"Wer lacht, findet zueinander"

"Wer lacht, findet zueinander"

Der Kabarettist und Autor Moritz Netenjakob zählt zu den festen Größen der deutschen Komikerszene. Der Kölner schrieb Gags und Drehbücher für Anke Engelke oder die Serie "Stromberg". Inzwischen tourt er längst mit eigenen Soloprogrammen durchs Land - oder er schreibt Bestseller.

Moritz Netenjakob

Moritz Netenjakob, 1970 in Köln geboren, scheint das Talent zum Komödiantischen in die Wiege gelegt bekommen zu haben. Schon als Kind und Jugendlicher, erzählt er im WDR 5 Tischgespräch mit Gisela Keuerleber, habe er großen Spaß daran gehabt, Stimmen zu imitieren. Mit Otto Waalkes fing er an. Später kamen Loriot, Dieter Hallervorden, Udo Lindenberg oder Willy Brandt dazu. Im Tischgespräch gibt Netenkajob Kostenproben seines Imitationstalents - sehr überzeugend!

Moritz Netenjakob, 1970 in Köln geboren, scheint das Talent zum Komödiantischen in die Wiege gelegt bekommen zu haben. Schon als Kind und Jugendlicher, erzählt er im WDR 5 Tischgespräch mit Gisela Keuerleber, habe er großen Spaß daran gehabt, Stimmen zu imitieren. Mit Otto Waalkes fing er an. Später kamen Loriot, Dieter Hallervorden, Udo Lindenberg oder Willy Brandt dazu. Im Tischgespräch gibt Netenkajob Kostenproben seines Imitationstalents - sehr überzeugend!

Seine Karriere startete Moritz Netenjakob als Autor und Gagschreiber für Fernsehshows. Angefangen bei "Hurra Deutschland" (WDR), später bei der SAT 1-"Wochenshow" oder Anke Engelkes "Ladykracher". Er schrieb auch Drehbücher für die Serien "Anke", ebenfalls mit Anke Engelke, und "Stromberg". Für letzere erhielt er einen Grimme-Preis.

Sein erstes Soloprogramm brachte Netenjakob 2006 auf die Bühne. Die Motivation dazu kam aus einem "Frust über die Fernsehbranche", erzählt er im Tischgespräch. Er habe den Eindruck gehabt, dass dort "jeder Text, den ich wirklich lustig fand, abgelehnt wurde". Aus Wut darüber habe er dann eine Lesung initiiert mit dem Titel "Zu gut fürs Fernsehen?", berichtet der schmunzelnd. Da hätten er und Kollegen auschließlich abgelehnte Texte vorgelesen.

Die Frauenrechtlerin und Autorin Alice Schwarzer spielte eine Rolle in Netenjakos Kindheit. Er sei in einem intellekuellen und antiautoritär geprägten Umfeld aufgewachsen, deren Teil sie gewesen ist. Die beiden sind nach wie vor befreundet. In ihm sei früher "eine innere Alice Schwarzer" hochgekommen, wenn er "Tendenzen zu zu viel Männlichkeit" verspürt habe, erzählt Netenjakob lachend. Sie habe ihn zum Beispiel kritisiert, weil er Fan des österreichischen Sängers Falco gewesen sei. Dessen Hit "Jeanny" fanden manche, nicht nur Schwarzer, frauenfeindlich.

Moritz Netenkjakob ist mit der Theaterwissenschaftlerin, Regisseurin und Schauspielerin Hülya Doğan-Netenjakob verheiratet. Sie hätten sich bei der "Stunksitzung" kennengelernt, erzählt Netenjakob im Tischgespräch. Seine Frau führt seit einigen Jahren Regie bei den Kabarettprogrammen ihres Mannes.

Einen großen Unterschied zwischen Deutschen und Türken sieht der Kabarettist im Umgang mit Emotionen. Die Deutschen zögen sich "still ins Kämmerlein zurück" - wenn überhaupt, "weint man im Stillen vor sich hin". Bei den Türken hingegen "geht alles nach außen". Bezogen auf die aktuelle politische Lage in der Türkei findet Netenjakob, dass sich die Fronten in Deutschland zu sehr verhärteten. Man frage nur noch, "ist der für oder gegen Erdogan". Humor sei in dieser Situation "ein wunderbares Mittel". Aus diesem Grund habe er das Programm "Zuckerfest für Diabetiker" geschrieben. Mit gemeinsamem Lachen, glaubt er, könne man über kulturelle Unterschiede hinweg wieder zueinander finden.

Vor einigen Jahren machte Netenjakob in Köln das "Café Macho" auf - in Anspielung auf sein Bestsellerbuch "Macho Man", 2015 verfilmt mit Christian Ulmen. Damit machte sich er sich einen lang gehegten Traum wahr - und scheiterte. Nach zehn Monaten habe er wieder geschlossen, erzählt er im Tischgespräch. Es seien schlicht zu wenige Besucher gekommen. Und er habe erkennen müssen, dass "ich sehr gut als Gast funktioniere, aber weniger als Gastronom". Als solcher müsse man nicht nur freundlich sein, sondern auch mal Grenzen setzen. "Und das ist überhapt nicht meine Spezialdisziplin", bekennt der Autor.

Doch Moritz Netenjakob ist Künstler genug, um von der schlechten Erfahrung profitieren zu können. In seinem neuen Buch "Milchschaumschläger" hat er die Geschichte der gescheiterten Cafégründung zu einem humoristischen Roman verarbeitet. Ende gut, alles gut - oder wie Netenjakob Woody Allen zitiert: "Humor ist Tragödie plus Zeit".

Stand: 19.04.2017, 12:44 Uhr