Trumps Militärshow

US-Präsident Donald Trump gibt am 06.04.2017 eine Pressekonferenz

Trumps Militärshow

Von Christoph von Marschall

Das erste Gefühl ist Erleichterung. Endlich! Der Giftgaseinsatz in Syrien wird bestraft. Der US-Präsident heißt jetzt Donald Trump. Der handelt, statt zu zögern wie Barack Obama. Über kurz oder lang folgen jedoch Zweifel. Was hat Trump mit dem Luftangriff erreicht, außer die Empörung zu befriedigen? Und wächst nun die Gefahr einer militärischen Konfrontation mit Russland? Russisches Militär steht in Syrien, um Machthaber Assad an der Macht zu halten.

Kalkuliert Trump anders als Obama?

Die Empörung werden viele Menschen teilen, erst recht, wenn sie Bilder von den Opfern des Giftgases gesehen haben. Doch es war ja nicht ein Mangel an Gefühlen, der Obama von Luftangriffen abhielt. Sondern ein sorgfältiges Abwägen zwischen Nutzen und Risiken. Obama wollte nicht, dass die USA nach Afghanistan und Irak in einen dritten Krieg in einem muslimischen Land hineingezogen werden. Er wollte auch keine militärische Konfrontation mit Russland. Kalkuliert Trump anders?

Darauf deutet auch jetzt nichts hin. Trump hat Moskau vorgewarnt, um sicherzustellen, dass der Luftangriff auf den syrischen Luftwaffenstützpunkt keine russischen Soldaten trifft. Vermutlich haben die Russen dann die Syrer vorgewarnt, die sind schließlich ihre Verbündeten. Das dürfte die Schäden begrenzt haben.

Die syrische Tragödie setzt sich fort

War es also nur eine symbolische Strafaktion, die Trump als einen entschlossen handelnden Präsidenten zeigen sollte, aus der aber sonst nicht viel folgt? Das wäre einerseits beruhigend. Es droht kein Krieg mit Russland und keine unkalkulierbare Eskalation. Andererseits heißt das auch: An der Lage in Syrien wird sich wenig ändern. Die Russen und Assad behalten das Sagen. Sie respektieren weder Moral noch Kriegsrecht, bombardieren Zivilisten, Städte, Krankenhäuser. Die einzige Alternative zu Assad ist noch schrecklicher: eine Herrschaft des IS, die Syrien zum Rückzugsraum für Terroristen macht. Das Ziel des russisch-syrischen Kriegs gegen jede Opposition: Es darf keine akzeptable Alternative zu Assad geben.

Auch die UN werden keinen Frieden vermitteln. Moskau hat Vetorecht im Sicherheitsrat. Die syrische Tragödie setzt sich fort. Der Flüchtlingsstrom wohl auch. Und ebenso die Widersprüche in uns allen: Wir sind erleichtert, wenn auf Giftgaseinsatz eine Strafe folgt. Und kurz darauf noch ein bisschen mehr erleichtert, wenn Trump nicht weiterbombt. Denn: Ein großer Krieg wäre noch schlimmer, als das Morden in Syrien weiter zu ertragen.

Trump's Militärshow

WDR 5 Politikum - Kommentar | 07.04.2017 | 02:32 Min.

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Redaktion: Isabel Reth

Stand: 07.04.2017, 14:23