Keine Transfergesellschaft: NRW hat richtig gehandelt

Flugzeuge der Gesellschaft Air Berlin

Keine Transfergesellschaft: NRW hat richtig gehandelt

Die angedachte Transfergesellschaft für tausende Mitarbeiter von Air Berlin ist gescheitert. Auch, weil sich das Land NRW nicht in größerem Maße finanziell beteiligen wollte. Trotzdem war das eine richtige Entscheidung, meint Stefan Lauscher in seinem Kommentar.

Wenn Menschen unverschuldet arbeitslos werden, ist das persönlich immer eine Katastrophe. Wenn es hunderte – oder wie bei Air Berlin - sogar tausende sind, die ihren Job verlieren, weil hochbezahlte Manager ihre Arbeit nicht ordentlich gemacht haben, ist es mehr: ein wirtschaftspolitisches Desaster.

Auch Transfergesellschaften sind in solchen Situationen kein Allheilmittel. Aber sie können helfen, Sie können die ärgsten Brüche abfedern, sie ermöglichen es den freigestellten Mitarbeitern, in Ruhe einen neuen Job zu finden oder sich für einen anderen zu qualifizieren. Es wäre gut gewesen, wenn es auch für die 4000 unversorgten Air Berliner ein solches Angebot gegeben hätte. Seit gestern Nachmittag wissen wir: Diese Chance wurde vertan.

Es gibt klare Regeln

Bild von Stefan Lauscher

Stefan Lauscher

Warum? Auch Transfergesellschaften haben ihre Regeln. Dazu gehört, dass sie sich im wesentlichen aus zwei Quellen finanzieren: Dem Kurzarbeitergeld aus der Kasse der Bundesagentur für Arbeit, und den Sozialleistungen für Krankenversicherung und Rente, diesen Teil müssen die Unternehmen aufbringen. Bund, Land oder beide können, müssen aber nicht, einen Zuschuss geben für (grob gesagt) die Verwaltung der Transfergesellschaft. NRW wäre dazu bereit gewesen. Aber auch nicht zu mehr. Weil Arbeitsminister Laumann, völlig zurecht wie ich finde, auf die Verantwortung der Unternehmen verweist.

Konkret: Auf die Verantwortung der gescheiterten Air Berlin, deren Management die Karre vor die Wand gefahren hat, ohne Wimpernzucken ihrem Vorstandschef auch für die nächsten vier Jahre noch (so lange läuft sein Vertrag) insgesamt 4,5 Millionen Euro zahlt, aber für tausende Beschäftigte möglichst gar nichts, maximal aber 10 Millionen Euro ausgeben wollte.

Und auf die Verantwortung der Lufthansa, die mit der Übernahme von Flugzeugen und Slots einen Riesen-Deal gemacht. Die am Tag der Absage an eine Transfergesellschaft einen neuen Gewinnrekord von wahrscheinlich über 2 Milliarden Euro für 2017 ankündigt. Aber zum Thema Transfergesellschaft schweigt.

Verantwortlich sind die Fluggesellschaften

Die Wahrheit über die gescheiterte Transfergesellschaft lautet: Air Berlin und auch die Lufthansa haben sich schlicht einen schlanken Fuß gemacht, wollten ihre soziale und finanzielle Verantwortung einfach mal so beim Staat abladen. Sollen die sich doch kümmern. Was geht uns das an?

Regierungen sind nicht dafür da, mit Steuergeldern den Ausputzer zu geben für Unternehmen, die sich aus der Verantwortung für ihre Mitarbeiter stehlen. Auch wenn es hart klingt: Die Entscheidung von NRW, als Land nicht mehr zu tun für eine Transfergesellschaft, war richtig. Dass sich Air Berlin und Kriegsgewinnler Lufthansa drücken, ist dagegen ein Armutszeugnis, es ist erbärmlich.

Kommentar: NRW hat richtig gehandelt

WDR 5 Westblick - aktuell | 26.10.2017 | 02:57 Min.

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Stand: 26.10.2017, 13:05