Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz

Bivsi umarmt ihren Bruder

Wir brauchen ein Einwanderungsgesetz

Von Moritz Börner

Riesen-Medienrummel um Bivsi Rana und ihre Familie: sie durfte zurückkommen, mit einem Schülervisum. Eine Ausnahmeregelung. Da läuft etwas schief, wenn es um Einwanderung in Deutschland geht, findet Moritz Börner in seinem Kommentar.

Was wäre eigentlich passiert, wenn Mitarbeiter der Duisburger Ausländerbehörde die 15-jährige Gymnasiastin Bivsi Rana nicht aus der Schule abgeholt hätten, vor den Augen der schockierten Mitschüler? Der Fall hätte wohl kaum so viel mediale Aufmerksamkeit erregt und eine so große Solidaritätswelle entfacht, wie es in den vergangenen Wochen der Fall war.

Gut möglich, dass das Schicksal der Familie Rana schnell vergessen worden wäre. So wie das unzähliger anderer Familien, viele davon aus Balkanländern, die schon seit Jahren, teilweise seit der Jahrtausendwende, in Deutschland gelebt haben. Woche für Woche werden am Flughafen in Düsseldorf Kinder und Jugendliche abgeschoben, für die Deutsch ihre Muttersprache ist, die hier zur Schule gegangen sind, die teilweise bereits einen Schulabschluss, einen Ausbildungsplatz haben. Dabei sind sie so wie Bivsi Rana eigentlich Teil unserer Gesellschaft. Trotzdem leben sie jetzt in Ländern, die sie meistenteils nie gesehen haben, wie zum Beispiel dem Kosovo. Nicht selten in bitterster Armut. Sie gehen dort oft nicht zur Schule, haben keinen Ausbildungs- oder Studienplatz und auch keine Krankenversicherung.

Transparent mit Aufschrift "Herzich Willkomen zurück Bivsi"

Bivisi wird willkommen geheißen

Die Abschiebungen sind aber nicht nur für die Familien ein Verlust, sondern auch für unser Land. In die Schulausbildung der jungen Abgeschobenen wird viel Geld investiert. Sie sind zumindest ein Teil der Zukunft unserer alternden Gesellschaft. Ihre Eltern haben Arbeit, sind in Nachbarschaft und Viertel integriert. Darum brauchen wir ein Einwanderungsgesetz! Es muss endlich klare Richtlinien und Kriterien geben, nach denen sich Zuwanderungswillige richten und abschätzen können, ob sie hier eine Chance haben.

Auch müssen die Behörden im Land, in den Städten die Möglichkeit haben, Menschen, die zwar formaljuristisch kein Recht auf politisches Asyl haben, trotzdem eine dauerhafte Aufenthalterlaubnis zu geben. Zum Beispiel, weil sie schon so lange in Deutschland leben, dass sie durch die Abschiebung entwurzelt werden. Oder weil sie gut integriert und damit ein Teil unserer Gesellschaft sind oder einfach, weil der Arbeitsmarkt sie braucht.

Klar ist aber auch, dass Abschiebungen sich nicht vermeiden lassen werden, so hart das für die Betroffenen auch ist. Nicht alle, die möchten, können in Deutschland bleiben. Die Asylverfahren sollten darum in Zukunft den Menschen noch schneller als bisher Klarheit darüber geben, ob sie in Deutschland bleiben dürfen oder nicht. Und nicht 20 Jahre warten, wie im Fall der Familie Rana.

Bivsi ist zurück - ein Kommentar

WDR 5 Westblick - aktuell | 02.08.2017 | 02:14 Min.

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Stand: 02.08.2017, 14:21