Mit dem Rad durch Böhmen und Mähren

Mit dem Rad durch Böhmen und Mähren

400 Kilometer auf dem Fahrrad von Wien nach Prag: eine Tour, bei der Geschichtsbegeisterte auf ihre Kosten kommen. Dazwischen liegen viel Natur und Kurioses.

Mit dem Rad durch Böhmen und Mähren

Die erste Etappe der Radtour führt uns kurz zum Stephansdom, dann hinaus aus Wien ins Weinviertel. Wien und Prag kennt man, wir wollen das Land dazwischen erkunden: Niederösterreich, Mähren und Böhmen. Etwa 50 Kilometer von Wien entfernt wird das Land hügelig. Wir kommen in die Weinberge. Und es weht ein heftiger Wind.

Die erste Etappe der Radtour führt uns kurz zum Stephansdom, dann hinaus aus Wien ins Weinviertel. Wien und Prag kennt man, wir wollen das Land dazwischen erkunden: Niederösterreich, Mähren und Böhmen. Etwa 50 Kilometer von Wien entfernt wird das Land hügelig. Wir kommen in die Weinberge. Und es weht ein heftiger Wind.

Das Weinviertel ist auch ein Filmland: Hier entstehen die überaus populären Krimis um den Gendarmerie-Beamten Simon Polt. Wichtiger Dreh- und Angelpunkt: das Kaufhaus Habesam in Wullersdorf. 

An der österreichisch-tschechischen Grenze erwarten gleich drei Casinos zahlungskräftige Kundschaft. Hüpfburgen, Schnellrestaurants, ein Flugzeug, Dinosaurier und Ritter: Excalibur City bietet alles, was wir nicht suchen.

Unser Weg führt jetzt durch den mährischen Frühling in Richtung Thaya-Nationalpark und Vranov. Am Wegesrand allüberall Marienfiguren und Kruzifixe. Die katholische Kirche hat das Land über Jahrhunderte geprägt. Nächster Stop: Die Brücke über die Thaya, Grenzfluss zwischen Österreich und Tschechien. Nach dem zweiten Weltkrieg lange Zeit Sperrgebiet, heute ein Nationalpark. 

Hoch über Vranov thront ein Schloss mit fabelhafter Porzellansammlung. Aber wer hier jedes Schloss besichtigen wollte, käme nicht weit: Alle paar Kilometer erwarten den Reisenden neue Schätze. Außerdem hat Mähren viel mehr zu bieten als alte Schlösser: hervorragenden mährischen Wein zum Beispiel. 

Am nächsten Morgen erreichen wir nach einigen Kilometern den jüdischen Friedhof von Šafov. Einst hieß das verschlafene Dorf Schaffa und war ein bedeutendes Handelszentrum. Nach der Besetzung des Sudetenlands durch die Nazis wurden die Juden von Schaffa vertrieben oder umgebracht. Mehr als 900 hebräisch und deutsch beschriftete Grabsteine sind hier erhalten, die ältesten von 1720. 

Drittes Etappenziel: Slavonice, einst Zlabings. Den fabelhaft renovierten Marktplatz säumen fabelhaft renovierte Häuser aus der Renaissance. Viele der Häuser sind mit sogenannten Sgrafittos geschmückt, Putzmalereien aus dem 15. und 16.Jahrundert, die von italienischen Meistern nach Böhmen und Mähren gebracht wurde.

Am Abend erreichen wir Telc, die berühmteste der kleinen böhmischen Städte zwischen Prag und Wien. Der Marktplatz von Telc gehört zum UNESCO-Weltkulturerbe und dient auch häufig als Kulisse für Filmdrehs. 

Nach der Zwangskatholisierung Böhmens im 17. Jahrundert errichteten die neuen Herren aus Wien vielerorts große Mariensäulen auf den Marktplätzen, so wie hier in Jindřichův Hradec

… wo den Reisenden außerdem ein Renaissance-Schloss erwartet, erbaut von italienischen Baumeistern. 

Über herrliche Alleen geht es vorbei an leider noch viel zu kalten Badeseen und dem berühmten Wasserschloss Cervena Lhota.

Schließlich erreichen wir Schloss und Park Janowice/Janowitz 50 Kilometer südlich von Prag. Rainer Maria Rilke hat Janowitz ein Gedicht gewidmet.

Karl Krauss soll an diesem Tisch sein Buch "Die letzten Tage der Menschheit" geschrieben haben. Krauss war der Schlossherrin Sidonie von Nadherny verfallen und kam zwischen 1913 und 1936 häufig per Eisenbahn oder Automobil von Wien hierher.

Nach sechs Tagen auf dem Rad und etwa 400 Kilometern erreichen wir schließlich Prag. In der Altstadt tummeln sich wie immer Touristen.

Wir aber beenden unsere Reise in Prag Vinohrady. Hier steht die in den 1920er Jahren erbaute Herz-Jesu-Kirche von Jože Plečnik. Erbaut auch als Zeichen der Dankbarkeit für die wiedergewonnene Unabhängigkeit des Landes und als Bitte um deren Bewahrung.

Text und Bilder: Uli Hufen

Stand: 16.05.2017, 16:18 Uhr