Weltweit größte Tierhandlung: Bekannt und umstritten

Zoohandel Zajac

Weltweit größte Tierhandlung: Bekannt und umstritten

Das größte Zoofachgeschäft der Welt steht in Duisburg: die Verkaufshallen von Norbert Zajac. 1,1 Millionen Besucher im Jahr. 1.000 Parkplätze. 250.000 Tiere. 3.000 Arten - doppelt so viele wie im artenreichsten Zoo der Welt in Berlin. Tierschützer mögen Zajacs Showkonzept nicht. Aber der hält eisern dagegen.

Sechs kleine Liszt-Äffchen freuen sich über den Besuch von Chef Norbert Zajac. Sie springen und klettern wie wild durch ihren großen Käfig und begrüßen Zoohändler Zajac als wäre er ein Mitglied ihrer Gruppe. Kein Wunder. Er kommt nicht mit leeren Händen. "Die stehen schon auf der Lauer", sagt er. "Und jetzt gibbet also 'n paar lecker Heuschrecken, so ein Äffchen, als erstes beißt es den Kopf ab und damit ist dat Tier sofort tot. Normalerweise kriegen die Tiere überwiegend Obst zu essen, aber so ein oder zwei Heuschrecken, das finden die natürlich supertoll."

Mit dem Moped durch den Laden

Zoohandel Zajac

Insgesamt leben in Zajacs riesigem Tierreich etwa 3.000 Arten.

Der Duisburger Zoohändler ist den ganzen Tag auf einem Moped in seinem Laden unterwegs. Eine komplette Runde ist immerhin zwei Kilometer lang. Der 61-Jährige schnauft beim Gehen, sein Gesicht ist rot und verschwitzt. In seinem Alter könnte er etwas ruhiger treten. Das ist aber nicht sein Ding. Ständig klingelt Zajacs Telefon. Oft ist einer seiner mehr als 170 Mitarbeiter an der Strippe. Mal wird der Chef bei den Nasenbären gebraucht, mal am Garnelenbecken: "Ich mach so im Jahr 4.000 Kilometer. Ist mal am Tag nur 4,5 Kilometer, manchmal aber auch 20."

Affen und Gänse, Erdmännchen und Faultiere, Riesenschlangen, Flöhe und rund 50 verschiedene Vogelspinnen-Arten. Sogar Quallen und kleine Haie. Insgesamt leben in Norbert Zajacs riesigem Tierreich an der Duisburger Stadtgrenze zu Oberhausen etwa 3.000 verschiedene Arten. Besucher, die zum ersten Mal hier sind, können es in der Regel kaum glauben: Wer kauft das alles? Die Liszt-Äffchen zum Beispiel gehen demnächst an einen Zoo in die Türkei. Die ganze Gruppe für 12.000 Euro. An eine Justizvollzugsanstalt in Wuppertal verkaufte der Geschäftsmann kürzlich eine Gruppe nordamerikanischer Brahma-Hühner. Und während der Händler seinen Laden zeigt, kauft eine junge Frau aus Gladbeck gerade einen grünen Leguan: "Weil die einfach süß sind. Die sind schön. Deswegen."

Kritik vom Tierschutz

Tierschützern gefällt das Unternehmen von Norbert Zajac überhaupt nicht. Er gebe den Menschen das Gefühl, Exoten einfach im Wohnzimmer halten zu können, wirft ihm der Deutsche Tierschutzbund vor. Der Zoofachhändler hält dagegen: Kunden, die keinen verantwortungsbewussten Eindruck hinterließen, würde er kein Tier verkaufen. Überprüfen lässt sich diese Zusicherung nicht. 2012 liefen Tierschützer Sturm, weil Zajac begann, auch Hunde in seinem Geschäft zu verkaufen – und damit ein bis dato in deutschen Zoofachhandlungen geltendes Tabu brach.

Zajac sagt dazu: "Ganz früher wurden ja Hunde in so 80 oder 90 cm großen Boxen womöglich im Schaufenster verkauft. Und als Tierschützer dann hörten, dass wir wieder mit Hunden anfingen, hatten die wahrscheinlich solche Bilder im Kopf. Was das Tierschutzgesetz heute natürlich nicht mehr zulässt. Und die Demonstrationen waren aber alle vor der Eröffnung der Hundeanlage. Als die gehört haben, was wir gebaut haben, dann war also schlagartig Ruhe."

In Behördenkreisen gilt der Chef eher als pingelig

Rein rechtlich ist Norbert Zajac nichts vorzuwerfen. Der Duisburger Unternehmer gilt in Behördenkreisen eher als pingelig. Prüfer des Veterinäramtes fanden höchstens mal kleinere Verstöße wie Formfehler bei Dokumenten. Und in der Tat: Die Hundeanlage inklusive Außenbereich ist so groß, dass auf die Fläche ein kleines Doppelhaus passen würde.

Zoohandel Zajac

In seinem Laden erscheint Norbert Zajac unangreifbar. Er ist der Star.

In seinem Laden erscheint Norbert Zajac unangreifbar. Er ist der Star. Er ist das Geschäft. Fast täglich gibt er Interviews. Mittlerweile war er so oft im Fernsehen, dass ihm sein neues Moped gesponsert wurde.

Zajac braucht Besucher in seinem Zoo. Er sagt: Auch wenn 50 Prozent der Kunden eigentlich nur in das Geschäft kommen, um zu gucken, kaufen letztlich fast alle etwas.

Acht Meter hohe Lagerhallen mit Supermarkt-Atmosphäre

Das Riesengeschäft von Norbert Zajac im Gewerbegebiet von Duisburg-Meiderich ist nicht besonders schön. Von außen alter Backstein und Wellblech. Von innen eine Aneinanderreihung von acht Meter hohen kunstlichtgefluteten Lagerhallen mit Supermarkt-Atmosphäre. Unter den knapp 200 Mitarbeitern, die hier arbeiten, sind Aushilfen, Auszubildende, Call-Center-Agenten, Handwerker und Verkäufer. Aber auch Ingenieure, drei Tierärzte und mehrere Biologen.

Angefangen hat der gebürtige Gelsenkirchener schon als Kind mit dem Handel von Hamstern und Meerschweinchen. Mit 13 wurde er Deutschlands wohl jüngster Papageienzüchter. Später verkaufte er Guppys für 50 Pfennig. Nach und nach baute er sich dann seinen Traum auf. Sein Geschäft wuchs und wuchs. Nach einem Umzug umfassen die Verkaufshallen heute 12.000 Quadratmeter. Die Ausstellungsfläche mancher Möbelhäuser ist genauso groß.

Zajac findet alle Arten spannend

Zoohandel Zajac

Ein Nasenbär gehört auch zum Bestand (Aufnahme vom Februar 2016).

Norbert Zajac ist nicht tierlieb im eigentlichen Sinn. Er hat auch kein Lieblingstier – sondern findet alle Arten spannend: "Wir unterscheiden die Menschen also in zwei verschiedene Tierhalter. Einmal den, der Tiere streichelt und kuschelt, weil er eben was zum knuddeln braucht und dann eben den Beobachtungstierliebhaber." Der Zoohändler gehört zur letzteren Gattung. Das wird klar, wenn man ihn in seinem Geschäft beobachtet. Diese Leidenschaft für Tiere jeder Spezies wäre ihm vor vielen Jahren beinahe zum Verhängnis geworden. Als er für einen Käufer einen Rotfeuerfisch aus einem Aquarium holen wollte, sprang dieser heraus und bohrte seinen giftigen Rückenflossenstachel in Zajacs Hand.

"Dann hat das so 'ne halbe Stunde gedauert", erzählt er. "Dass von den Schmerzen im Daumen es dann vom Handgelenk zum Arm und zum Herz ging. Und dann habe ich den Rettungswagen geholt. Und kurz nachdem ich im Krankenhaus eingetroffen war, hat man mich schon ins Sterbezimmer gebracht, und dann kam auch der Herzstillstand."

Norbert Zajac wurde erfolgreich wiederbelebt. Seine Frau war geschockt, versuchte aber gar nicht erst, ihm ins Gewissen zu reden. Es war ein Unfall, sagt der Geschäftsmann. Nur für einen sehr kurzen Moment spürt man, dass ihn der Vorfall noch immer berührt. Ein Reiter muss halt zurück auf´s Pferd, sagt er knapp.

Pro Jahr 250.000 Euro Minus - dennoch eine Investition

Norbert Zajac gibt an, durch den Verkauf von Tieren pro Jahr 250.000 Euro Minus zu machen. Letztlich ist das aber eine Investition. Denn sein Gratis-Zoo soll potentielle Kunden anlocken. 90 Prozent seines Umsatzes macht Zajac mit seinen mehr als 50.000 Artikeln rund um die Tierhaltung und anderen Produkten. Von der Pumpe für Großaquarien bis zur Postkarte mit Katzenmotiv gibt es so ziemlich alles, was der Tierliebhaber braucht oder nicht braucht. Wer will, kann seinen Hund bei Norbert Zajac sogar in eine Art Waschanlage schicken.

"Sie haben also einmal mit Shampoo, einmal Spülwasser, ein Hairconditioner, ein Flohmittel können Sie dabei tun", berichtet er. "Und dann haben Sie noch zwei verschiedene Föhnstufen, dass sie den Hund stark oder leicht föhnen können. Und für 7,50 Euro 'nen sauberen Hund und 'ne saubere Wohnung. Das ist doch eigentlich ein guter Deal."

Gigantomanischer Kampf gegen Tiernahrungs-Discounter

Ständig rattert Zajac beim Gang durch seinen Laden irgendwelche Zahlen herunter. 1,1 Millionen Besucher im Jahr. Die 1.000 Parkplätze für Kunden auch aus England, Polen, Holland. 250.000 Tiere. 3.000 Arten. Also doppelt so viele wie im artenreichsten Zoo der Welt in Berlin. Wobei Norbert Zajac diese Rekordzahlen auch mit Hilfe der vielen Kleinsttiere wie Ameisen, Tausendfüßler und Heuschrecken erreicht. Mit der Gigantomanie will der Geschäftsmann im Kampf gegen die Tiernahrungs-Discounter bestehen.

Die Banken überzeugt dieses Konzept allerdings schon lange nicht mehr. Für größere Investitionen hat Zajac deshalb Geld bei seinen Kunden eingesammelt: "Sie legen bei uns Geld an, und ich gebe ihnen sechs Prozent Zinsen dafür. Und davon können wir leben. Wir haben also so viel Geld von unseren Kunden gekriegt, dass wir im Augenblick noch nicht mal Geld suchen."

Jetzt sollen Pinguine her

Das war nicht immer so. Schon mehrfach stand der Unternehmer kurz vor der Pleite. Nach vier Jahren mit roten Zahlen hofft er in diesem Jahr erstmals wieder auf einen Gewinn. Und schmiedet neue kühne Pläne. Der 61-Jährige träumt davon, sich eine Gruppe Pinguine anzuschaffen. Norbert Zajac will der Welt zeigen, dass er mitten in Duisburg auch Pinguine ausstellen kann. "Wer hat schon mal einen Pinguin angefasst oder gefüttert? Das ist ein Erlebnis für sich. Muss ich aber erst dann haben, wenn ich die richtigen Voraussetzungen für die Tiere hier schaffen kann."

Das Zoogeschäft wird zum Showgeschäft. Damit der Strom der Besucher nicht abreißt, muss der Händler ähnlich wie ein Freizeitpark neue Attraktionen präsentieren. In zwei bis drei Jahren, so hofft er, können die Pinguine einziehen. Davor muss er noch etwas umbauen. Norbert Zajac will einen überdachten Außenbereich installieren – im größten Zoofachgeschäft der Welt in Duisburg.

Autor des Radiobeitrags: Benjamin Sartory

Größtes Zoofachgeschäft der Welt in Duisburg

WDR 5 Neugier genügt - das Feature | 07.10.2016 | 15:08 Min.

Download

Stand: 07.10.2016, 00:00