Die Madrisa-Rundtour und die Schmuggler

Die Madrisa-Rundtour und die Schmuggler

Von Andreas Burman

Das österreichische Vorarlberg, nicht weit von der Schweizer Grenze und auch nicht weit vom Bodensee, bietet alles, was man zum Erholen braucht: wunderbare Skitouren und Wanderwege, aber auch Geschichten um Geschichten.

Skifahrer in den Bergen

Die Madrisa erinnert von Gargellen aus betrachtet an ein trapezförmiges Felsmassiv. Der lange, auf beinahe gleicher Höhe verlaufende gezackte Gipfelgrat steigt bis 2.770 Meter an. Die grenzüberschreitende Madrisa-Rundtour ist 1958 eröffnet worden in Erinnerung an jahrhundertealte Säumerwege und Schmuggelpfade zwischen dem österreichischen Montafon und dem Schweizer Prätigau.

Die Madrisa erinnert von Gargellen aus betrachtet an ein trapezförmiges Felsmassiv. Der lange, auf beinahe gleicher Höhe verlaufende gezackte Gipfelgrat steigt bis 2.770 Meter an. Die grenzüberschreitende Madrisa-Rundtour ist 1958 eröffnet worden in Erinnerung an jahrhundertealte Säumerwege und Schmuggelpfade zwischen dem österreichischen Montafon und dem Schweizer Prätigau.

Die Rundtour beginnt in einem "Täli" etwa 700 Meter oberhalb von Gargellen. Zuvor steigt man mit einer Gondel der Schafberg-Umlaufbahn und dem Sessellift der Kristallbahn auf. Im Hintergrund zu sehen ist die Heimspitze (2.685 m), der Hausberg des Dorfes.

Der Aufstieg zum St. Antönier Joch über etwa 200 Höhenmeter ist einfach und verlangt keine besondere Kondition. In früheren Jahrhunderten trugen Menschen auf dieser Route Waren, wobei ein Gewicht von bis zu 50 Kilogramm nicht ungewöhnlich war. Die Montafoner gingen hier im Sommer, wie auf etlichen anderen Joch-Routen des Rätikon-Gebirges, aber auch um sich auf der Schweizer Seite als Heuarbeiter Geld zu verdienen. Andere waren hier als Schmuggler unterwegs.

Die Grenze auf dem kleinen St. Antönier Joch (2.379 m) markiert nur noch eine Tafel. Der letzte Zollbeamte ging 2002 in Ruhestand. Von hier oben aus kann man mit den Tourenskiern, im Sommer mit Wanderschuhen, immer auf Berghöhe, Richtung Gafierjoch und Madrisa gehen. Bei der Madrisa-Rundtour beginnt an diesem Punkt die erste lange Abfahrt.

Vom Joch aus geht es in das rund 900 Meter tiefer gelegene St. Antönien. Nach besonders ergiebigen Schneefällen kann es auf beiden Talseiten zu Lawinen kommen. Sicherste Zone ist der breite Rücken in der Talmitte, doch ab Lawinenwarnstufe 4 kann auch er von Staublawinen der Nordseite überrollt werden.

Diese alte Maisäss-Hütte auf etwa 1.800 Meter steht auf einer Sommerweide, wohin die Bauern ihr Vieh im Mai (daher der Name der Hütte) bringen. Im Juni treiben sie das Jungvieh auf höhergelegene Flächen. Unten befindet sich ein Viehstall, darüber ein Heuspeicher. Typischerweise ist die Hütte in den Hang gebaut, damit Lawinen sie nicht wegreißen, sondern darüber hinwegrauschen können.

St. Antönien im Prättigau ist ein typisches Walserdorf mit etlichen alten Häusern. Blickfang ist die 500 Jahre alte Kirche. Das kleine Museum lässt einen Blick auf die Lebensverhältnisse vergangener Zeiten werfen. Der ruhige, kleine Ort eignet sich als Zwischenhalt, um in einer alten Bauernstube oder auf einer sonnenbeschienen Terrasse etwas zu trinken und zu essen.

Mit einem Taxi fährt man nach Klosters, direkt zur Bergbahn. Mit Umlaufgondel, Sessel- und Schlepplift geht es bequem wieder in die Höhe bis auf über 2.600 Meter an den Fuß des Madrisahorns (2.826 m), auch Schweizer Madrisa genannt. Von diesem siebthöchsten Berg des Rätikons aus beginnt die Abfahrt ins Schlappin Tal.

Über 500 Höhenmeter lässt sich insbesondere nach Neuschnee mit leichten Schwüngen ins Schlappintal abfahren. Das Panorama reicht vom Davoser Jakobshorn bis zur Silvrettagruppe mit dem höchsten Vorarlberger Gipfel, dem Piz Buin (3.312 m).

Das breite Schlappiner Joch ist mit 2002 Meter der niedrigste Gebirgspass im Rätikon. Früher trieben die Montafoner im Herbst bis zu 800 Stück Vieh hier herüber auf dem Weg nach Tirano im Veltlin. 1799 gelang es ihnen, eine französische Übermacht zurückzuschlagen. Natürlich ranken sich auch etliche Schmugglergeschichten um diesen Grenzübergang.

Zu guter Letzt warten noch einmal 800 Höhenmeter "Freerides" nach Gargellen. Die Hangausrichtung nach Norden sorgt dabei für sehr gute Schneeverhältnisse. Nur unten, im Vergaldatal, gibt es einen Ziehweg, der die Abfahrt für ein paar Minuten verlangsamt.

Stand: 08.03.2017, 12:00 Uhr