von Catherine Umbdenstock.

Fazit: Eine stark gespielte, scharf gestellte Warnung vor Moralverlust in der Unwirtlichkeit der Städte.

Autor: Martin Burkert

Redaktion: Sefa Suvak

Stand: 02.11.2015, 12:05