In die Geschichte hinabsteigen

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Mit 15 Jahren bekamen seine Hände die ersten Schwielen vom Ausgraben. Seither lässt die Archäologie Matthias Wemhoff nicht mehr los. Heute ist er Museumsdirektor im Berliner Neuen Museum. Dort lagern bedeutsame Schätze der Menschheitsgeschichte.

Neues Museum Berlin - Innenansicht

Hier residiert der Museumsdirektor Matthias Wemhoff, wenn er arbeitet: im Berliner Neuen Museum. Der Bau ist Teil der Museumsinsel der Haupstadt und zeigt Kunstschätze der vor- und frühgeschichtlichen Kulturen. Die Zeit reicht von der Altsteinzeit vor etwa 2,5 Millionen Jahren bis ins Hochmittelalter.

Hier residiert der Museumsdirektor Matthias Wemhoff, wenn er arbeitet: im Berliner Neuen Museum. Der Bau ist Teil der Museumsinsel der Haupstadt und zeigt Kunstschätze der vor- und frühgeschichtlichen Kulturen. Die Zeit reicht von der Altsteinzeit vor etwa 2,5 Millionen Jahren bis ins Hochmittelalter.

Im Tischgespräch mit Gisela Steinhauer erzählt Wemhoff, der zugleich Landesarchäologe des Bundeslandes Berlin ist, natürlich auch von einem der größten Schätze, den sein Museum beherbergt: der Schatz von Priamos. Der Archäologe Heinrich Schliemann entdeckte ihn 1873 während seiner Ausgrabungen in Troja.

Der größte Teil des Priamos-Schatzes befindet sich als Beutekunst im Puschkin-Museum in Moskau. In Berlin sind nur wenige Originalteile zu sehen. Überwiegend handelt es sich um Nachbildungen - wie die Goldgefäße auf diesem Bild.

Matthias Wehmhoff, das erzählt er im WDR 5 Tischgespräch, hat in seinem Arbeitszimmer im Neuen Museum ein Porträt von Heinrich Schliemann hängen. Im Angesicht des Forschers werde ihm immer wieder klar, dass man "fasziniert sein muss von der Geschichte und von dem, was man erforschen möchte. Daraus entsteht Wissenschaft."

Ein weiteres Highlight, das Wemhoff und das Neue Museum ihr eigen nennen: der sogenannte Berliner Goldhut. Das 3.000 Jahre alte Objekt aus Goldblech soll religiös-kultischen Zwecken gedient haben. Was sollten Touristen sich anschauen, wenn sie eine Stunde Zeit für das Neue Museum haben, fragt Gisela Steinhauer den Direktor im Tischgespräch. Der weiß das genau: "Troja, Nofrete und den Goldhut".

Matthias Wemhoff kommt aus Münster. Dort wurde er 1964 geboren. Schon als Student leitete er seine erste Ausgrabung - die des Damenstifts in Herford. Klöster haben es ihm angetan. Sie stünden für einen "komplexen Organismus, der vom Profanen bis ins Sakrale, vom Alltäglichen bis ins Heilige geht". In einem Kloster "kann man häufig mehr Beziehungsebenen fassen, als das in einem einfachen Profanbau der Fall ist".

Bei dieser Leidenschaft ist es nur folgerichtig, das Matthias Wemhoff im Laufe seiner Karriere auch Gründungsdirketor eines Klostermuseums war - dem des Klosters Dalheim, hier zu sehen auf dem Bild eines unbekannten Malers von 1737.

Von einem weiteren Meilenstein seiner Laufbahn erzählt der studierte Mittelalter-Archäologe im Tischgespräch ebenfalls. Als Leiter des Museums der Kaiserpfalz Paderborn stellte er 1999 eine Schau über die Karonlingerzeit auf die Beine. Ein wichtiger Bezugspunkt: der Empfang Papst Leos III. durch Karl den Großen in Paderborn im Jahr 799 - ein Jahr vor der Krönung Karls durch den Papst (hier im Bild). Dieser Empfang "ist ein superdramatisches Geschehen", erzählt Wemhoff begeistert. "Karl inszeniert sich da gewaltig. Das muss man herausarbeiten. Dieser Karl zeigt sich: Ich bin der eigentliche, wahre christliche König!""

Es sei für ihn eine faszinierende Erkenntniss, sagt Matthias Wemhoff, "dass es die Grundkonstante des Sakralen, des Religiösen in der Menscheitsgeschichte gibt." Während einer Reise in New Mexico durch den Chaco Canyon hat er das besonders gespürt, sagt er. Dort hat Wemhoff - der auch für seine ZDF-Dokus der Reihe "Terra X" bekannt ist - einen Film über indianische Kulturen gedreht. Er konnte Steinbauten und große Kultanlagen aus dem Jahr 1000 sehen - und "einen unglaublichen Antrieb, eine wahnsinnige bauliche Leistung."

Matthias Wemhoff bewegt sich als Berliner Landesarchäologe im Wortsinn auf vielen Baustellen. Dazu gehört natürlich die des Berliner Stadtschlosses, das derzeit neu gebaut wird. Die Grabungen im Vorfeld seien bis dato mit die größten in Berlin gewesen, berichtet er. Einen Teil davon, unter dem Schloss, kann man besichtigen: die Schlosskeller und den Keller eines 700 Jahre alten Dominikanerklosters, das im Zuge des Schloss-Neubaus freigelegt wurde. Dort kann man das tun, was auch Matthias Wemhoff liebt: "Hinabsteigen in die Geschichte".

Stand: 08.02.2017, 13:40 Uhr