Arische Gotteskrieger, Yoganastik und Om für Alle - Yoga in Deutschland

Arische Gotteskrieger, Yoganastik und Om für Alle - Yoga in Deutschland

Im Nationalsozialismus wurde Yoga praktiziert, und die altindische Philosophie und Körperbeherrschungsarbeit galt als geheimes Wissen der Arier. Den Funktionären der DDR war Yoga suspekt und wurde lediglich als Gesundheitssport "Yoganistik" zugelassen. Heute praktizieren in Deutschland mehr als fünf Millionen Menschen Yoga.

Bellur Krishnamachar Sundararaja Iyengar (1918-2014), indischer Yoga-Lehrer und Gründer des Iyengar Yoga, in der Yoga-Asana Eka Pada Shirshasana

Yoga fußt auf einer jahrtausendealten Tradition. Seit den historischen Ursprüngen des Yoga in Indien hat sich das Verständnis und die Übungsformen des Yogas bis in die heutige Zeit verändert. Dabei ist Yoga nicht gefeit vor Indoktrination und ideologischem Missbrauch.

Yoga fußt auf einer jahrtausendealten Tradition. Seit den historischen Ursprüngen des Yoga in Indien hat sich das Verständnis und die Übungsformen des Yogas bis in die heutige Zeit verändert. Dabei ist Yoga nicht gefeit vor Indoktrination und ideologischem Missbrauch.

Mit der heutigen Yogapraxis haben die Anfänge des Yoga in Deutschland wenig zu tun. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stehen die Yoga-Philosophie und die Übersetzung alter hinduistischer Schriften im Vordergrund. Einen ersten Boom erlebt die Yoga-Praxis in der Weimarer Republik.

In Berlin-Schöneberg eröffnet der Exilrusse Boris Sacharow Ende der 1930er Jahre die erste "Yogaschule für indische Körperertüchtigung". Der Unterricht findet dort bis zur Ausbombung 1943 statt.

Die Nationalsozialisten fördern Breitensport und damit körperliche Ertüchtigung, Siegeswille, Disziplin und Unterordnung als wichtige Instrumente der nationalsozialistischen Herrschaft. Auch die neu geschaffene Erholungsorganisation "Kraft durch Freude" (KdF) bietet Gymnastikkurse an.  

Der Tübinger Indologe Jakob Wilhelm Hauer macht Yoga mit zahlreichen Vorlesungen und Veröffentlichungen kompatibel zur Ideologie des Nationalsozialismus. Seine Veröffentlichung zur Bhagavad Gita aus dem Jahr 1934 nennt er programmatisch "Eine indoarische Metaphysik des Kampfes und der Tat". Er lobt das Ideal des furcht- und emotionslosen arischen Kriegers.

Von 1939 bis 1945 behandelt der finnische Massage-Therapeut Felix Kersten den an Bauchkrämpfen leidenden Heinrich Himmler. Unter anderen er macht den Reichsführer-SS mit den Schriften des Hinduismus bekannt. In den vedischen Schriften findet Himmler Verse, die seine Grausamkeiten, seine Befehle zum Massenmord legitimieren.

Der politisierte Alltag der Menschen in der DDR betrifft natürlich auch die körperliche Betätigung. Der Breitensport wird staatlich gefördert. Mit Yoga allerdings können die Parteifunktionäre der SED wenig anfangen, vielmehr gilt es als religiöse Praxis und damit im Widerspruch zu der marxistischen Theorie des Sozialismus.

In den sozialistischen Bruderstaaten erfreut sich Yoga hingegen großer Beliebtheit. Der Ungar Laszlo Szabo demonstriert 1963 in seiner Heimat vor laufenden Fernsehkameras, yogische Verrenkungen.

Die DDR-Führung befürchtet offensichtlich schon in den Siebzigerjahren, dass sich Yoga im Untergrund weiterverbreiten könnte. Um dies zu verhindern, wird mit offizieller Unterstützung der Gesundheitssport "Yoganastik" propagiert.

Vor allem Frauen reagieren begeistert. Die Zeitschrift "Magazin" druckt Anleitungen für Streckübungen oder Kopfstände ab. In einem Beitrag unter dem Titel "Igel, Fisch und Käferrolle" lobt der Autor Axel Frank Yoganastik als "zielgerichtete Gymnastik im Zeitlupentempo", die Alterungsprozesse verzögern könne.

In den 80er Jahren verzeichnet sich eine Trend-Wende: Yoga-Techniken werden unter anderem als begleitende Maßnahme zu einer Therapie eingesetzt und in nahezu jeder größeren Stadt der DDR etablieren sich Kurse.

Heute ist Yoga ist verbreitet. Ob in Yoga-Schule, Fitness-Studio oder im Stadtpark. Yoga bietet einen ganzheitlichen Ansatz für Gesundheit und Wohlbefinden.

Yoga kann Stressreduzierung, Meditation in Bewegung oder einfach nur Fitness sein.

Und wer ab und zu auf dem Kopf steht, sieht die Welt aus einer anderen Perspektive.

2015 erklärt die Generalversammlung der Vereinten Nationen den 21. Juni zum Weltyogatag. Menschen rund um den Globus üben an diesem Tag öffentlich und gemeinsam Yoga.

Stand: 12.05.2017, 12:49 Uhr