NRW-Tipp: Dortmund - Die Nordstadt mal anders

Dortmunder U

NRW-Tipp: Dortmund - Die Nordstadt mal anders

Die Dortmunder Nordstadt hat derzeit einen schlechten Ruf. Aber wegen preiswerter Wohnungen ziehen inzwischen auch Künstler und Studenten in diesen Stadtteil, in dem es jetzt auch Führungen gibt.

1871 wird der Gründungsvertrag für Hoesch Stahl unterzeichnet, um ein großes Eisenwerk zu bauen. Sumpfland ist nicht teuer, das kann Hoesch günstig erstehen. "Westfalenhütte", so heißt das neue Stahlwerk, drumherum entsteht die Dortmunder Nordstadt. Zu Spitzenzeiten vor rund 100 Jahren lebten hier bis zu 25.000 Menschen, vor 15 Jahren wurde das Stahlwerk wieder abgerissen, erzählt Stadtführerin Anette Kritzler vor dem restaurierten Eingangs-Portal. Wer durch das Portal geht, steht in der früheren Eingangshalle zur Westfalenhütte, heute das Hoesch-Museum. Es zeigt die Stahlgeschichte Dortmunds seit 1840 und macht erlebbar, wie man vom Rohstoff zum Stahlprodukt kommt. Zu sehen ist z. B. ein Puddelofen, in dem Stahl gemacht wurde und viel schweres Werkzeug. Highlight ist das "3D-Stahlwerk". Hier kann man selbst Kranführer spielen, per Joystick. So richtige Stahlkocher-Atmosphäre kommt in dem kleinen, interaktiven 3D-Film natürlich nicht auf. Aber einen Eindruck vom harten Stahlkocher-Alltag bekommt man schon.

Das Hoesch-Museum in Dortmund

Dann geht es an der BVB-Kirche vorbei, in der vor Fußball-Spielen gebetet wird, an Eckkneipen und an Eckenstehern, die uns verwundert nachschauen. Die Nordstadt gilt ja "heißes Pflaster" - ist das nicht gefährlich? Kritzler verneint. "In 28 Jahren, die ich hier lebe, ist es noch nicht gefährlich gewesen."

Es lohnt sich auch, Dortmund von oben anzusehen, am besten vom Kreativzentrum "Dortmunder U". Ein Gebäude aus rotem Backstein. Das erste Hochhaus der Stadt. Auf der Spitze dreht sich der meterhohe gelbe Buchstabe "U" - für "Union-Brauerei".
Das renommierte Museum Ostwall für moderne Kunst ist hier untergebracht. Und der weltweit beachtete Hartware MedienKunstVerein. Aber wir wollen ja nur auf's Dach. Es geht ganz nach oben und durch einen schmalen, dunklen Gang und dann stehen wir 75 Meter hoch über Dortmund.

Autor: Thomas Wiethoff
Redaktion: Marion Grob

Stand: 29.10.2016, 10:05