Landwirtschaft und ihre Folgen

Ein Güllelager im Kreis Höxter.

Landwirtschaft und ihre Folgen

Von Tanja Busse

Ohne Wasser, Luft und Boden können wir nicht leben. Pflanzen und Tiere sind die Grundlage für unsere Nahrung. Ausgerechnet die moderne Landwirtschaft gefährdet diese natürlichen Ressourcen.

Im Bestreben, immer mehr Fleisch, Milch, Eier und Getreide zu immer günstigeren Preisen zu produzieren, hat die konventionelle Landwirtschaft ihre ureigenen Grundlagen aus den Augen verloren: An vielen Orten in Nordrhein-Westfalen ist das Grundwasser mit Nitrat belastet, der Boden verliert seine Fruchtbarkeit und erodiert, Ammoniakwolken aus riesigen Ställen verpesten die Luft und heizen das Klima an. In den Dörfern kommt es darüber immer wieder zum Streit. Aus einstigen Nachbarn sind in vielen Dörfern Gegner geworden: Weil eine Biogasanlage überläuft und den Bach vergiftet oder der Gestank der Gülle nervt. Grenzwerte aus den EU-Richtlinien werden in Deutschland immer wieder überschritten. Welche Spielräume haben Landwirte, die unter dem Druck eines unbarmherzigen Marktes Ressourcen schonen wollen?

Von der Trübung des Wassers (1/4) - 23. April 2017

Ein Kind taucht seine Hände in einen Bach.

Immer wieder gelangen Gärreste und Gülle in nordrheinwestfälische Gewässer wie in die Altenau. Nicht nur weil zum Beispiel Biogasanlagen auslaufen wie südlich von Paderborn in Henglarn oder weil Güllebehälter umstürzen, sondern auch im Normalbetrieb gefährdet die moderne intensive Tierhaltung unser Trinkwasser. Vierzig Prozent aller Grundwassermessstellen weisen regelmäßig zu hohe Nitratwerte auf. Einige Viehhalter haben damit begonnen ihre Gülle in andere Landesteile mit weniger belasteten Böden zu transportieren. Ist das die Lösung?

Landwirtschaft und ihre Folgen (1/4):Von der Trübung des Wassers

WDR 5 Tiefenblick | 23.04.2017 | 28:22 Min.

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Vom Sterben des Bodens (2/4) - 30. April 2017

Ein Landwirt fährt mit einem Traktor mit Pestizid- und Düngerspritze über ein Feld nahe Petersdorf (Brandenburg).

Guter Boden ist lebensnotwendig. In einer Handvoll gesunden Bodens leben mehr Mikroorganismen als Menschen auf der Erde. Wie Bodenforscher erst in den letzten Jahren herausgefunden haben, spielen sie für die Bodenfruchtbarkeit eine große Rolle. Böden jedoch, die lange Zeit intensiv gedüngt und mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden, sind quasi tot und können auch kein Wasser mehr aufnehmen. Starkregen spült Agrarchemikalien in Trinkwasserreservoirs wie den Halterner Stausee im Kreis Recklinghausen.

Vom Schwinden der Arten (3/4) - 7. Mai 2017

Ein Stück Grünland inmitten von Maisfeldern bei Marl (Nordrhein-Westfalen)

Wo sind die Rebhühner geblieben? Wann wurde zuletzt ein Turteltäubchen gesehen? Oder ein Feldhamster? Ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten in Deutschland sind vom Aussterben bedroht. Die Zahl der Insekten hat sich seit den 1980er Jahren um mehr als 80 Prozent reduziert, sagt das Umweltministerium von NRW. Es waren Bäuerinnen und Bauern, die vor Tausenden von Jahren unsere Kulturlandschaft mit ihrer großen Artenvielfalt schufen. Heute ist es ausgerechnet die Landwirtschaft, die diese Vielfalt bedroht.

Von der Schärfe der Luft (4/4) - 14. Mai 2017

Schweine stehen um Fütterungsschächte in einem Schweinemastbetrieb.

Ein einziger Maststall mit "nur" tausend Schweinen bläst Jahr für Jahr dreieinhalb Tonnen stickstoffhaltiges Ammoniak in die Luft. Eine Belastung für die Atemwege von Tier und Mensch. Eine Richtlinie der Europäischen Union hat klare Obergrenzen für die Tierhaltung erlassen - doch Deutschland verfehlte dieses Ziel. Filteranlagen könnten die Luft aus den Ställen reinigen, - aber eine verbindliche Filterpflicht für alle stinkenden Ställe hat sich als kompliziert erwiesen, technisch und rechtlich. Eine Pionierin aus Iggenhausen in der Gemeinde Lichtenau im Kreis Paderborn bastelt an einer Lösung.

Ausstrahlung vom 23. April bis zum 14. Mai 2017
Von Tanja Busse
Redaktion: Dorothea Runge
Produktion: WDR 2017

Stand: 13.04.2017, 16:39