Luftverkehr läuft viel zu gut

Flugzeuge der Gesellschaft Air Berlin

Luftverkehr läuft viel zu gut

Von Bernhard Pötter

Wenn in jüngster Zeit vom Flugverkehr die Rede war, ging es um gestrichene Verbindungen und unrentable Airlines. Wir sollten öfter daran denken, findet Bernhard Pötter, dass die Branche vor allem ökologisch ein Problem ist.

Seit Wochen beschäftigt uns das Schicksal der zweitgrößten deutschen Airline. Wohin kann man noch fliegen? Was wird aus den Arbeitsplätzen bei Air Berlin? Was ergeben die Verkaufsverhandlungen?

Am Klimaziel vorbeigeflogen

Wie es der Zufall so will, gehen auch Verhandlungen der EU gerade zu Ende: darüber, wie es mit dem Klimaschutz weitergehen soll. Das hat uns in den letzten Wochen nicht beschäftigt. Aber die Frage, ob und wie Europa seine klimaschädlichen Emissionen aus Kraftwerken, Autos und ja, auch aus Flugzeugen, reduziert, entscheidet über unsere Zukunft. Und gleichzeitig hat nun auch die Bundesregierung offiziell eingeräumt, dass das deutsche Klimaziel kaum noch zu schaffen ist.

Der Staat hat Air Berlin mit einem Übergangskredit gerettet. Wir subventionieren damit den größtmöglichen Schaden, den ein normaler Mensch am Klima anrichten kann. Gerade wird ein neuer Rekord an Flügen in Europa gemeldet. Und gleichzeitig beschließen wir hehre Ziele im Klimaschutz. Wenn Sie nun fragen: "Wie passt das zusammen?" Dann lautet die Antwort: "Gar nicht." Und deshalb sollte Schluss sein mit dieser Schizophrenie. Unsere widersinnige Politik sieht heute so aus, dass wir jedes Jahr 57 Milliarden Euro an umweltschädlichen Subventionen ausgeben. 57 Milliarden. Das sind direkte und indirekte Zahlungen für Landwirtschaft, Verkehr und Energie, die unser Leben nicht besser, sondern schlechter machen.

Weniger und umweltfreundlicher fliegen

Krisenzeiten sind Zeiten für Entscheidungen. Das gilt nicht nur für Air Berlin. Das gilt umso mehr für den Klimaschutz. Natürlich ist es keine Option, tausende Jobs bei einer Fluglinie zu opfern. Aber immer so weitermachen wie bisher, ist auch keine Lösung. Statt die Flugzeuge möglichst schnell wieder in die Luft zu bringen, müsste man darüber nachdenken, wie man weniger und umweltfreundlicher fliegen kann. Etwa die Bahn ausbauen, das Billigfliegen teurer machen oder die Forschung an alternativen Treibstoffen voranbringen.

Demnächst verhandeln Union, FDP und Grüne über eine Regierung im Bund. Alle sagen, eine solche Jamaika-Koalition könne nur halten, wenn sie ein gemeinsames Projekt entwickelt.

Da hätte ich einen Vorschlag: Jamaika könnte sich vornehmen, wenigstens auf einem Feld ehrlichere Politik zu machen als bisher. Die Regierung sollte aufhören, mit unseren Steuergeldern die Zerstörung der Umwelt zu finanzieren und die umweltschädlichen Subventionen abbauen. Die FDP wäre froh, denn das hieße: weniger Staat. Die Union könnte das Geld meinetwegen in eine Väter-Rente stecken. Und die Grünen wären ohnehin glücklich, wenn zum Beispiel Flugbenzin nicht mehr steuerfrei wäre. Die neue Regierung hätte gleich beides: Eine Mission. Und weniger Emissionen.

Luftverkehr läuft viel zu gut

WDR 5 Politikum - Kommentar | 12.10.2017 | 02:30 Min.

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Redaktion: Morten Kansteiner

Stand: 12.10.2017, 14:15