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Eine Ethik der Migration

Ungarische Soldaten errichten am 14.09.2015 in Röszke an der Grenze zwischen Serbien und Ungarn einen Zaun

Eine Ethik der Migration

Wie umgehen mit den Herausforderungen der Migration? Sind offene Grenzen moralisch verantwortbar? Der Philosoph Julian Nida-Rümelin sucht Antworten im Bereich der Ethik – mit teils überraschenden Erkenntnissen.

Die massenhafte Migration, der Aufwind für Populisten, der neue Nationalismus – wir erleben stürmische Zeiten. Die Politik, sagt Julian-Nida Rümelin, befindet sich ebenso in einer Orientierungskrise wie der öffentliche Diskurs; es drohe eine Gefährdung der liberalen und sozialen Demokratie. In dieser Situation sei es notwendig, über die Rolle staatlicher Grenzen neu nachzudenken und die ethischen Aspekte von Migration und Einwanderungspolitik zu diskutieren. "Die Flüchtlingskrise zwingt zu gedanklicher Klarheit, die nur zu haben ist, wenn man sich von lieb gewonnen Dogmen verabschiedet."

Julian Nida-Rümelin

Julian Nida-Rümelin, geboren 1954, ist einer der bekanntesten Philosophen Deutschlands, in der Regierung Schröder war er von 2001 bis 2002 Kulturstaatsminister. Mit seinem Essay "Über Grenzen denken. Eine Ethik der Migration" versuche er, Brücken zu schlagen zwischen Theorie und Praxis, sagt Nida-Rümelin. Der Philosoph plädiert dafür, die ethischen Aspekte der Migration "einer rationalen Klärung zuzuführen" - und damit auch die "irresetzende Entgegensetzung" von Ethik und Realpolitik zu überwinden, also auch die zwischen vermeintlichen "Gutmenschen“ und "Realisten". Nida-Rümelin kommt zu der Erkenntnis, dass es starke staatliche Grenzen und ein entsprechendes Recht unbedingt braucht.

Zugleich fordert er eine Politik der globalen Verantwortung, die es sich zum Ziel setzt, Fluchtursachen, Gerechtigkeitsproblematiken, auch ökologische Probleme zu vermeiden und zu bekämpfen. Eine moralisch gute Migrationspolitik müsse sowohl auf Sozialverträglichheit in den reicheren Ländern achten – wie auch darauf, dass die ärmeren Länder nicht ausbluten, hier fordert Nida-Rümelin ein "Schädigungsverbot". Die Aufnahme von Armutsflüchtlingen sei "kein vernünftiger Beitrag zur Bekämpfung von Weltarmut." Fazit: „Ich spreche mich also aus kosmopolitischen und humanitären Erwägungen gegen eine Politik der offenen Grenzen zur Bekämpfung des Weltelends aus.“

Eine Ethik der Migration

WDR 5 Neugier genügt - Redezeit | 16.03.2017 | 27:49 Min.

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Redaktion: Ursula Daalmann