Antisemitismus in Deutschland

Judenfeindliche Schmiererei auf Paketaufkleber

Antisemitismus in Deutschland

Antisemitismus ist ein Problem in Deutschland – auch 70 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg. Wie nehmen Sie die Judenfeindlichkeit im Alltag wahr? Diskutieren Sie mit im WDR 5 Tagesgespräch!

Jahrelang hat sich ein unabhängiger Expertenkreis mit Antisemitismus in Deutschland beschäftigt. Ihr Bericht macht deutlich: Die deutsche Gesellschaft tut sich schwer im Umgang mit dem Thema. Der Bundestag hat die Ergebnisse des Berichts zum Anlass genommen, über die Benennung eines Antisemitismus-Beauftragten zu debattieren.

Ein jüdischer Schüler verlässt in Berlin die Schule, weil er auf dem Schulhof wegen seiner Religion gemobbt wird. Bei Demos für Palästina wird gegen Juden gehetzt. Politiker rechtskonservativer Parteien kritisieren bezeichnen das Berliner Holocaust-Mahnmal als "Denkmal der Schande" - Juden in Deutschland fühlen sich wieder zunehmend bedroht. Vor allem durch die wachsende muslimische Bevölkerung – aber nicht nur. 2015 haben die deutschen Behörden fast 1400 antisemitische Straftaten erfasst. Kritiker befürchten allerdings, dass die Statistiken geschönt sind und die Dunkelziffer höher liegt.

Der Zentralrat der Juden fordert einen Antisemitismus-Beauftragten. Die unabhängige Expertenkommission beklagt in ihrem Antisemitismus-Bericht, dass ein Gesamtkonzept im Kampf gegen Judenfeindlichkeit fehlt. Josef Schuster, der Präsident des Zentralrats der Juden, kritisiert, dass sich die Politik zu wenig mit dem Thema beschäftigt. Gemeinsam mit dem Expertenkreis fordert er deshalb einen Antisemitismus-Beauftragten. Der soll Projekte auf Länder- und Bundesebene miteinander vernetzen. Außerdem müsste es dauerhafte Präventionsprogramme geben und antisemitische Straftaten schärfer geahndet werden. Der Bundestag hat bei seiner Debatte am Mittwoch (21.06.17) das Thema an die Ausschüsse weitergegeben. Das heißt, in dieser Wahlperiode gibt es dazu voraussichtlich keine Entscheidung mehr.

Wie nehmen Sie den Antisemitismus in Deutschland wahr? In welcher Weise haben Sie schon mal judenfeindliche Sprüche oder Haltungen selbst erlebt? Ist Antisemitismus nur ein Randproblem oder ist er wieder in der Mitte der Gesellschaft angekommen? Wie verhalten Sie sich, wenn Sie Sprüche hören, die Sie judenfeindlich finden? Ist ein Antisemitismus-Beauftragter vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte nicht längst überfällig?

Rufen Sie uns während der Sendung an (WDR 5 Hotline 0800 5678 555) oder schreiben Sie uns Ihren Kommentar in unser Gästebuch - von 11.00 bis 14.00 Uhr.

Studiogast: Patrick Siegele - Direktor des Anne Frank Zentrums und Koordinator des unabhängigen Expertenkreises Antisemitismus

Redaktion: Beate Wolff

Antisemitismus in Deutschland

WDR 5 Tagesgespräch | 22.06.2017 | 45:37 Min.

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Kommentare zum Thema

86 Kommentare

Neuester Kommentar von "MarcoM", 22.06.2017, 13:59 Uhr:

So, ich bin zurück, und nutze kurz die Gelegenheit, den Kommentar von "Helmut S.", heute, 13:49 Uhr, besonders hervorzuheben: Vollkommen richtig. daher begrüße ich es auch, dass ARTE kürzlich die Ausstrahlung dieser DUMMentation über Antisemitismus verweigerte: Einseitigkeit pur!

Kommentar von "Ignaz-Denket um!", 22.06.2017, 13:58 Uhr:

Lieber Herr Müller, das geistig spirituelle Volk in uns, sind für mich die vielen positiven Eigenschaften in uns, usw..

Kommentar von "Anja", 22.06.2017, 13:58 Uhr:

Ein Linker, der nicht weiß, daß er von „Juden“ im allgemeinen gar nicht sprechen kann, jeden kritischen Dialog aber als vermeintlichen „Antisemitismus“ niederzubrüllen versucht, ist ein intellektueller Stümper und selbst ein Verhetzer. Als Personal für eine Endzeit, die in mehreren jüdischen Traditionen teils herbeigesehnt und aktiv -geführt werden sollte und noch soll, sind ahnungslose Unbeseelte außerhalb der eigenen religiösen Gemeinschaft allerdings ein willkommenes Instrument zur Herbeiführung ebensolcher Endzeiten. Man nennt sie nützliche Idioten. Ein Deckdiskurs für derlei könnte leider auch marxistische Krisentheorie sein, von der weltliche Marxisten denken können, sie sei Teil einer revolutionären Dynamik in ihrem Sinne. Doch wer Endzeiten anstrebt, sollte wissen, mit wem er dabei paktiert und was die wirklichen Konsequenzen sein sollen/werden. (Dies sei hier für weiterführende Diskussionen einmal festgehalten. Sie wären die Voraussetzung für eine intellektuelle Kultur, di ...

Kommentar von "Werner Enke, jenseits von gut und böse", 22.06.2017, 13:54 Uhr:

Kann mal bitte jemand auf diese eingespielten reaktionären,widerlichen,geradezu teuflischen Gangster-Rapper-Videos in der Doku "Auserwählt und ausgegrenzt" hinweisen.Kein Wunder,das diese Rapper und ihre Freunde aus OK und Türsteherszene abends mit ihren immer teureren Boliden immer lauter über die Bullewards unsrer Metropolen röhren! Sakra!

Kommentar von "P und S", 22.06.2017, 13:53 Uhr:

An Antiquar : Wir sprechen hier nicht von Friesen oder Bayern ,es sind zugreiste kulturell fremde Menschen ,ausser den hier geboreren jüdischen Mitbürgern ,die geflohen nach dem 2 WK wieder nach Deutschland kamen und deren Kinder ! Ihr Vergleich hinkt ! Alle anderen sind Neuankömmlinge aus anderen Staaten .

Kommentar von "Antiquar", 22.06.2017, 13:53 Uhr:

@Kommentar von "Claus Plantiko", heute, 13:46 Uhr:+++ Guter Hinweis. Statt Antisemitismus sollte besser der Begriff des Antihebraismus gebraucht werden. Der Anteil der Juden unter den Semiten beträgt laut Wikipedia zwar ca. 90%, aber unter Semiten fallen auch einige Araber, Aramäer, Malteser u.a.

Kommentar von "Helmut S.", 22.06.2017, 13:49 Uhr:

@Anmerkung zum Kommentar von "lisbet, 54", heute, 13:12 Uhr: Ich wollte mit der Äußerungen israelische Jugendlicher: „ In Gaza fällt die Schule aus, die haben keine Kinder mehr“ aufzeigen, daß der Haß nicht nur bei palästinensischen Jugendlichen auf Israelis sondern auch bei israelischen Jugendlichen auf Palästinenser tief verwurzelt ist. Während der Sendung wurden nur die palästinensische Aggression auf Juden erwähnt und besonders vom Studiogast ausschließlich Juden als Opfer gesehen. So lange von beiden Seiten Haß bei den Jugendlichen geschürt wird, wird ein Verständnis für die Situation der anderen Seite unmöglich bleiben. Es gibt nicht nur Opfer auf der einen und Täter auf der anderen Seite.

Kommentar von "Müller", 22.06.2017, 13:47 Uhr:

@Kommentar von "Ignaz-Denket um!", heute, 12:27 Uhr: "Nur als Bild bildlich in uns gibt es das auserwählte Volk, es das geistig spirituelle Volk in uns, nur das ist mit dem auserwählten Volk gemeint." ---> Würden Sie mir das bitte übersetzen, z.B. ins Englische oder ins Deutsche.

Kommentar von "Claus Plantiko", 22.06.2017, 13:46 Uhr:

Eine Zunahme von Judenfeindschaft ist m.E. bei Deutschen nicht festzustellen, eher das Gegenteil; bei muslimischen Einwanderern dürfte sie gleichbleibend sein und auch tendentiell abnehmen, da in der BRD über Juden und Israel nur Gutes berichtet wird. Ein Antisemitismusbeauftragter sollte nicht eingerichtet werden, da der Begriff auch nichtjüdische Semiten umfaßt, also unklar ist. Auch könnten dann andere Minderheiten aus Gründen der Gleichberechtigung ebenfalls einen Beauftragten fordern, der ihnen feindliche Gesinnungen und Handlungen aufspürt.

Kommentar von "Facel", 22.06.2017, 13:43 Uhr:

>>Kommentar von "Weingeist", heute, 12:24 Uhr: @Kommentar von "Martin Weidner", heute, 11:53 Uhr: „ … Oder warum wird in Deutschland Wagner hofiert, ...“ >>>>> Die "Werke" des Herrn Wagner sind aus meiner Sicht entartet.<< ----- Ich dachte, die Zeiten „entarteter Kunst“ wären längst begraben. Kunst braucht nicht gefallen, noch nicht einmal dem Künstler selbst. Er braucht nur genügend Leute zu finden, denen sie etwas bedeutet, ansonsten versinkt er „im Fach Bedeutungslosigkeit“ der Geschichte. „Entartete Kunst“ ist ein verbrannter Begriff, unsinnig ist er allemal, da jeder Künstler es darauf anlegt (muß), sich von der Art seines Rivalen zu unterscheiden. Sagen Sie doch schlicht und einfach: Wagner gefällt mir nicht. Denn trotz eines eindrucksvollen Bayreuth-Besuchs habe ich es auch nicht zu einem Wagner-Fan gebracht.

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