Kritik an Alkoholverbot in der City

Alkoholverbotsschild

Kritik an Alkoholverbot in der City

Seit genau zwei Wochen gilt in der Duisburger Einkaufsstraße das wohl flächendeckendste Alkoholverbot in NRW. Die Kritik an der Verordnung reißt nicht ab - auch im Kommentar von Benjamin Sartory.

Ein wankender Mann öffnet seine Hose und ereleichtert sich an einer Hauswand. Ein paar Meter weiter versucht eine lallende Frau, ihren aggressiv wirkenden Partner vor eine Schlägerei zu bewahren. Während sie ihn schließlich wegzieht, schiebt sich aus einer Seitenstraße ein Mannschaftswagen der Polizei auf die Kreuzung.

Herzlich willkommen – und zwar nicht in Duisburg, sondern auf der Bolkerstraße in der Düsseldorfer Altstadt. An Sommerwochenenden herrscht hier Ausnahmezustand. Die Polizei zählt so viele Straftaten, dass sie den Bereich schon seit Jahren mit Videokameras überwacht. Ohne Alkohol wäre es friedlicher – von einem Trinkverbot war auf der Partymeile aber bislang nicht die Rede.

Dafür gibt es jetzt eines in der Duisburger Einkaufsstraße. Und zwar mit dem juristischen Kniff einer Verordnung zur Zitat "Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung". Da brennt der Baum – könnte man denken. Duisburg mal wieder Sodom und Gomorrha.

Dass ich selbst unzählige Male durch die Duisburger Fußgängerzone gegangen bin, und mir irgendwie gar keine bedrohliche Lage aufgefallen ist. Geschenkt – mein subjektives Gefühl mag täuschen. Interessant ist aber, dass auch die Polizei nichts von einer Häufung von Straftaten weiß. Und das Duisburger Ordnungsamt kann auf Anfrage auch nicht sagen, wieviele Beschwerden es über die betrunkenen Menschen eigentlich wirklich gibt oder gegeben hat.

Die Stadt Duisburg weiß übrigens offenbar selbst, dass die Verordnung problematisch ist. Die Rechtmäßigkeit sei nicht unumstritten, heißt es nämlich in der Beschlussvorlage für den Rat. Insofern: Schön, dass jetzt jemand gegen diese Verordnung geklagt hat. Ich jedenfalls habe keine Lust mehr, mir weiterhin wegen einer diffusen Diskussion um mehr Sicherheit, meine Bürgerrechte aus der Tasche ziehen zu lassen. Wo ich meine Flasche Bier öffne, bleibt meine Sache. Und wenn jemand betrunken Randale macht, möge sich bitte die Polizei um ihn kümmern und mich in Ruhe lassen. Ich bin erwachsen und brauche keine staatliche Anleitung für mein Leben.

So erwachsen übrigens, dass die Stadt mir beim Flanieren zwischen Mode-Boutique und Pommesbude ruhig den Anblick von obdachlosen Trinkern zumuten darf. Ich kann das nicht nur aushalten, ich will es auch. Was ich dagegen nicht will ist, dass die armen Gestalten mit Hilfe eines Verbots einfach nur aus meinem Blickfeld verbannt werden. Stellt da dauerhaft einen Bus mit Sozialarbeitern hin, schmeißt ´ne Runde Currywurst und redet mit den Leuten. Ernsthaft! Da wären auch meine Steuern mal sinnvoll ausgegeben.

WDR 5 Westblick - aktuell | 30.05.2017 | 03:08 Min.

Seit genau zwei Wochen gilt in der Duisburger Einkaufsstraße das wohl flächendeckendste Alkoholverbot in NRW. Die Kritik an der Verordnung reißt nicht ab - auch im Kommentar von Benjamin Sartory. Von: Benjamin Sartory

Und auch wenn das SPD-geführte Duisburg jetzt noch Hilfsmaßnahmen für Alkoholiker hinterherschicken will. Es bleibt das schale Gefühl, dass man hier eine Stadt sauberer erscheinen lassen will, als sie es nun einmal ist. Hei - wir sind im Ruhrpott, das Leben ist hart und oft keine Party wie in der Düsseldorfer Altstadt – in der zahlungskräftige Touristen saufen und palavern dürfen. Während rund 15 arme Schlucker im benachbarten Duisburg ihren gewohnten Platz verlassen müssen.

Stand: 30.05.2017, 10:15