Moskaus gerettete Avantgarde-Bauten

Moskaus gerettete Avantgarde-Bauten

Von Uli Hufen

Es gilt als eines der schönsten Häuser des 20. Jahrhunderts: das Haus des russischen Stararchitekten Konstantin Melnikow in der Moskauer Altstadt. Es ist jetzt nach langem Streit mit den Erben für Besucher zugänglich. Auch andere Avantgarde-Häuser Moskaus haben den Bauboom der Stadt überlebt.

Rundes weißes Gebäude mit rotem Dach und wabenförmigen Fenstern

Das Wohn- und Atelierhaus des russischen Architekten Konstantin Melnikow in Moskau gehört zu den Wunderwerken der Architektur des 20. Jahrhunderts. 

Das Wohn- und Atelierhaus des russischen Architekten Konstantin Melnikow in Moskau gehört zu den Wunderwerken der Architektur des 20. Jahrhunderts. 

1927 bis 1929 im Herzen von Moskau erbaut, war das Melnikow-Haus bis vor kurzem unzugänglich: Hier lebte der Architekt selbst und nach ihm sein Sohn und seine Enkel. Inzwischen ist das Haus mit den markanten sechseckigen Fenstern ein Museum und kann besichtigt werden. 

Das Haus besteht aus zwei weißen, acht und elf Meter hohen Zylindern, die sich überlappen. Im Modell, das im Garten des Museums steht, ist das gut zu erkennen. Die Straßenfront, im Modell links, besteht beinah komplett aus Glas.

Von innen sieht das so aus: das 50 Quadratmeter große Wohnzimmer verfügt über ein großes Fenster, vier Meter breit, fünf Meter hoch.

Konstantin Melnikows kleines Aquarell von 1936 zeigt das Haus von vorn. Über dem Fenster die berühmte Inschrift: "Konstantin Melnikow. Architekt".

Das Schlafzimmer der Melnikows. Hier schlief die gesamte Familie. 

Neben dem Melnikow-Haus das vielleicht berühmteste Bauwerk der sowjetischen Avantgarde in Moskau: Das Wohnkommune-Haus des Finanzministeriums. Erbaut 1928 von Moisei Ginzburg. 

Das sogenannte "Narkomfin-Haus" ist seit Jahrzehnten in miserablen Zustand, soll nun aber rekonstruiert werden. Federführender Architekt: Alexej Ginzburg, der Enkel des Erbauers. 

Ebenfalls lange Zeit dem Verfall preisgegeben, nun aber gerettet: Konstantin Melnikows Bachmetow-Busdepot von 1927.

Hier befinden sich heute das Jüdische Museum Moskaus und ein Zentrum für Toleranz. 

Konstantin Melnikows Partner beim Entwurf des Bachmetow-Busdepots war der bahnbrechende Ingenieur Wladimir Schuchow. Schuchow hatte schon 1922 den nach ihm benannten Schuchow-Turm in Moskau erbaut. Der Turm ist 160 Meter hoch und war über Jahre ebenfalls vom Abriss bedroht. Die Gefahr scheint mittlerweile gebannt zu sein. 

Ein weiteres Monument der sowjetischen Avantgarde Architektur: Der Zujew-Arbeiterklub auf der Moskauer Lesnaja-Straße. Typisch der Mix aus runden und kubischen Formen und die weitflächigen Verglasungen. Architekt: Ilja Golosow, 1927-29.

Auf einem Bild vereint: die sowjetische Bau-Avantgarde und das, was auf sie folgte: Rechts die Hochschule für Design, erbaut in den 1930er Jahren. Links eines der sieben neo-klassizistischen Stalin-Hochhäuser, das Apartment-Haus am Kotelnitscheskij-Ufer. 

So oder so ähnlich sehen die Häuser aus, denen in Moskau seit Jahren Baudenkmäler aller Epochen zum Opfer fallen. Bauland ist teuer und mit Neubauten lässt sich viel Geld verdienen. Hier der nach mehr als 10jähriger Bauzeit fertig gestellte Multifunktionskomplex am Moskauer Gartenring. Ähnlichkeiten zu den Stalin-Hochhäusern sind rein zufällig… 

Stand: 07.07.2017, 13:30 Uhr