Ärger über "Schrottimmobilien" im Ruhrgebiet groß

Das Podium beim WDR 5 Stadtgespräch zu Schrottimmobilien

Ärger über "Schrottimmobilien" im Ruhrgebiet groß

Von Ann-Kristin Pott

Der Ärger über die "Schrottimmobilien" im Ruhrgebiet ist groß. Das wurde beim WDR 5 Stadtgespräch im Gelsenkirchener Consol Theater deutlich. Beim Publikum herrschte reger Diskussionsbedarf.

Der Kontrast hätte bei diesem Stadtgespräch nicht größer sein können: "Schrottimmobilien" als Thema im prachtvollen Consol Theater. Am Donnerstagabend (12.10.2017) wurde hier über sogenannte Schrottimmobilien diskutiert. Gelsenkirchen sollte als Veranstaltungsort exemplarisch für die anderen Ruhrgebietsstädte stehen, die ebenfalls mit Schrottimmobilien und Leerstand zu kämpfen haben.

Warum gibt es "Schrottimmobilien"?

Beate Kowollik moderiert das Stadtgespräch im Consol Theater

Moderatorin Beate Kowollik im Consol Theater

Diese Frage beherrscht den Abend. Schließlich entwickelt sich ein Hausverfall über Jahre. Uwe Gerwin, Referatsleiter Zuwanderung der Stadt Gelsenkirchen, beschreibt Gelsenkirchen als eine "schrumpfende Stadt", viele Bewohner seien in größere Städte oder andere Stadtteile gezogen. Daraus hätten sich dann Leerstand und Problemviertel gebildet. Die Stadt habe aber kein Geld, um diese Häuser zu kaufen oder neuen Wohnraum zu schaffen.

Die Bewohner der betroffenen Häuser sind nun meistens Zuwanderer aus Bulgarien oder Rumänien. Für die heruntergekommenen Wohnungen zahlen sie nicht den für Gelsenkirchen üblichen Mietpreis von rund fünf Euro pro Quadratmeter, sondern oft das Doppelte. Die Vermieter machen damit ein großes Geschäft, Mieter und Nachbarn sind die Leidtragenden.

Müllberge und Schädlinge

Auch die Menschen aus der Nachbarschaft leiden unter den verwahrlosten Häusern, sodass sie sich in der Umgebung nicht mehr wohlfühlen. Das wird an diesem Abend auch im Publikum deutlich: "Man sieht heruntergekommene Häuser, der Müll türmt sich. Ein menschenwürdiges Leben ist dort nicht möglich", beschreibt eine Bürgerin.

Schrottimmobilie in Gelsenkirchen

Melahat Simsek, Autorin für das WDR Fernsehen und den Hörfunk betont, dass Schrottimmobilien nicht immer von außen erkennbar sind. Die Probleme seien oft erst in den Häusern sichtbar. Vermüllung und Schädlinge seien an der Tagesordnung. Simsek erzählt von Familien, die auf 60 Quadratmetern mit elf Personen ohne Heizung und ohne warmes Wasser leben. Auf dem regulären Wohnungsmarkt hätten sie keine Chance eine Wohnung zu finden.

Kulturen prallen aufeinander

Auch ein betroffener Vermieter meldet sich an diesem Abend zu Wort. Er hat eine bulgarische Familie aufgenommen. Am Ende waren es aber nicht nur Vater, Mutter und Kind, die in die Wohnung eingezogen sind, sondern zwei Familien.

"Haus und Garten sehen aus wie ein Schlachtfeld und andere Mieter haben bereits gedroht auszuziehen. Und ich bleibe dann auf den Kosten sitzen", bedauert er. Simsek führt dieses Problem auf die verschiedenen Kulturen zurück. Viele Zuwanderer hätten kein Bewusstsein für die Müllentsorgung, für sie gehöre der Müll auf die Straße. Hier seien Lotsen nötig, die zwischen Mietern und Vermietern vermitteln.

Vorbeugen statt Verwahrlosen

Im Stadtgespräch wird klar: Es muss viel schneller etwas gegen die mangelnde Instandhaltung der Häuser getan werden. Nicht erst, wenn es bereits zu spät ist. Viele Bürger und Bürgerinnen wünschen sich deswegen, dass die Stadt schneller eingreift.

Uwe Gerwin erklärt, dass es sich um private Häuser handelt und ein Eingreifen der Stadt deswegen nicht so einfach ist. Trotzdem könne er die Reaktion nachvollziehen, und er sehe sich als Vertreter der Stadt auch dafür verantwortlich.

Die Suche nach der Problemlösung

Publikum und Podium sind sich einig, dass Land und Bund sich mehr für die Städte einsetzen müssen. Damit diese reagieren können, um finanzierbaren Wohnraum zu schaffen. Dann könnten leer stehende Wohnungen von der Stadt gekauft und neuer Wohnraum geschaffen werden.

WDR 5 Stadtgespräch: Schrottimmobilien im Ruhrgebiet

Nach dem Stadtgespräch wird weiter diskutiert

Melahat Simsek schlägt vor, die Schrottimmobilien zu schließen. Außerdem müsse dubiosen Vermietern das Handwerk gelegt werden, damit Osteuropäer nicht ausgenutzt würden. Pfarrer Kay Grimm sieht als weiteres Problem vor allem die Armut. Diese müsse bekämpft werden, damit Zuwanderer Geld verdienen und sich dadurch besseren Wohnraum leisten könnten. Das Fazit des Stadtgesprächs: Es gibt noch einiges zu tun.

Stadtgespräch aus Gelsenkirchen: Schrottimmobilien im Ruhrgebiet

WDR 5 Funkhausgespräche | 12.10.2017 | 55:52 Min.

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Stand: 13.10.2017, 07:58