NRW – Schlechtes Abschneiden im Ranking

NRW-Fahne

NRW – Schlechtes Abschneiden im Ranking

Von Anne Schneider

Irgendwie läuft es unrund in NRW. In Rankings steht das Land zwischen Rhein und Weser immer wieder auf den hinteren Plätzen. Aber manchmal reicht es auch für einen ersten Platz – nur ist der dann auch nicht erfreulich.

So hat die Deutsche Umwelthilfe kürzlich ermittelt, welche Politiker die umweltschädlichsten Autos fahren. Das Ergebnis: Den unrühmlichen ersten Platz unter den Ministerpräsidentin hält ausgerechnet die NRW-Landeschefin Hannelore Kraft: Ihr gepanzerter Mercedes S 600 verbraucht 11,5 Liter auf 100 Kilometer. Der hessische Ministerpräsent Volker Bouffier erreichte mit seinem gepanzerten Audi A8 und einem Spritverbrauch von 10,9 Litern den zweiten Platz des Negativ-Rankings. Nun wäre eine gepanzerte Dreckschleuder wahrscheinlich zu verkraften, wenn es nicht sonst so düster aussähe.

Beispiel Wirtschaftswachstum 2015

Das sah bundesweit mit 1,7 Prozent ziemlich gut aus – zumindest im EU-Vergleich - nur hat NRW dazu absolut nichts beigetragen. Bei uns stieg das Bruttoinlandsprodukt nämlich genau um 0,0 Prozent. Damit war NRW das einzige Bundesland mit Nullwachstum. In Sachen-Anhalt wuchs die Wirtschaft mit 0,1 Prozent nur wenig mehr, auf dem drittletzten Platz landete Thüringen mit 1,1 Prozent Wachstum. Mit 3,1 Prozent Wachstum schaffte es Baden-Württemberg dagegen auf Platz eins.

Beispiel Arbeitslosigkeit

7,6 Prozent betrug die Arbeitslosenquote in NRW im Juni, so die neuesten Zahlen – auch das kein Ruhmesblatt, denn damit sind bei uns prozentual mehr Menschen ohne Job als in den Ostländern Sachsen und Thüringen. Unter den alten Bundesländern steht nur Bremen schlechter da. Die Arbeitslosenquote in Deutschland betrug 5,9 Prozent, die in den „alten“ Bundesländern 5,4 Prozent.

Beispiel Kinderarmut

Arbeitslosigkeit ist die wichtigste Ursache von Kinderarmut. Kein Wunder also, dass auch der Anteil der armen Kinder in NRW in den vergangenen Jahren zugenommen hat – übrigens gegen den Bundestrend. Nach einer aktuellen Studie der Hans-Böckler-Stiftung hat 2014 fast jedes vierte Kind in NRW in einem einkommensarmen Haushalt gelebt. 2005 war es noch jedes fünfte. Die Armutsgefährdung hat in jedem der fünf Regierungsbezirke zugenommen, besonders im Regierungsbezirk Münster (von 18 auf 23,6 Prozent). Ausgerechnet der Regierungsbezirk Düsseldorf ist die Region mit der zweithöchsten Kinderarmut in Westdeutschland (nach Bremen). In Ostdeutschland ist das Armutsrisiko für Kinder dagegen in den letzten Jahren massiv gesunken.

Beispiel Ganztagsschulen

NRW bietet da nur eine Schmalspurvariante - so das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zu Ganztagsschulen. An den Ganztags-Gymnasien verbringen hessische Schüler in der Woche mehr als 16 Stunden zusätzlich mit gemeinsamem Lernen und AGs – in Nordrhein-Westfalen sind nur knapp vier Stunden dafür vorgesehen. Das reicht nur für das Mittagessen und einen Teil der Hausaufgaben. Den Rest der Förderung müssen dann wohl die Eltern übernehmen – so sie dazu in der Lage sind.

Beispiel Investitionen

Der Westen ist auch Schlusslicht bei den Infrastruktur-Ausgaben. Also zum Beispiel den Investitionen für Neubau oder Erhalt von Straßen oder Schulgebäuden. 2014 haben Land und Kommunen in NRW dafür ziemlich genau halb so viel pro Kopf der Bevölkerung ausgegeben wie die Bayern.

In einem anderen Ranking finden wir uns dagegen auf Platz zwei wieder: Nach Hamburg hatte NRW im vergangenen Jahr den zweithöchsten Zuwachs bei den Wohnungseinbrüchen. Dazu wurden auch noch weniger Einbrüche aufgeklärt als 2014. Kein schönes Gefühl für die Bevölkerung. Es läuft also wirklich unrund in NRW.

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Stand: 30.06.2016, 16:06