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Sebastian Sonntag

"Brutales" Bauen in NRW

"Brutales" Bauen in NRW

Kaum ein Baustil ist so umstritten wie der so genannte "Brutalismus". Roh, gigantisch, in nacktem Beton - auch in NRW stehen viele dieser Bauten aus den 60ern und 70ern. Die einen verteidigen und schützen sie, die anderen verachten sie als "Betonklötze".

Die Fassade der Kölner Uni-Bibliothek

Die Bezeichnung "Brutalismus" geht auf die Kunstbewegung der "art brut", aber auch auf das französische Wort für Sichtbeton, "beton brut", zurück. Entstanden ist der Brutalismus aus der Unzufriedenheit mit der baulichen Idylle und Uniformität der 1950er Jahre. Die neuen Bauten sollten ihre Materialien unverarbeitet zeigen, vor allem den offenen Beton. Im Bild die Kölner Universitätsbibliothek von 1966.
Autor des Scala-Radiobeitrags: Hans-Christoph Zimmermann

Die Bezeichnung "Brutalismus" geht auf die Kunstbewegung der "art brut", aber auch auf das französische Wort für Sichtbeton, "beton brut", zurück. Entstanden ist der Brutalismus aus der Unzufriedenheit mit der baulichen Idylle und Uniformität der 1950er Jahre. Die neuen Bauten sollten ihre Materialien unverarbeitet zeigen, vor allem den offenen Beton. Im Bild die Kölner Universitätsbibliothek von 1966.
Autor des Scala-Radiobeitrags: Hans-Christoph Zimmermann

Immer wieder sind aus der brutalistischen Bewegung heraus architektonische Juwelen enstanden - die dennoch irgendwann dem Abriss zum Opfer fielen. Wie der sogenannte "Tausendfüßler" in Düsseldorf. Die Autohochstraße im Zentrum ließ die Stadt 2013 abreißen.

Viele der Bauten stehen heute aber auch unter Denkmalschutz. Darunter einige Kirchen des Kölner Architekten Gottfried Böhm, der phasenweise stark auf Beton setzte. Ein Beispiel ist der Mariendom im Wallfahrtsort Neviges bei Velbert.

Gottfried Böhm entwarf auch das festungsartig wirkende Rathaus in Bensberg. In dieser Ansicht kontrastiert der Bau, entstanden zwischen 1962 und 1972, mit dem Schloss aus dem frühen 18. Jahrhundert.

Seite einiger Zeit bekommt die Forderung nach dem Erhalt brutalistischer Bauwerke insbesondere in NRW Auftrieb. Gruppen wie "Die Brutalisten", hinter der die "Initiative Brutalismus im Rheinland" aus Aachen steht, kümmern sich nicht zuletzt mithilfe von Webseiten und Social-Media-Aktivitäten um das architektonische Erbe und seiner Denkmalwürdigkeit.

Doch nicht allen gefällt dieser Architekturstil. Einige brutalistische Bauten wirken zumindest auf den ersten Blick abweisend, auf manche sogar hässlich. An vielen Bauwerken scheiden sich die Geister. Im Bild die Bibliothek der Ruhruniversität Bochum.

Auch die Kunsthalle in Düsseldorf zählt zum Erbe der brutalistischen Epoche. Im Volksmund der Stadt kursiert für den Bau von 1967 der Begriff "Kunstbunker". Ende der 60er Jahre forderten Professoren der Kunstakademie Düsseldorf ihren Abriss. Der Bau steht aber nach wie vor.

Gemeinsam ist vielen Gebäuden aus der Brutalismus-Epoche ihr mordernistischer, oft visiönar wirkender Gestus. Im Bild die St. Stephanus Kirche in Gelsenkirchen-Buer aus dem Jahr 1964.

Architektonsich unumstritten dürfte das Wilhelm Lehmbruck Museum in Duisburg sein. Aufgrund seiner großen Glasfassaden-Flächen wirkt es im Vergleich zu vielen anderen brutalistischen Bauwerken fast leicht und luftig.

Stand: 06.11.2017, 10:21 Uhr